In Liberia richten internationale Hilfsorganisationen weiterhin neue Quarantäne-Camps für Ebola-Kranke ein. © John Moore/Getty Images

Die Internationale Föderation des Roten Kreuz (IKRK) hat ein Problem. Mit knapp fünf Millionen Euro will die Hilfsorganisation die Ausbreitung des Ebola-Virus in Westafrika bekämpfen. Doch noch ist unklar, woher das Geld für Ärzte und Infusionen, für Krankenwagen und Zeltlazarette kommen soll. Das Hilfswerk hat erst knapp die Hälfte der versprochenen Summe beisammen.

Prompt warnt das IKRK: Sollten nicht genügend Spenden zusammenkommen, könnte die nötige Ausrüstung vor Ort knapp werden – und das Virus weitere Menschen infizieren. Die Zahl der Todesopfer, seit dem Ausbruch im März starben mehr als 1.000 Menschen, würde weiter steigen. Nur wenn genügend Mittel vorhanden sind, sei die Lage unter Kontrolle zu bringen. Eine verbreitete Auffassung, dabei ist Geldmangel in dieser Krise längst nicht das größte Problem.

Nachdem sich die Weltöffentlichkeit fast vierzig Jahre lang kaum für Ebola interessiert hatte, versprachen bereits die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Weltbank insgesamt 300 Millionen Dollar Soforthilfen, umgerechnet rund 225 Millionen Euro. Fraglich ist jedoch, ob selbst diese Mittel ausreichen, um das Virus einzudämmen. Tankred Stöbe etwa, Vorsitzender der Ärzte ohne Grenzen Deutschland, fordert eine weitere "radikale Aufstockung" der Hilfe. Den Ärzten vor Ort fehle es selbst an Benzin, das afrikanische Pflegepersonal müsse speziell geschult werden.

Rund 10.000 Euro koste es laut August Stich, zwei Mitarbeiter für eine fünftägige Schulung nach Westafrika zu schicken. Stich ist Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und kümmert sich um ein Schulungsprogramm für Anrainerstaaten. Nicht alle Kosten sind damit abgedeckt, schließlich fehlen die beiden Mediziner in der deutschen Klinik für mindestens eine Woche. Dieser Verdienstausfall summiert sich auf ein Vielfaches der direkten Kosten.

Die medizinische Versorgung der Infizierten vor Ort hingegen ist verhältnismäßig günstig. Der Plan des Roten Kreuzes sieht vor, bis zum Ende des Jahres insgesamt mehr als 1,5 Millionen Euro in die Ebola-Hilfe in Liberia zu stecken. Die Ausgaben für "Medizinische und Erste Hilfe" machen dabei rund 55.000 Euro aus, also weniger als vier Prozent des Budgets. Nicht eingerechnet sind darin allerdings die Kosten für Pfleger und Ärzte, die sich um die Infizierten kümmern.

Ein Teil des Geldes geht direkt an betroffene Dörfer

Die Weltbank überweist ihre Hilfe nach eigenen Angaben direkt an die betroffenen Staaten. Das Geld, umgerechnet rund 150 Millionen Euro, soll größtenteils in die nationalen Gesundheitssysteme fließen: etwa in die Gehälter von Ärzten und Krankenschwestern oder um die Medikamentenvorräte in den staatlichen Krankenhäusern aufzufüllen. Einen anderen Teil des Hilfspakets will die Weltbank direkt an Dörfer vergeben, in denen die Quarantänemaßnahmen zu Nahrungsmittelengpässen geführt haben.

Das Vorgehen der Weltgesundheitsorganisation ist ähnlich. Neben Geld für die 120 WHO-Mitarbeiter, die sich derzeit in den Krisenregionen aufhalten, erhalten die betroffenen Staaten eine Soforthilfe von 75 Millionen Euro. Gemeinsam mit den Regierungen hat die WHO einen Notfallplan aufgestellt, der die dringlichsten Probleme auflistet. Vor allem geht es darum, weiteres Fachpersonal in die Krisenregion zu bringen.

Zwar betonen die WHO und die Weltbank, stets mit den humanitären Organisationen vor Ort zusammenarbeiten zu wollen ­– wie diese Kooperation aussehen soll, ist aber noch unklar. "Vonseiten der Weltbank gab es uns gegenüber bislang noch keine konkrete Auskunft darüber, wie das Geld aufgeteilt werden soll und wann es bereitsteht", sagt Hansika Bhagani, Sprecher der IKRK für die betroffenen Gebiete. Ähnliches berichten auch die Ärzte ohne Grenzen.