18 Rhesusaffen könnten alles verändern. Sie symbolisieren die vielleicht erste Chance für Ebola-Kranke sich gegen ein Virus zu wehren, das bisher jeden Zweiten sterben lässt. Kein Medikament, geschweige denn eine Impfung, ist verfügbar, um den Erreger zu stoppen oder Erkrankte zu retten. Allein Gesunde schützen und Infizierte isolieren halten das Virus auf.

Doch die Affen im Tierversuch haben überlebt. Trotz einer Virenlast in ihren Körpern, die ohne Behandlung den sicheren Tod bedeutet hätte. Geholfen hat ihnen ZMapp, eine Antikörpermischung, die noch in der Entwicklung steckt. Die experimentelle Arznei ist damit endgültig der beste Kandidat, das erste Ebola-Mittel der Welt zu werden.

Ohne die schlimmste Ebola-Epidemie der Geschichte, die sich derzeit in Westafrika festgesetzt hat, wäre die Forschung längst nicht so weit. Die Zeit drängte. Mehr als 3.000 gemeldete Infizierte, schon jetzt übersteigt die Zahl der Toten die 1.500 und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet mit einem Ende erst in Monaten. Bis dahin, so schätzen Seuchenexperten, könnten sich bis zu 20.000 Menschen angesteckt haben. Die Hälfte wird vermutlich sterben.  

Experiment mit unbekanntem Ausgang

Die Ebola-Epidemie in Sierra Leone, Guinea und Liberia ist zum internationalen Notfall geworden. Experten der WHO haben deshalb eine Liste erstellt von fast einem Dutzend Arzneimitteln, die bislang nur in Tierversuchen mal mehr, mal weniger gut gegen Ebola halfen. Könnte davon etwas helfen? Darunter sind Medikamente und Impfstoffe, aber auch Blutplasma-Präparate. Nichts davon haben Mediziner an Menschen erprobt. Die Sicherheit der Inhaltsstoffe ist ebenso unbekannt, wie mögliche Risiken oder Nebenwirkungen. Jede Gabe eines solchen Mittels ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang. 

Auch ZMapp steht auf der Liste. Mindestens sechs medizinische Helfer, die sich in Westafrika mit Ebola infiziert hatten, haben das Blutplasma-Präparat schon erhalten. Mit dem Hinweis, dass es ihnen im Zweifel nicht nur nicht helfen, sondern auch schaden könnte. Vier Patienten erholten sich, zwei starben. Doch hat den Überlebenden wirklich ZMapp geholfen oder gehörten sie schlicht zu den glücklichen 45 Prozent aller Erkrankten, deren Immunabwehr den Kampf gegen das Virus gewinnt?

Wozu ZMapp imstande sein könnte, stellen Forscher um den Biologen Xiangguo Qiu nun erneut unter Beweis. Die Ergebnisse sind derart vielversprechend, dass das Magazin Nature sie kurzfristig und rasch online veröffentlicht hat (Qiu et al., 2014). Qiu und seine Kollegen konnten 18 Rhesusaffen (Macaca mulatta) mit ZMapp vor dem sicheren Ebola-Tod retten. Dabei waren die Tiere längst lebensbedrohlich erkrankt, litten an heftigen Blutungen und Ausschlägen. Die Lebern der Tiere zeigten erste Schäden. ZMapp heilte die Tiere, selbst dann noch, wenn es erst fünf Tage nach der Infektion verabreicht wurde.

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Dies ist entscheidend. Bislang war es in Tierversuchen nur gelungen, Ebola mit anderen Mitteln zu bekämpfen, wenn die rettende Arznei innerhalb von zwei Tagen im Blut der Infizierten landete (Dye et al., 2012; Olinger et al., 2012). Mit einem ähnlichen Präparat wie ZMapp hielt der Schutz auch am dritten Tag nach der Ansteckung für die meisten Tiere noch (Qiu et al., 2013).

Das Problem: Ebola lässt sich so früh zwar im Körper nachweisen, doch Fieber, Übelkeit und Blutungen haben oft noch gar nicht begonnen. Die Menschen, die im Moment in Westafrika erkranken, haben zu einem so frühen Zeitpunkt sicherlich noch keinen Arzt gesehen.

Sollten eines Tages Menschen behandelt werden, müsste man zunächst sicher wissen, ob sie überhaupt den Erreger in sich tragen. Während eines Ausbruchs wie derzeit in Westafrika wäre dies praktisch unmöglich. Schon jetzt stoßen die Helfer an ihre Grenzen, aufwendige Bluttests an Tausenden von Menschen sind dort kaum zu organisieren. Im Tierversuch retteten spätere Gaben von Präparaten wie ZMapp bislang weniger als die Hälfte der erkrankten Affen (Pettitt et al., 2013).

Zwar sind diese Versuche an Affen schon aussagekräftiger als bisherige Mäuse-Experimente, sie ersetzen aber keinesfalls klinische Studien: Menschen könnten völlig anders auf ZMapp reagieren, schwere Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen.

Und doch bleibt ZMapp aussichtsreichster Kandidat für eine Ebola-Therapie. Nur eben nicht für die aktuelle Epidemie.

Dessen Entwicklung nennt der Mikrobiologe und Ebolaforscher Thomas Geisbert einen "gewaltigen Erfolg". Stetig verfeinerten Wissenschaftler vor allem um den Biologen Qiu den Cocktail aus im Labor gebastelten Antikörpern, die das Ebola-Virus erkennen und vernichten können (Qiu et al., 2012; Qiu et al., 2013). Die Antikörper bestehen in Teilen aus menschlichen Abwehr-Proteinen und solchen, die Forscher aus infizierten Mäusen isolierten, deren Immunsystem gegen Ebola aktiv wurde. Die effektivsten Bestandteile für das Medikament scheinen jetzt gefunden.

Allerdings schränkt Geisbert die Euphorie in einem Gastbeitrag für Nature ein: Die Vielfalt der Erregerstämme seien ein nicht zu unterschätzendes Hindernis für alle Arzneien, die derzeit gegen das Virus entwickelt würden. ZMapp half den Affen zwar gegen Ebola, allerdings nicht gegen die Variante, die gerade in Westafrika umgeht. Als die Studie anfing, war das jetzige Virus noch nicht isoliert. Allerdings testeten Qiu und seine Kollegen später im Labor noch an infizierten Zellen, wie gut ZMapp auf den aktuellen Virenstamm reagiert. Das Mittel konnte dessen Vermehrung hemmen.