Erstmals seit Beginn der Ebola-Epidemie hat sich ein Mensch außerhalb Westafrikas mit dem Virus angesteckt. Eine Krankenschwester, die einen infizierten Missionar aus Sierra Leone in einem Krankenhaus in Madrid behandelt hat, sei positiv auf die Krankheit getestet worden, teilte die spanische Gesundheitsministerin Ana Mato mit. Die verheiratete, kinderlose Krankenschwester kam demnach nach ihrem Urlaub am Sonntag mit hohem Fieber in eine Klinik in Alcorcón und wurde unter Quarantäne gestellt. Nach Angaben von Medizinern fühlte sie sich erstmals am 30. September krank.

In der Nacht zum Dienstag wurde die Patientin von einem Krankenhaus im Madrider Vorort Alcorcón in die Spezialklinik Carlos III verlegt, in der sie selbst zwei Ebola-Patienten betreut hatte. Die Polizei eskortierte den Krankenwagen-Konvoi mit der Frau. Es ist der erste Fall einer Ebola-Infektion in Spanien – und auch in ganz Europa. Die spanischen Gesundheitsbehörden beriefen einen Krisenstab ein und haben einen Notfallplan in Kraft gesetzt.

Der Direktor für die medizinische Erstversorgung, Antonio Alemany, sagte, die Behörden würden eine Liste mit den Personen erstellen, mit der die Krankenschwester Kontakt gehabt habe. Ihr Mann und die Rettungssanitäter, die sie aufgenommen hätten, würden beobachtet, seien aber nicht in Quarantäne. Wo die Frau ihren Urlaub verbrachte, war zunächst unklar.

Die Schwester hatte den spanischen Geistlichen Manuel García Viejo gepflegt, der sich in Sierra Leone mit Ebola infiziert hatte und mit einem Flugzeug der spanischen Luftwaffe ausgeflogen worden war. Der 69-Jährige starb am 25. September in Madrid. Zuvor war bereits ein anderer spanischer Missionar in Madrid an Ebola gestorben, der sich in Liberia infiziert hatte und der ebenfalls ausgeflogen worden war. Vollkommen unklar ist, wie sich die Krankenschwester trotz strenger Quarantäne anstecken konnte.

Gesundheitsministerin Mato sagte, derzeit werde geprüft, ob während der Behandlung der beiden Priester sämtliche Vorschriften eingehalten wurden. Bislang hatten Experten es für unwahrscheinlich gehalten, dass sich Menschen außerhalb Afrikas mit dem Virus infizieren könnten und auf die weitaus besseren Hygienestandards und Schutzmöglichkeiten verwiesen.  

Auch eine Mitarbeiterin der Organisation Ärzte ohne Grenzen aus Norwegen hat sich in Sierra Leone offenbar mit dem Ebola-Virus angesteckt. Die Frau soll zur Behandlung ins Universitätsklinikum in Oslo geflogen werden. Der Ebola-Patient in den USA schwebte weiter in Lebensgefahr, wie das behandelnde Krankenhaus in Dallas mitteilte. Er könne nicht mit experimentellen Medikamenten wie ZMapp behandelt werden, weil die geringen Vorräte aufgebraucht seien, erklärte die US-Gesundheitsbehörde CDC.

Ein Kameramann des US-Senders NBC ist der fünfte Amerikaner, der sich in Westafrika mit Ebola infizierte und in der Heimat behandelt werden soll. Er traf heute in Omaha (Nebraska) ein und soll dort auf der Isolierstation des Nebraska Medical Center behandelt werden. Der Freiberufler war NBC zufolge erst am vergangenen Dienstag für Dreharbeiten in der liberischen Hauptstadt Monrovia engagiert worden und hatte sich dann mit Ebola angesteckt.

Uganda meldet Ausbruch des Ebola-verwandten Marburg-Fiebers

Im Nebraska Medical Center in Omaha war in den vergangenen Wochen bereits ein Arzt und Missionar behandelt worden, der sich in Liberia mit Ebola angesteckt hatte. Die Krankheit sei bei ihm inzwischen nicht mehr nachweisbar, teilte das Krankenhaus mit. Vier weitere Ebola-Patienten waren seit Ausbruch der jüngsten Epidemie zudem in einer Spezialklinik in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia behandelt worden. Zwei von ihnen haben die Krankheit überstanden, über den Zustand der zwei anderen gab es zunächst keine Informationen.

In Uganda ist das mit dem Ebola-Virus verwandte sogenannte Marburg-Fieber ausgebrochen. Ein Klinikmitarbeiter in dem ostafrikanischen Land erlag dem Virus, mehrere weitere haben sich möglicherweise infiziert. Insgesamt stünden 80 Menschen in Quarantäne unter Beobachtung, sagte die Direktorin des staatlichen Gesundheitsdienstes Jane Aceng. Präsident Yoweri Museveni rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. Notfallteams wurden zusammengestellt.

Bisherige Marburg-Ausbrüche wurden in Uganda relativ rasch eingedämmt. Infektionen mit dem Virus sind zwar selten, verlaufen aber nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sehr oft tödlich. Das Virus verursacht Blutungen aus Körperöffnungen und in den inneren Organen.