Fleischgroßmarkt in London © Oli Scarff/Getty Images

Mastanlagen sind Brutstätten für Keime, die gegen Antibiotika resistent sind. Denn dort werden viele dieser Medikamente eingesetzt. Mit den Tieren können die Bakterien dann in die Schlachthöfe gelangen, von dort in fleischverarbeitende Betriebe und schließlich auf die fertigen Produkte. Vor allem das Fleisch von Schweinen und Geflügel kann mit Keimen belastet sein. Was also kann man noch essen?

Es gibt einige Untersuchungen dazu, ob sich im Fleisch, das im Supermarkt verkauft wird, Keime finden. Der BUND fand beispielsweise 2011 bei Stichproben heraus, dass die Hälfte der gekauften Hähnchenfleischartikel belastet war. Insgesamt zwanzig Produkte wurden dazu in Supermärkten in Hamburg, Nürnberg, Köln und bei Stuttgart eingekauft. Bei zehn Proben fanden sich ESBL-bildende Keime. In zwei Proben wurde MRSA entdeckt.

Die Tierärztliche Hochschule Hannover hat 2013 eine ähnliche Studie angefertigt. Sie untersuchte 120 gesunde Hähnchen in einem Schachthof. In vielen Fällen fanden die Forscher ein Enzym, das auf resistente Keime hindeutet. 89 Prozent der Proben aus dem Knochengerüst der Tiere waren demnach mit ESBL belastet und 72 Prozent der Proben aus dem Blinddarm der Tiere. Die Stiftung Warentest fand 2013 in zwölf von zwanzig Produkten resistente Keime.

Alle diese Studien sind nicht repräsentativ. Aber sie sind ein Hinweis darauf, dass resistente Keime auf diesem Weg bis zum Käufer gelangen können.

Mit Keimen belastetes Fleisch zu essen, bedeutet jedoch nicht, dass man selbst daran erkrankt. Resistente Keime können sich zwar im Körper ansiedeln, richten dort aber nicht unbedingt Schaden an. Der Körper kann mit ihnen fertig werden, sodass sie nach einiger Zeit auch wieder verschwunden sind. Gefährlich wird es nur, wenn der Keimträger wegen einer Erkrankung selbst Antibiotika nimmt. Die nämlich töten die empfindlichen Bakterien im Körper ab, sodass nur noch die resistenten überleben und sich nun stark ausbreiten können. Gefährdet sind deshalb auch Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, weil sie beispielsweise chronisch erkrankt sind, eine Chemotherapie bekommen oder ihnen ein Organ transplantiert wurde.

Wer verhindern will, dass solche gefährlichen Bakterien überhaupt in seinen Körper kommen, hat dazu einige Möglichkeiten.

Kein Fleisch aus Massentierhaltung kaufen

Das wirksamste Mittel gegen die Ausbreitung multiresistenter Keime bei Schlachtvieh wäre, dafür zu sorgen, dass weniger Antibiotika in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Dazu aber braucht es mehr Platz in den Ställen. Die Tiere benötigen Auslauf und Sonne: Dadurch werden sie resistenter gegen Bakterien und müssen nicht mit Antibiotika behandelt werden. Bei entsprechender Haltung können sich Keime auch nicht so einfach von Tier zu Tier übertragen.

Antibiotika, die für die Behandlung von Menschen entscheidend sind, sogenannte Reserveantibiotika, haben in der Tierzucht gleich gar nichts verloren. Das alles aber kostet Geld und macht das Fleisch teurer. Wer billiges Fleisch will und teurer produziertes aus artgerechter Haltung verschmäht, arbeitet mit an dem gefährlichen Kreislauf.

Biosiegel reichen als Lösung nicht aus. Öko-Fleisch wird teilweise in denselben Schlachtbetrieben verarbeitet wie Fleisch aus herkömmlicher Produktion. Und dort werden Keime eben auch übertragen.

Hygiene in der Küche

Wichtig als Schutz ist außerdem, in der eigenen Küche sauber zu arbeiten. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, bei der Zubereitung von Fleisch Einweg-Handschuhe zu tragen, da MRSA-Keime durch kleine Hautöffnungen in den Körper gelangen können.

Woher die tödlichen Keime kommen und warum Multiresistenzen so gefährlich sind

Außerdem sollten Messer, Schneidebrett und andere Küchenwerkzeuge, die mit rohem Fleisch in Kontakt kommen, nicht zum Schneiden von Salat, Gurke und weiteren Lebensmitteln genutzt werden, die anschließend nicht erhitzt werden. Also entweder eigene Messer und Bretter nur für das Fleisch verwenden oder aber alles anschließend in die Spülmaschine legen oder gründlich heiß abwaschen. Nach der Zubereitung von rohem Fleisch sollte man sich außerdem gründlich die Hände waschen.

MRSA-Erreger auf dem Fleisch werden einzig durch Kochen, Braten und Grillen bei mindestens 70 Grad zerstört. Das Essen von rohem Fleisch birgt damit das höchste Risiko. Bewiesen ist das nicht, aber Hygieniker vermuten, dass die Verbreitung resistenter Keime in Deutschland auch mit den Essgewohnheiten zu tun hat. Dort, wo viele rohe Fleischprodukte wie Mettwurst gegessen werden, ist die Belastung der Bevölkerung mit Keimen möglicherweise höher.

Kein rohes Fleisch und gründliche Hygiene – das Ganze hat den Vorteil, dass so auch andere gefährliche Erreger bekämpft werden. Vor allem Salmonellen und Campylobacter werden auf diese Weise ebenfalls beseitigt. Beide sind nicht so tödlich wie resistente Keime, gefährlich aber sind auch sie.