Langsam scheinen Behinderungen aus unserer Gesellschaft zu verschwinden. Die Trisomie 21 zum Beispiel, Ursache für das Down-Syndrom. ZEIT ONLINE widmet diesem Thema das Multimedia-Dossier Wer darf leben?. Die Reportagen, Videos, Berichte und Infografiken gibt es auch in leichter Sprache.

Diskutieren Sie mit! Der Medizinethiker Urban Wiesing stand am Donnerstag im Kommentarbereich Rede und Antwort. Ab diesem Kommentar können Sie die Debatte verfolgen.

Tests zur Pränataldiagnostik sind freiwillig. Ein neuer Bluttest (Praenatest) wird in Deutschland künftig wohl von den Kassen gezahlt. Mit seiner Hilfe lassen sich Defekte im Erbgut des Kindes im Blut der Mutter feststellen. Einer davon ist die Trisomie 21, Ursache des Down-Syndroms. 

Würden Sie vor der Geburt wissen wollen, ob Ihr Kind einen Gendefekt hat?

Der Test macht eine Abtreibung, wenn gewollt, früher in der Schwangerschaft möglich. Er ist schon vor der zwölften Woche durchführbar. Vor allem späte Mütter, die ein erhöhtes Risiko haben, Kinder mit Gendefekten zu bekommen, erhalten eine Alternative zur Fruchtwasseruntersuchung, durch die eine Fehlgeburt ausgelöst werden kann.

Wer darf leben? Lesen Sie hier das Multimedia-Dossier zum Down-Syndrom. © Sebastian Kahnert/dpa

Wollen wir das? Menschen aussortieren?

Der Test berührt große ethische und rechtliche Fragen, etwa wer über Leben und Tod entscheiden darf, wer bestimmt, wo Gesundheit aufhört, Krankheit beginnt, und ob ein Staat Eltern vorschreiben kann, ob sie mit einem behinderten Kind leben oder nicht.

Ein Leben mit Down-Syndrom – ist das schlimm?

Schon jetzt fürchten Behindertenverbände und einige Medizinethiker, dass der Praenatest nur der Anfang ist und sich Eltern künftig genetisch maßgeschneiderten Nachwuchs züchten. Sie verweisen darauf, dass Inklusion von Behinderten in die Gesellschaft erfolgreich ist und es viele Fördermöglichkeiten gibt.

Würden Sie ein Kind mit Down-Syndrom bekommen?

Immer wieder liest man, mehr als 90 Prozent aller Schwangeren, die vor der Geburt von einem Gendefekt ihres Kindes erfahren, ließen abtreiben. Belege gibt es für diese hohe Zahl nicht. Doch möglicherweise lassen überhaupt nur Schwangere, die einen Abbruch in Erwägung ziehen, Pränataldiagnostik-Tests durchführen.

In Deutschland wird weder erfasst, wer an vorgeburtlichen Tests teilnimmt, noch, wie viele Schwangerschaftsabbrüche etwa nach einer Down-Syndrom-Diagnose vorgenommen werden. Nicht einmal die Zahl der Babys, die jedes Jahr damit zur Welt kommen, kennt man genau. Geschätzt wird sie auf etwa 1.200.  

Debattieren Sie mit. Teilen Sie hier Ihre Meinung zur Pränataldiagnostik, zum Leben mit Down-Syndrom, zur Integration von Menschen mit Down-Syndrom.