In der Universitätsklinik Kiel haben sich 19 Menschen mit einem multiresistenten Bakterium infiziert. Fünf der 25 bis 80 Jahre alten Betroffenen seien gestorben, teilte ein Sprecher der Klinik mit. Die Patienten hatten neben der Infektion noch andere teils schwere Erkrankungen, weshalb ihre Todesursache noch nicht zweifelsfrei geklärt werden könne.

"Zur Eindämmung des Infektionsrisikos werden betroffene Patienten umgehend strikt isoliert", hieß es vonseiten des Klinikums. Als Überträger werde ein inzwischen verstorbener Patient vermutet, der im Dezember aus dem Mittelmeerraum in die Kieler Klinik verlegt worden war.

Bei dem Erreger handele es sich um ein gegen vier Antibiotikagruppen resistentes Acinetobacter baumannii. Das Bakterium zählt zu den sogenannten MRGN, multiresistenten gramnegativen Erregern, und kommt im Wasser und in der Erde vor. Bei sowieso schon geschwächten Menschen kann es Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Sepsis verursachen. Die Behandlung von Patienten mit MRGN-Infektionen ist schwierig, weil bei ihnen nur wenige Mittel überhaupt gegen eine Infektion helfen.

Intensivstation vorsichtshalber geschlossen

In Kiel wurde ein Teil der Intensivstation vorsichtshalber geschlossen. Mit einem umfassenden Screening soll nun geprüft werden, ob es weitere Keimträger gibt. Räumlichkeiten und Geräte würden gründlich desinfiziert, hieß es.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund kritisierte die Maßnahmen der Klinik: "Das Uni-Klinikum Kiel scheint beim Management von multiresistenten Keimen und infizierten Patienten überfordert zu sein", sagte Vorstand Eugen Brysch. "Wie kann ein Patient aufgenommen werden, ohne ihn vorher einem Screening zu unterziehen?" Auch hätten die ersten Maßnahmen gegen den Keim offenkundig nicht ausgereicht, es habe schließlich Tote gegeben. 

Der Stiftung zufolge sterben pro Jahr etwa 40.000 Menschen an Krankenhausinfektionen. "Davon wären 20.000 durch Hygienemaßnahmen vermeidbar", sagte Brysch. Acinetobacter baumannii spielt in Deutschland bisher eine vergleichsweise geringe Rolle, in vielen Ländern zählt er vor allem auf Intensivstationen zu den gefährlichsten Krankenhauskeimen überhaupt. Infektionen hierzulande gehen daher häufig auf Patienten zurück, die zuvor im Ausland behandelt wurden.   

Ärzte und Wissenschaftler wissen um die Gefahren, doch noch immer werden Antibiotika viel zu häufig und unbekümmert verschrieben, zum Teil sogar falsch verwendet. Durch die Verbreitung der Medikamente können sich mutierende Krankheitserreger immer weiter ausbreiten. Recherchen von ZEIT ONLINE, DIE ZEIT, CORRECT!V und Funke-Mediengruppe haben erst kürzlich ergeben, dass allein in Deutschland jedes Jahr wohl Tausende Menschen mehr an den Folgen solcher Keiminfektionen sterben als offiziell bekannt. Übertragen werden diese über direkten Körperkontakt oder indirekt über Gegenstände, aber auch über die Luft.