Das britische Oberhaus hat einem medizinischen Verfahren zugestimmt, mit dem ein Kind künftig drei genetische Eltern haben kann. © Danny Lawson/PA Wire/dpa

In Großbritannien können Kinder künftig drei Eltern haben. Das britische Oberhaus hat einer Gesetzesnovelle zugestimmt, die es Medizinern bei bestimmten Erbkrankheiten künftig erlaubt, Gene von zwei Eizellen zu einer zu vereinen. Das daraus entstehende Baby hätte somit zwei Mütter und einen Vater.

In der Abstimmung am Dienstagabend stimmten 280 Abgeordnete dafür, 48 dagegen. Damit hat der Zusatz zum Human Fertilisation and Embryology Act, dem geltenden fortpflanzungsmedizinischen Gesetz, die letzte Hürde genommen und wird im Oktober in Kraft treten. Die ersten Drei-Eltern-Babys könnten somit im Laufe des kommenden Jahres zur Welt kommen. Anfang Februar hatte sich bereits das Unterhaus für das Verfahren ausgesprochen.

Die von britischen Forschern entwickelte gentechnische Methode zielt darauf ab, bei einer künstlichen Befruchtung die Weitergabe von schweren Erbkrankheiten wie Muskelschwund zu verhindern, die auf einem Defekt der Mitochondrien-DNA beruhen. Diese sitzt im Plasma der weiblichen Eizelle. Bei dem auch unter Wissenschaftlern umstrittenen Verfahren tauschen Mediziner die defekte DNA gegen die gesunde DNA einer erblich nicht belasteten Spenderin ein.

Der Gendefekt kann zu leichten Beschwerden führen, etwa Diabetes, oder auch lebensbedrohlich sein. Häufig sind von solchen Defekten Teile des Körpers betroffen, die viel Energie brauchen, wie das Gehirn, die Leber oder das Herz. Epilepsie oder chronische Herzfehler sind mögliche Folgen. Für derlei ernsthafte mitochondriale Erkrankungen gibt es derzeit keine Behandlungsmöglichkeit.

In einem Bericht des Nuffield Council on Bioethics heißt es, eins von 6.500 Kindern würde jährlich mit einer dadurch ausgelösten schweren Krankheit geboren. Den aktuellsten Daten zufolge trägt in Großbritannien eine von 3.500 Frauen veränderte mitochondriale DNA in sich, die Kindern womöglich schaden könnte (Brown, Herbert et al, 2006).