Die echte Grippe breitet sich weiter aus: Allein in der vergangenen Woche wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) mehr als 6.200 neue Fälle bundesweit gemeldet. Seit Beginn der Influenza-Saison sind damit rund 18.000 Menschen erkrankt. Deutschlands Südhälfte ist bisher stärker betroffen als der Norden.

Experten des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Grippewelle erst in den kommenden drei Wochen erreicht sein wird. Auch, weil der vorbereitete Impfstoff diesmal nicht ausreichend schützt.

Zählt man zu den Patienten mit echter Grippe, ausgelöst durch Influenza-Viren, noch diejenigen mit anderen Erkältungserkrankungen hinzu, kommt man allein für die vergangene Woche auf 1,5 Millionen Menschen. Nicht eingerechnet ist dabei die immense Dunkelziffer. Denn nicht jeder Hausarzt nimmt eine Probe von den Patienten mit Symptomen, sodass die Influenza-Infektion im Labor bestätigt wird.

Dieses Jahr macht der Erreger auch Geimpfte krank

Eine Grippe wird von Viren verursacht, die meist durch Tröpfcheninfektion – also beim Niesen, Husten oder Sprechen – übertragen werden. Influenza-Erreger sind weltweit verbreitet und treten als verschiedene Typen auf. Grob lassen sie sich in die Gruppen A, B und C mit verschiedenen Subtypen einteilen. Alle können zu Fieber, Erschöpfung, Kopf- und Gliederschmerzen führen. Schwere Infektionen wie Lungen- und Herzmuskelentzündung können folgen. Wie stark die Beschwerden sind, hängt unter anderem von der Beschaffenheit des Erregers ab. Eine echte Grippe ist eine weitaus schwerwiegendere Erkrankung als ein normaler Schnupfen.

Jedes Jahr haben andere Grippeerreger die Vorherrschaft. In dieser Saison kursieren vor allem A/H3N2-Viren, rund 86 Prozent der Neuerkrankungen in Deutschland gehen auf sie zurück. In den USA hatte dieser Typ zuletzt stärkere Symptome verursacht als bei früheren Epidemien aufgetreten waren, sagt der Biologe Klaus Schughart vom HZI. "In Deutschland steht der Gipfel noch bevor. Wir müssen mit einem ähnlichen Verlauf rechnen." A/H3N2 scheint zudem besonders wandelbar zu sein – was den Schutz vor dem Virus erschwert hat.  

Das grundsätzliche Problem: Grippeviren mutieren sehr schnell. Das bedeutet, ihr Erbgut verändert sich nach dem Zufallsprinzip. Ein zuverlässiger Impfstoff lässt sich immer erst entwickeln, wenn das Virus der aktuellen Saison bekannt ist und viele Menschen befallen hat.  

Bereits im Februar 2014 hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Empfehlung für die Impfstoffzusammensetzung festgelegt. Die Entscheidung beruht auf den Rückmeldungen ihrer Labors über die besonders verbreiteten Virenstämme der aktuellen Saison. Das Vorgehen ist üblich. Aber es handelt sich eben um eine Schätzung, die mal mehr, mal weniger gut funktioniert.

Dieses Mal passt der Impfstoff weniger gut zum Erreger als in anderen Jahren. Denn A/H3N2 hat sich im letzten Moment noch so entscheidend verändert, dass die Vakzine ihn nicht mehr gut unterdrücken kann. Das darin enthaltene Eiweiß stimmt nicht mehr mit dem Oberflächeneiweiß des Erregers überein.

Trotz allem empfehlen Forscher bestimmten Risikogruppen, sich impfen zu lassen. "Teilweiser Schutz ist besser als gar keiner", sagt etwa der Mediziner Carlos Guzman vom HZI. Auch schütze das Mittel vor den gleichzeitig kursierenden A/H1N1- und Influenza B-Viren. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung für alle Personen ab 60 Jahren, für alle Frauen, die während der Influenza-Saison schwanger sind, und für chronisch Kranke.

Einmal erkrankt, gibt es nur wenige Möglichkeiten, gegen die Grippe anzugehen. Antibiotika sind keine Option, sie helfen nur gegen Bakterien. Gegen Viren sind sie machtlos. Ärzte verordnen stattdessen Medikamente aus der Gruppe der Neuraminidase-Hemmer, die innerhalb von 48 Stunden den Erreger zurückdrängen und ihn darin hindern, sich im Körper zu vermehren. Mit Tabletten lassen sich immerhin der Schmerz in Kopf und Gliedern sowie das Fieber lindern.

Der Influenza-Bericht des RKI erscheint in der Wintersaison wöchentlich. Genaue Vorhersagen sind nicht möglich.