Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger befürwortet eine Impfpflicht gegen Masern. Dies geht aus zwei am Donnerstag veröffentlichten Umfragen hervor. Laut einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov von 1.000 Teilnehmern sind 40 Prozent der Bundesbürger "sehr für eine Impfpflicht" und 34 Prozent "eher für eine Impfpflicht". 

YouGov hatte den Umfrage-Teilnehmern Anfang dieser Woche folgende Frage gestellt: "In der vergangenen Woche wurde aus Regierungskreisen die Überlegung laut, eine Impfpflicht gegen bestimmte schwere Krankheiten (z.B. Masern), die seit Kurzem wieder häufiger auftreten, einzuführen. Die Opposition lehnt dies mit Verweis auf die Selbstbestimmung ab. Was ist Ihre Meinung?" Nur 21 Prozent der Befragten gaben demnach an, "eher oder sehr gegen eine Impfpflicht" zu sein. Fünf Prozent waren unentschlossen. Besonders viele Befürworter hatte die Impfpflicht in der Altersgruppe ab 55 Jahre.

In einer weiteren Umfrage von TNS/Emnid für das Magazin Focus sprachen sich 76 Prozent für die verpflichtende Impfung aus. Lediglich 17 Prozent der rund 1.000 Befragten seien gegen eine Impfpflicht.

Die Ergebnisse zeigen zudem übereinstimmend, dass vor allem Menschen in Ostdeutschland für eine Impfpflicht sind. In der YouGov-Umfrage gab es 86 Prozent, bei TNS/Emnid sogar 90 Prozent Zustimmung in den neuen Bundesländern. In der damaligen DDR bestand noch bis Anfang der 1980er Jahre ein Impfzwang.

80 Prozent halten Impfungen für wirksam

Aus der YouGov-Befragung wurde deutlich, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung von der Wirksamkeit von Impfungen überzeugt ist. 80 Prozent glauben, dass Impfungen bewirken, was sie versprechen. Nur jeder Zehnte zeigte sich nicht davon überzeugt.

Einige Mediziner und Politiker fordern derzeit eine Impfpflicht als Reaktion auf den Masern-Ausbruch in Berlin. Ein Kleinkind starb in der Hauptstadt an den Folgen der Virusinfektion. Unter den Befürwortern sind Politiker von Union und SPD, Ärzte-Präsident Frank-Ulrich Montgomery sowie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Justizminister Heiko Maas (SPD) sieht den Zwang nur als letztmögliches Mittel. Auch Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will weiterhin vor allem auf die Impfberatung setzen.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte riet bei unklarem Impfschutz dazu, notfalls erneut gegen Masern zu impfen. Es bestehe keine Gefahr, wenn jemand eine Masernimpfung auch mehr als zweimal erhalte, sagte Verbandssprecher Ulrich Fegeler. Lediglich immungeschwächte Patienten müssten vorsichtig sein, da ein Lebendimpfstoff verwendet werde. Solche Mittel enthalten eine stark abgeschwächte Variante des Krankheitserregers.