Soll ich mein Kind gegen Masern impfen lassen oder nicht? Nach dem Ausbruch in Berlin und dem mittlerweile bestätigten Masern-Tod eines Kleinkindes ist die Frage wieder einmal in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Im Büro, in der Nachbarschaft und nicht zuletzt in Kitas diskutieren Eltern die Vor- und Nachteile einer Impfung. Vor allem jene, die mögliche Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen, Fieber oder Gehirnentzündung fürchten, verschaffen sich derzeit besonders Gehör. Doch eine Grafik von ZEIT ONLINE basierend auf Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verdeutlicht: Die Risiken einer Impfung sind weit geringer als die Risiken, die im Fall einer Masern-Erkrankung auftreten.

Das Masern-Virus ist äußert aggressiv. Fast jeder, der Kontakt zu einem Erkrankten hatte, steckt sich an – außer er ist geimpft. Gegen Masern bekommt der Nachwuchs zumeist ein kombiniertes Mittel gegen Mumps, Röteln und gegebenenfalls Windpocken. Davon leitet sich die Abkürzung "MMR-Impfung" ab.

Ohne Nebenwirkung keine Wirkung

Sie erfolgt in zwei Schritten: Kleine Kinder sollten im Alter von 11 bis 14 Monaten das erste Mal geimpft werden. Herrscht eine Ansteckungsgefahr wie dieser Tage, oder wird das Kind in einer Gemeinschaftseinrichtung betreut, sollte die Erstimpfung frühestens ab dem neunten Monat erfolgen. Die zweite Impfung sollten Kinder dann frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung bekommen, und spätestens gegen Ende des zweiten Lebensjahres, mit 23 Monaten. Bei älteren Kindern oder Jugendlichen ohne Schutz empfiehlt die Ständige Impfkommission, die Impfungen möglichst bald nachzuholen.

Wer das Mittel bekommt, reagiert möglicherweise sichtbar darauf. Hier greift eine alte Regel: Ohne Nebenwirkung keine Wirkung. Das heißt, der Impfstoff regt das Abwehrsystem des Körpers an, in manchen Fällen stärker als gewünscht. Natürliche Impfreaktionen sind beispielsweise eine Hautrötung oder Schwellung, sie sind ungefährlich. Ebenso leichtes Fieber oder Kopfschmerz. Gravierende Symptome, die eine Gefahr für die Gesundheit des Kindes darstellen, treten äußerst selten auf.

Das mag manchen Eltern als Gegenargument reichen – ihr Kind leidet schließlich. Dass es ein "seltener Fall" ist, spielt im ersten Moment nur eine untergeordnete Rolle. Doch den Nachwuchs wegen des Risikos nicht impfen zu lassen, ist eindeutig gefährlicher. Denn hat ein Kind die Masern, schädigt das Virus den Körper weit häufiger und stärker, als es der Impfstoff je könnte, wie unsere Grafik zeigt:

Auch wenn wegen der Forderungen nach einer Impfpflicht und Warnungen vor Impflücken zuletzt ein anderer Eindruck entstanden sein könnte: Deutschland ist kein Land der Impfgegner. Mehr als 90 Prozent aller Kinder hierzulande sind nach aktuellen Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zum Zeitpunkt der Einschulung gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Seit 2002 werden es Jahr für Jahr mehr.

Die eigene Impfung trägt zum Wohl aller bei. Allerdings lässt sich das Virus nur dann vollends stoppen, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung einen ausreichenden Schutz gegen die Masern aufweisen. Dieses Ziel ist noch nicht erreicht, es fehlen wenige Prozente. Das jedoch ist eine Gefahr für all jene, die nicht geimpft sind. Der aktuelle Ausbruch ist dafür das beste Beispiel.