Eine Masern-Impfung schützt bestenfalls nicht Einzelne, sondern die Masse. © Geoff Caddick/AFP/Getty Images

Die Masern sind zurück. Genau genommen: Sie zeigen sich immer mal wieder, denn der Erreger war nie wirklich verschwunden. Weder in den USA, wo die Infektionskrankheit seit dem Jahr 2000 als ausgerottet galt und jüngst in Disneyland wieder auftauchte. Noch in Deutschland, wo sich allein in Berlin dieser Tage rund 400 Menschen mit den Viren infiziert haben. Dabei sollten die Masern bis Ende 2015 in der Bundesrepublik verschwunden sein, dachten Infektionsmediziner.

Die Aufregung hierzulande hält sich in Grenzen. Während Übersee die Debatte um flächendeckende Impfungen neu geführt wird, ist es in Deutschland vergleichsweise ruhig. Das hat mehrere Gründe. Der vielleicht wichtigste: Die Impfraten sind mit 95 Prozent in Deutschland recht hoch und seit Jahren konstant, die Bevölkerung fühlt sich sicher. Dennoch sind es Kleinigkeiten, die Erregern von Infektionen wie Masern, Kinderlähmung oder Diphtherie eine erfolgreiche Rückkehr ermöglichen.

Viele Erkrankte haben ihre Impfung im Alter nicht auffrischen lassen und sind dadurch zu Überträgern geworden. Nimmt man noch die Gruppe an Menschen hinzu, die sich bewusst gegen eine Immunisierung entscheidet, zeigt sich eine Lücke, die in der Summe weit gefährlicher ist als die sehr seltenen schweren Nebenwirkungen nach Impfungen.

Das Prinzip fast jeder Impfung: abgeschwächte Erreger einer Erkrankung in die Blutbahn bringen. Dort regen diese dann die körpereigene Abwehr an, Antikörper gegen etwa die Masern, Röteln oder Mumps zu bilden. Bisher ist das die sicherste und effektivste Methode im Kampf gegen ansteckende Infektionen.

Impfungen retten Millionen von Menschenleben

Die Erfolge von Impfstoffen sind beispiellos. Kaum etwas hat den medizinischen Fortschritt im 20. Jahrhundert derart mitgeprägt. Nur der Zugang zu sauberem Wasser hat global gesehen einen größeren Einfluss im Kampf gegen Infektionskrankheiten gehabt (Andre et al., 2008).

Vakzinen haben Krankheiten wie die Pocken ausgerottet. Bis in die 1960er Jahre starben daran jedes Jahr zwei Millionen Menschen weltweit. Impfungen gegen Windpocken, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis, Kinderlähmung, Masern, Tuberkulose oder gegen bakterielle Infektionen mit dem gefährlichen Haemophilus-influenzae-b-Erreger verhindern jedes Jahr geschätzt fast sechs Millionen Todesfälle (Ehreth, 2003).

Die Zahl der Erkrankungen durch Erreger, gegen die es Impfungen gibt, hat sich dramatisch reduziert. (Bloom & Canning & Weston, 2005). Allein in den USA hat sich die Zahl der Fälle für diverse Infektionskrankheiten zusammen um mehr als 90 Prozent verringert (CDC, 2011).

Wer sich impfen lässt, schützt alle

Der Erfolg von Impfungen beruht auf Masse. "Wenn Sie ihr Kind impfen, impfen Sie nicht nur ihr Kind. Der Schutz trägt zur Kontrolle der Krankheit in der gesamten Bevölkerung bei", erklärt etwa die Direktorin des Vanderbilt Vaccine Research Programs im britischen Guardian.

Grafiken des "Guardian" zeigen, wie wichtig eine umfassende Impfung der Bevölkerung ist.


In zehn Grafiken wird gezeigt, wie sich unterschiedliche Impfraten auf die Gesundheit der Gesellschaft auswirken. Demnach haben nur dort, wo mindestens 90 Prozent der Menschen geimpft sind, Masern bestenfalls keine Chance. Dorothea Matysiak-Klose vom Robert Koch-Institut (RKI) geht sogar noch weiter: "In der Bevölkerung muss eine Immunität von 95 Prozent vorhanden sein, um lange Infektionsketten zu verhindern und einen Herdenschutz aufzubauen." Sicher lebt es sich vor allem dann, wenn fast alle Menschen um einen herum geimpft sind. Erreger haben es damit schwer, sich durchzusetzen.

Viele Bedenken gegen Impfungen sind unbegründet

  • Oft heißt es, die Wirksamkeit von Impfungen wäre nie belegt worden. Dabei werden in Deutschland nur Mittel zugelassen, deren Sicherheit und Wirksamkeit in Studien nachgewiesen wurde.
  • Die Immunsysteme von Kindern werden nicht durch Impfstoffe überlastet. Im Gegenteil: Bisherige Studien zeigen, dass die Körperabwehr in jungen Jahren schon sehr robust ist und moderne Impfstoffe gut verträgt.
  • Impfungen können nicht die Krankheit auslösen, vor der sie schützen sollen. Bestimmte Impfstoffe rufen mitunter zwar Symptome hervor, die jenen der Krankheit ähneln. Im Fall von Masern etwa enthalten die Mittel ein abgeschwächtes, aber noch vermehrungsfähiges Masernvirus, das zu einem Hautausschlag führen kann. Dies ist aber keine ausgeprägte Erkrankung.

Die oben aufgeführten Punkte sind nur ein Auszug an Sorgen, wegen derer Eltern ihre Kinder zur Sicherheit nicht impfen lassen möchten. Das RKI und das Paul-Ehrlich-Institut haben im Netz ausführlich auf die 20 häufigsten Einwände geantwortet.

Impfstoffe verursachen keinen Autismus

Wer sich und sein Kind impfen soll, braucht Vertrauen in die Medizin. Das aber gerät immer wieder ins Wanken (Leask, 2011). Viele Eltern sorgen sich um mögliche Nebenwirkungen.