Im Kampf gegen multiresistente Keime verschärft Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe die Mittel. In einem Zehn-Punkte-Plan listet der CDU-Politiker diverse Maßnahmen auf, die die Ausbreitung der MRSA-Erreger erschweren sollen, die sich in Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen ausgebreitet haben und die im Laufe der Zeit gegen die meisten Antibiotika resistent geworden sind. Ursache ist, dass Ärzte Antibiotika noch immer viel zu häufig und unbekümmert verschreiben und medizinisches Personal sie zum Teil falsch verwendet.

Die Mittel sind so weit verbreitet, dass sich rasant mutierende Krankheitserreger immer effizienter vor ihnen schützen können. Recherchen von ZEIT ONLINE, DIE ZEIT und CORRECT!V hatten erst kürzlich ergeben, dass allein in Deutschland jedes Jahr wohl Tausende mehr Menschen an den Folgen solcher Keiminfektionen sterben als offiziell bekannt.

Laut Ministerium lässt sich etwa ein Drittel der jährlich 400.000 bis 600.000 während einer Behandlung zugezogenen Infektionen vermeiden. Vermeidbar sind demnach auch ein Teil der daraus resultierenden  etwa 10.000 bis 15.000 Todesfälle pro Jahr.     

Der jüngste Ausbau der bestehenden Gesetze und Regularien gegen multiresistente Keime, darunter das Infektionsschutzgesetz und die Hygieneverordnungen der Länder, habe nicht die gewünschte Wirkung gehabt, heißt es in dem Papier, das ZEIT ONLINE vorliegt. Deshalb sieht Gröhes Plan vor: 

  • die Meldepflicht zu verschärfen. Gesundheitseinrichtungen sollen künftig schon beim ersten Nachweis das Auftreten multiresistenter Keime den zuständigen Behörden mitteilen. So sollen die Gesundheitsämter "wertvolle Zeit zum schnellen handeln gewinnen". Das bundeseigene Robert-Koch erhielte so zudem notwendige Daten über Entwicklung und Verbreitung der Keime, was den Kampf gegen sie zielgenauer mache.
  • die Einrichtungen  zu verpflichten, sein ambulant und stationär tätiges Personal in der Antibiotika-Therapie und der Vermeidung von Infektionen fortzubilden. Denn der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika beschleunigt und verstärkt die Resistenz der Erreger gegen die Medikamente, die sie eigentlich abtöten sollen. Bisher gibt es keine gesetzliche Pflicht. In vielen Kliniken sind solche Schulungen aber bereits obligatorisch.   
  •  die Einrichtungen zu verpflichten, die bestehenden Hygieneregeln noch konsequenter als bisher zu beachten. Gröhe will den Bundesländern vorschlagen, dass das bundeseigene Robert-Koch-Institut die regionalen Gesundheitsämter, Ärzte und Krankenhäuser dabei unterstützt.
  • zu prüfen, ob Patienten vor planbaren Krankenhausaufenthalten verpflichtend auf multiresistente Keime untersucht werden sollen. Bei bestimmten Erregern wird das derzeit bereits erprobt. Sogenannte Risikopatienten müssen die Kliniken bereits jetzt bei Aufnahme auf multiresistente Erreger untersuchen und bis zum Ausschluss einer Infektion isolieren. 
  • es Patienten zu erleichtern, sich ein Bild vom Hygienezustand eines Krankenhauses zu machen. Gröhe will die Häuser verpflichten, ihre Qualitätsberichte mit einem Zusatzteil zu versehen, der auch für Nichtfachleute verständlich geschrieben ist. 

Auch in Zusammenarbeit mit der Industrie und auf internationaler Ebene plant Gröhe Veränderungen:

  • Er kündigte an, die Forschungsvorhaben zu Antibiotika-Resistenzen aufzustocken, um den Bedarf an neuen Wirkstoffen zu befriedigen. Ziel ist, neue Medikamente zu erhalten, die die derzeit resistenten Erreger wieder abzutöten imstande sind. Das Ministerium plant zudem, die Zusammenarbeit von Tier- und Humanmedizin zu verbessern. Die existente Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie will Gröhe bis zum Sommer so aktualisieren, dass Resistenzen und -Mittelverbrauch in beiden Bereichen gemeinsam überwacht werden können. 
  • Zudem will er die weltweite Zusammenarbeit verbessern. Impulse erhofft sich Gröhe von dem für Mai 2015 erwarteten Globalen Aktionsplan der Weltgesundheitsorganisation. Er kündigte an, Deutschland werde während seiner G7-Präsidentschaft mit seinen Partnern konkrete Maßnahmen gegen die Erreger beschließen, darunter den Abbau von Hemmnissen bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe, neuer Testmethoden oder alternativer Behandlungen.
Woher die tödlichen Keime kommen und warum Multiresistenzen so gefährlich sind

Gröhs Zehn-Punkte-Plan ist ein Entwurf, den seine Fachleute derzeit mit anderen betrtoffenen Bundesministerien abstimmt. Für mehrere, die Bundesländer betreffende Punkte sind zudem Gespräche mit deren Ministerien notwendig. 

Die Experten im Bundesgesundheitsministerium gehen davon aus, dass sich das Problem künftig noch verschärft. Gründe dafür seien die zunehmend älteren und damit anfälligeren Patienten, die steigende Zahl komplizierter Eingriffe sowie die zunehmende Zahl gefährlicher Erreger.