Update: Am 24. Juli 2015 hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bekannt gegeben, dass sie das Mittel Mosquirix empfiehlt – als ersten Malariaimpfstoff weltweit. Das gilt als wichtiger Schritt vor einer Zulassung. Die Weltgesundheitsorganisation steht hinter der Entscheidung.

Alle 30 Sekunden stirbt ein Mensch auf der Welt an Malaria. Die von Mücken übertragene Krankheit gilt als eine der tödlichsten Infektionen überhaupt. Zwar ist sie heilbar, doch oft ist die Gesundheitsversorgung in den betroffenen Regionen unzureichend. Auch verliert manches Medikament bereits seine Wirkung. Umso dringlicher suchen Forscher nach einem Impfstoff, um weiteren Ansteckungen vorzubeugen – und sind dabei nun einen bedeutenden Schritt weiter.

Das Mittel RTS,S/AS01, kurz RTS,S, hat die Tests der dritten und damit letzten Phase klinischer Studien erfolgreich durchlaufen. Seit 2009 hatten Forscher es drei Jahre lang an insgesamt mehr als 15.000 Kindern aus sieben afrikanischen Ländern getestet. Nun liegen die Ergebnisse in der Fachzeitschrift The Lancet vor: Das Mittel schützte einen Großteil der Kinder vor Malaria – bis zu vier Jahre lang nach der Impfung (RTS,S Clinical Trials Partnership, 2015). Allerdings war der Impfstoff nicht in jeder Altersklasse effektiv und seine Wirksamkeit ließ mit der Zeit nach.   

RTS,S/AS01 bereitet das Immunsystem des Menschen auf die tödliche Malaria tropica vor: Ein Stich der Anopheles-Mücke, die den Erreger in sich trägt, bringt ihn ins Blut des Menschen. In diesem Moment attackiert das RTS,S-Eiweiß den Eindringling. Normalerweise würde der Erreger über die Blutbahnen in die menschliche Leber gelangen, sich vermehren und sich von dort im Körper verteilen. Der Stoff aber macht ihn unschädlich.

Die Studienteilnehmer stammen aus Burkina Faso, Gabon, Ghana, Kenia, Malawi, Mozambik, und Tansania. In der ersten Runde wurden zwei Altersklassen geimpft: Säuglinge im Alter von 6 bis 12 Wochen sowie 5 bis 17 Monate alte Kleinkinder erhielten das Mittel drei Mal pro Monat. Eine kleinere Gruppe aus beiden Altersklassen erhielt das Mittel erneut nach 18 Monaten.

Das Ergebnis: Die Impfung mit RTS,S in drei Dosen verhinderte Malariafälle bei Säuglingen und Kindern, mit einer Auffrischungsimpfung konnte die Wirksamkeit noch vergrößert werden. Der Impfschutz lag, je nach Alter der Kinder, zwischen 26 und 36 Prozent über die gesamte Dauer der Beobachtung von fast vier Jahren.

"Auch wenn die Wirksamkeit mit der Zeit nachgelassen hat, gibt es einen klaren Nutzen", sagt Brian Greenwood, einer der Studienautoren und Professor an der London School of Hygiene & Tropical Medicine. Bedenke man, dass es allein 2013 geschätzt rund 200 Millionen Malaria-Fälle gab, stehe das Ergebnis hochgerechnet für Millionen Kinder, die vor Malaria geschützt werden könnten.

Die WHO könnte den Malaria-Impfstoff im Herbst offiziell empfehlen

Die Nebenwirkungen seien überschaubar gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung der PATH Malaria Vaccine Initiative. Ein Teil der Kinder bekam Fieber, einige davon wiederum Krämpfe. Beides aber sei nach spätestens einer Woche wieder abgeklungen.