Erst mit dem Ausbruch von Ebola in Westafrika im vergangenen Jahr wurde die Forschung an einem Impfstoff intensiviert. Nun scheint ein erster geeigneter Kandidat gefunden: Das Mittel VSV-Zebov kann laut aktueller Daten wirksam vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen. Das hat eine Impfstudie im westafrikanischen Guinea mit rund 7.500 Teilnehmern ergeben, die Forscher nun in der Zeitschrift Lancet vorgestellt haben (Henao-Restrepo et al., 2015). 

Geimpft wurden in den vergangenen zwölf Monaten Menschen, die engen Kontakt zu einem neu Infizierten hatten und als besonders gefährdet galten. Der Feldversuch habe ergeben, dass die Vakzine nach zehn Tagen zu 100 Prozent vor einer Ebola-Ansteckung schützt, heißt es in der internationalen Studie, an der auch die Weltgesundheitsorganisation WHO und der US-Pharmakonzern Merck & Co beteiligt waren.

Wie DIE ZEIT (16/2015) berichtete, wissen Forscher seit 2005, wie gut der Impfstoff zumindest bei Affen wirkt. Laut einer damals veröffentlichten Studie waren Langschwanz-Makaken zu 100 Prozent vor einer Ebola-Infektion geschützt, die zuvor mit VSV-Zebov – zu Beginn der Erforschung oft auch rVSV Zebov-GP genannt – geimpft worden waren. Weitere Tests zur Sicherheit und Wirksamkeit bei Menschen folgten jedoch nicht. Erst mit dem Ebola-Ausbruch 2014 gab es wieder Interesse an der Vakzine und Geld für weitere Forschung. Forschung an einem Mittel, das sich nun als lebensrettend erwiesen hat.

Die Tests laufen weiter

"Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden", sagt John-Arne Røttingen vom Norwegian Institute of Public Health, Senior-Autor der Studie. Tatsächlich habe VSV-Zebov sogar besser gewirkt als zunächst erwartet. "Ursprünglich haben wir mit 10.000 Probanden geplant", sagt Røttingen. Da das Mittel jedoch so gut angeschlagen habe, hätten er und die Kollegen entschieden, für die Studie nicht noch mehr Teilnehmer zu rekrutieren. "Die Tests laufen jedoch weiter, sie wurden nicht mit der Veröffentlichung gestoppt." Ziel sei es, so viele Daten wie möglich zu sammeln, bis es in Guinea kein Ebola mehr gibt.

Ein Hindernis für Helfer und Ärzte: Viele Menschen in Westafrika misstrauten und misstrauen noch der westlichen Medizin. Vor allem zu Beginn des Ausbruchs weigerten sich zahlreiche, die Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen. Røttingen und das Team haben deshalb auf die Hilfe von Ärzten und Krankenschwestern vor Ort gesetzt. "Wir haben Menschen, die die Sprachen der Region beherrschen, gebeten, mit den Anwohnern zu sprechen und ihnen genau zu erklären, was wir vorhaben." Was ist Ebola? Warum ist es wichtig, an der Studie teilzunehmen? Welche Risiken gibt es? "So konnten wir Vertrauen aufbauen. Zwei Drittel der vorab angesprochen Menschen haben sich dann auch impfen lassen", sagt der Forscher.

VSV-Zebov ist ein Lebendimpfstoff, das heißt, er enthält Viruskörper, die sich im Körper des Geimpften vermehren. Das enthaltene Virus existiert nicht in der Natur. Es besteht aus einem Erreger, der bei Pferden und anderen Huftieren eine milde Form der Maul- und Klauenseuche verursacht. In ihn wurde ein kleines Stück des Ebola-Virus eingesetzt. Gelangt dieser neu kombinierte Viruskörper in den Menschen, baut das Immunsystem einen Schutz gegen das enthaltene Ebola-Protein auf.