36 Jahre Lebenserwartung, drei Millionen Neuinfektionen und zwei Millionen Tote pro Jahr – noch vor 15 Jahren war das die dramatische Bilanz der Aids-Epidemie. Die Seuche löschte Familien aus, ließ Gemeinden und ganze Nationen zusammenbrechen. Die Staaten der Welt haben heute viel erreicht im Kampf gegen das Virus. Nicht zuletzt weil die medizinische Versorgung sich stark verbessert hat, die Menschen aufgeklärter sind und hohe Summen in die Bekämpfung des Virus investiert wurden.

Bleibt die internationale Gemeinschaft bei ihren Bemühungen, lassen sich die Pläne der Vereinten Nationen (UN) vielleicht realisieren, die Aids-Epidemie bis zum Jahr 2030 zu beenden. Die Prognosen stehen derzeit gut: Laut dem aktuellen Aids-Bericht der UN haben heute bereits 15 Millionen Betroffene weltweit Zugang zu einer HIV-Therapie – eine Zahl, die die UN eigentlich erst in neun Monaten erfüllen wollten.

In ihrem Bericht How Aids changed everything schaut die Organisation auf die Entwicklung der vergangenen anderthalb Jahrzehnte. Seit dem Jahr 2000 haben sich weitere 30 Millionen Menschen infiziert, knapp acht Millionen sind seither am Virus und seinen Begleiterkrankungen gestorben. Damals war die Aids-Diagnose für viele ein Todesurteil. Täglich infizierten sich 8.500 Menschen neu. Heute ist die Rate der jährlichen Neuinfektionen um 35 Prozent gesunken – von 3,1 auf zwei Millionen.

Weitere Zahlen im Überblick:

  • Im Vergleich zu 2000 haben heute 73 Prozent mehr schwangere HIV-infizierte Frauen Zugang zu Medikamenten – hierdurch ist auch die Zahl der Neuinfektionen unter Kindern um 58 Prozent gesunken.
  • Eine HIV-Therapie kostete vor 15 Jahren rund 10.000 US-Dollar pro Jahr. Die Kosten sind um 99 Prozent gesunken: Ab 100 US-Dollar pro Jahr bekommt ein Infizierter eine HIV-Grundversorgung.
  • Kinder werden heute immer noch viel zu selten auf HIV getestet und bekommen daher auch keine Therapie. Nur bei 32 Prozent der insgesamt 2,6 Millionen Kinder weltweit wurde die Krankheit diagnostiziert.
  • Unter Erwachsenen ist die relative Zahl etwas höher: 54 Prozent der rund 37 Millionen Infizierten weltweit wissen von ihrer Krankheit. 75 Prozent der positiv getesteten haben Zugang zu Medikamenten.
  • Heute sterben immer noch 1,2 Millionen Menschen jährlich an Aids und seinen Begleiterkrankungen. Die häufigste Todesursache unter Aidskranken ist eine Tuberkulose-Infektion. In einem von fünf Fällen starb der Erkrankte an der Lungenerkrankung.
  • Länder wie Zimbabwe, Äthiopien, Senegal, Thailand oder Südafrika gehen sehr erfolgreich gegen das Virus vor. Dort steigen die Lebenserwartungen, während die Todeszahlen sinken. In westlichen Regionen wie Europa oder Nordamerika dagegen steigen hingegen die Neuinfektionen, vor allem unter Männern, die Sex mit Männern haben.
  • Etwa neun Millionen Männer aus 14 stark betroffenen Ländern haben sich seit 2008 beschneiden lassen, um einer HIV-Infektion vorzubeugen. Prostituierte schützen sich mit Kondomen.

In zahlreichen Ländern werden Aidskranke noch immer ausgegrenzt. Zwar existieren in 74 Ländern bereits Gesetze, die Betroffene vor Diskriminierung schützen. Dennoch stellen 61 Länder die Geheimhaltung und Übertragung einer HIV-Infektion unter Strafe. Statt die Erkrankten zu stigmatisieren, fordern die UN mehr Aufklärung in der ganzen Bevölkerung und einen besseren Schutz der Betroffenen und Risikogruppen. Für die nächsten fünf Jahre planen sie, das Bewusstsein für Aids weiter zu stärken, den Zugang zu Medikamenten unabhängig vom Status zu verbessern und intensiv an einer Impfung gegen das Virus zu forschen. Gewonnen ist der Kampf gegen Aids erst, wenn sich niemand mehr mit dem HI-Virus infiziert. Selbst dann werden aber noch viele Millionen Menschen mit der Krankheit leben.

Kurz erklärt - Wie das HI-Virus die Immunabwehr angreift Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) greift das Abwehrsystem des Körpers an. Infektionen und bestimmte Arten von Krebs haben damit leichteres Spiel. Unbehandelt führt eine HIV-Infektion früher oder später zu Aids.