Bislang dürfen Kinder und Jugendliche hierzulande E-Zigaretten kaufen. © Justin Sullivan/Getty Images

Wird die E-Zigarette langfristig den Glimmstängel ersetzen? Wie gefährlich lebt es sich als Dampfer? Und ist das Gerät vielleicht nicht bloß die gesündere Alternative und damit die Lösung für alle Raucher, sondern treibt Jugendliche überhaupt erst in die Nikotinsucht?

Antworten auf diese Fragen gibt es zuhauf – sie sind oft so gegenteilig wie irgend möglich. Auch weil es auf die Perspektive ankommt; nämlich ob man die E-Zigarette an der Tabak-Variante oder Abstinenz misst. Selbst Studien liefern bislang keine klaren Ergebnisse. Wer eine Publikation zitiert, dem wird gleich die gegenteilige Position entgegengehalten. Alarm bestimmt die Diskussion, nicht die Vernunft.

Eine aktuelle Studie bekräftigt nun, was andere schon des Öfteren angedeutet haben: Wer als Jugendlicher dampft, greift später schneller zum Tabak. Die nächste Debattenrunde ist damit eröffnet – gut so. Denn es braucht ein strengeres Gesetz, um Teenager zu schützen.

200 Millionen Euro Umsatz mit E-Zigaretten

Elektronische Zigaretten erzeugen einen nikotinhaltigen Dampf anstelle des Tabakrauchs. Laut Verband des E-Zigaretten-Handels (VdeH) hat sich die Zahl der deutschen E-Raucher in den vergangenen fünf Jahren von 300.000 auf drei Millionen verzehnfacht. Der Umsatz der Branche lag 2014 bei rund 200 Millionen Euro. Damit ist der Markt im Vergleich zur traditionellen Tabakindustrie noch immer winzig, aber er wächst. Und mit ihm die Sorge, dass E-Zigaretten die neue, große Gesundheitsgefahr für Teenager in Deutschland sind.

Bislang dürfen Kinder und Jugendliche hierzulande E-Zigaretten kaufen. Die Produkte sind gesetzlich nicht reguliert, was Gesundheitsforscher, Politiker und der VdeH gleichermaßen kritisieren. Im Frühjahr 2014 hat das Europäische Parlament eine neue Tabakrichtlinie verabschiedet, die das ändern soll. Die Regierung muss sie bis Mai 2016 in nationales Recht umsetzen. Die Richtlinie umfasst lediglich nikotinhaltige E-Zigaretten, das Verbot in Deutschland aber soll umfassender sein. Zu unkalkulierbar seien die Risiken des Dampfens, sagt etwa Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig.

Noch gibt es keine repräsentativen Daten, die belegen, dass E-Zigaretten bei Jugendlichen den Einstieg zum Rauchen von Zigaretten fördern. Bisherige Studien zeigen vielmehr, dass zumeist Raucher oder ehemalige Raucher zu E-Zigaretten greifen (vgl. Meier et al., 2015). Die Hinweise auf Dampfen als Einstieg zur Nikotinsucht mehren sich allerdings (Hughes et al., 2015). So heißt es etwa diese Woche im Fachmagazin JAMA: "Teenager, die E-Zigaretten nutzen, neigen eher dazu, mit dem Rauchen anzufangen" (Leventhal et al., 2015).

Der Präventivmediziner Adam Leventhal von der University of Southern California und Kollegen haben Schüler an zehn öffentlichen Highschools in Los Angeles befragt. Insgesamt 2.530 Jugendliche sollten sagen, wie oft und in welcher Form sie Nikotin konsumieren. Hatte zu Beginn der Studie noch keiner der durchschnittlich 14-Jährigen geraucht oder gedampft, waren es sechs Monate später 222 E-Zigaretten-Nutzer, die im folgenden halben Jahr dann auch noch stärker zu Tabak gegriffen hätten, als die, die sich nur für Zigaretten entschieden hätten.

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Die Autoren betonen in diesem Fall selbst: Sie liefern schon allein aufgrund des Studiendesigns keine Antwort, sondern bloß einen Beitrag zu einer wichtigen Debatte. Wer früh E-Zigaretten kennenlerne, sei einem größeren Risiko ausgesetzt, zum Raucher zu werden, schreibt das Team. Laut der Medizinerin Nancy Rigotti von der Harvard Medical School in Boston ist es "der bislang stärkste Beleg, dass E-Zigaretten Jugendliche darin bestärken könnten, mit dem Rauchen anzufangen" (Rigotti, 2015).