In den USA ist ab sofort die erste vermeintlich luststeigernde Pille für die Frau zu haben. Die Arzneimittelbehörde FDA gab grünes Licht für das Medikament Flibanserin, das im Oktober unter dem Namen Addyi auf den Markt kommen soll. Der Genehmigung ging ein jahrelanger Streit um das sogenannte Viagra für die Frau voraus, der sich an der Wirksamkeit und Sicherheit der rosa Pille entzündete.

"Die heutige Zulassung gibt Frauen, die über ihr geringes sexuelles Verlangen unglücklich sind, eine anerkannte Behandlungsoption", erklärte die Leiterin des FDA-Zentrums für Medikamentenprüfung, Janet Woodcock. Das Medikament werde speziell zur Behandlung einer allgemeinen Hypoaktiven Sexualtriebsstörung (hypoactive sexual desire disorder, kurz HSDD) bei Frauen vor der Menopause zugelassen.

Das Medikament wird täglich und nicht nur vor dem Sexualverkehr eingenommen. Es ist laut FDA ausdrücklich nicht anzuwenden, wenn der verminderte Sexualtrieb auf psychische oder körperliche Beschwerden, Beziehungsprobleme oder den Einfluss von Medikamenten oder anderen Drogen zurückzuführen ist.

Für den Verkauf werden außerdem strenge Sicherheitsbeschränkungen gelten. Auf dem Etikett wird davor gewarnt, dass das Medikament in Kombination mit Alkohol zu gefährlich niedrigem Blutdruck und Ohnmachtsanfällen führen könne. Diese Gesundheitsprobleme könnten auch auftreten, wenn die Lustpille zum Beispiel mit Mitteln gegen Pilzinfektionen eingenommen werde. Patienten sowie Ärzte und Apotheker sollten sich vor einer möglichen Behandlung voll und ganz der Risiken bewusst sein, die mit der Einnahme einhergehen, warnte Woodcock.

Flibanserin wirkt über das Hirn und soll den Spiegel des lusthemmenden Hormons Serotonin absenken. Im Gegenzug hebt das Medikament, bei dem es sich ursprünglich um ein Antidepressivum handelte, die Konzentration des Glückshormons Dopamin und des anregenden Hormons Noradrenalin im Blut an; beide können die weibliche Libido steigern. Laut FDA-Unterlagen hatten Frauen, die Flibanserin einnahmen, im Schnitt 4,4-mal im Monat befriedigenden Sex. Bei der Vergleichsgruppe, die Placebos bekam, waren es 3,7-mal, vor der Behandlung waren es nur 2,7-mal im Monat.

Nach dem von der Behörde angeordneten Sicherheitsplan dürfen Ärzte das Mittel erst verschreiben, wenn sie ein Onlinezertifikat ausgefüllt haben, das sie zur Aufklärung über die Gefahren von Addyi verpflichtet. Das gleiche Prozedere gilt auch für Apotheker. 

Gegner argumentieren, dass das Mittel wegen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schläfrigkeit und Schwindelgefühlen nicht der Mühe wert sei. Im Übrigen habe die FDA dem Medikament zweimal – 2010 und 2013 – mit Blick auf diese Risiken die Zulassung verweigert, sagen die Kritiker. Die Psychologin und Sexualtherapeutin Leonore Tiefer, die erst im Juli eine Anti-Addyi-Petition organisiert hatte, bezweifelt die Wirksamkeit. "Das ist kein Medikament, das man eine Stunde vor dem geplanten Sex einwirft. Man muss es wochen- und monatelang einnehmen, um überhaupt irgendwelche Vorteile zu haben", sagte sie. 

Flibanserin wurde zunächst vom rheinland-pfälzischen Unternehmen Boehringer Ingelheim als Antidepressivum konzipiert, jedoch dann nach entsprechenden Berichten von Frauen zur Libido-Pille erklärt. Der deutsche Konzern verkaufte das Mittel 2011 an die US-Start-up-Firma Sprout.