Ein Mediziner seziert ein Gehirn. Ähnlich sind die Neuropathologen um Zane Jaunmuktane vorgegangen, um das Hirngewebe von Menschen zu untersuchen, die an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gestorben waren. © Raul Arboleda/AFP/Getty Images

Alzheimer ist noch ein bisschen unheimlicher geworden. Es gibt erste Belege für eine seit Jahren debattierte These: Alzheimer könnte ansteckend sein. Hat Demenz also einen Erreger?

Allein in Deutschland driften derzeit rund 1,5 Millionen Menschen ins Vergessen ab. Sie erkennen vertraute Menschen nicht mehr, verlieren die Orientierung, verlernen mit der Zeit selbst einfache Dinge wie schreiben oder kochen. Die Ursachen der Krankheit sind bis heute ungeklärt.

Bisher wissen Forscher, dass mit Fortschreiten der Krankheit Gehirnzellen absterben. Und im Kopf jedes Patienten finden sich gefährlich veränderte Amyloid-beta-Proteine, kurz Abeta. Raufen sich diese Eiweiße zusammen, verstopfen sie das Gehirngewebe als Plaques. Abeta kommt von Natur aus im Körper vor. Eigentlich sind sie harmlos, kaum mehr als ein Nebenprodukt des Stoffwechsels. Doch in Alzheimer-Patienten haben sie sich verwandelt, falten sich in eine giftige Struktur und begleiten den Verfall des Denkens. Ob sie die Ursache für die Demenzerkrankung sind, weiß niemand bislang gewiss. Falls ja, könnte man sich womöglich auch mit ihnen infizieren. Zumindest über eine sehr seltene und ungewöhnliche Art.

Was die Londoner Hirnforscherin Zane Jaunmuktane und ihr Team im Magazin Nature berichten, nährt diese Befürchtung: Die Eiweiße könnten sich wie eine Art schwerfälliges Virus verbreiten (Jaunmuktane et al., 2015). Bisher kannte man das nur von Prionen, seltene aber berüchtigte Krankheitserreger auf Protein-Basis. Sie lösen unter Vieh den tödlichen Rinderwahnsinn BSE aus oder Scrapie bei Schafen. Und sie fressen sich durch die Gehirne von Menschen mit der sehr seltenen, aber tödlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

Genau dieses Nervenleiden spielt in der Alzheimer-Beweisführung die entscheidende Rolle. Creutzfeldt-Jakob-Prionen sind über Umwege von Mensch zu Mensch übertragbar – etwa über Hirnhaut-Transplantationen oder andere Operationen am Gehirn. Das wissen Forscher seit rund 50 Jahren (Gajdusek, Science, 1977). Und über eine ganz bestimmte andere Behandlung.

Viel zu jung für Alzheimer und doch Plaques im Gehirn

Zwischen Ende der 1950er und Mitte der 1980er Jahre spritzten Mediziner Kinder und Jugendlichen, die für ihr Alter extrem kleinwüchsig waren, Hormonpräparate. In den Injektionen befanden sich damals noch menschliche Wachstumshormone. Einige davon waren mit den Erregern der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit verseucht. Die Hormone selbst hatten Mediziner einst aus den Hirnanhangdrüsen Verstorbener gewonnen. Geschätzt 30.000 Menschen wurden weltweit behandelt. Mindestens 226 von ihnen starben an Creutzfeldt-Jakob (Stand 2012), noch bis zu vier Jahrzehnte später (Brown et al., Emerging Infectious Diseases, 2012). 1985 lösten gentechnisch hergestellte Mittel die verhängnisvolle Hormontherapie ab.

In den Gehirnen sechs dieser Opfer fanden die Pathologen um Jaunmuktane nun zusätzlich Abeta wie bei Alzheimer-Patienten, in vier Toten sogar erhebliche Ansammlungen. Und das, obwohl sie in einem Alter gestorben waren, in dem normalerweise noch lange keine Anzeichen von Demenz auftauchen. Die Creutzfeldt-Jakob-Toten hatten auch keinerlei bekannte Risikofaktoren im Erbgut, die eine Demenz begünstigen würden. Insgesamt hatte das Pathologenteam das Nervengewebe von acht verstorbenen Briten untersucht. Sie waren zwischen 36 und 51 Jahre alt, als Creutzfeldt-Jakob sie tötete.