Psychotherapeuten haben die Regierung aufgefordert, eine angemessene Behandlung von Flüchtlingen zu ermöglichen. Jeder zweite Flüchtling und jedes dritte Kind seien psychisch krank, sagte der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Dietrich Munz. "Die Erlebnisse von Todesangst, extremer Hilflosigkeit und Ohnmacht bleiben psychisch nicht folgenlos."

"Eine Behandlung muss so früh wie möglich beginnen", sagte Munz. Er forderte, dass Anträge auf eine Psychotherapie nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zeitnah bearbeitet werden müssten. Die Anträge müssten von qualifizierten Gutachtern geprüft werden. Bisher erhielten Flüchtlinge in den ersten 15 Monaten nur sehr "extrem eingeschränkte" Leistungen. "Psychische Erkrankungen werden von den Sozialbehörden in der Regel nicht dazu gezählt."

Dass Flüchtlinge wie Patienten zweiter Klasse behandelt würden, sei unakzeptabel, sagte Munz. Damit sie ausreichend versorgt werden können, fordert die Psychotherapeutenkammer, dass mehr Therapeuten zeitlich befristet zugelassen werden müssten. So können sie mit den Kassen abrechnen und Flüchtlinge behandeln.

10 bis 20 Prozent der Flüchtlinge würden eine Therapie beginnen, schätzt die Kammer. Diese sei aber ohne einen Dolmetscher unmöglich, sagte Munz. Er forderte deshalb, dass auch deren Arbeit vergütet werden müsse. Sie könnten zunächst von den Sozialämtern und später von den Krankenkassen bezahlt werden.