Mitarbeiter von Laboren des US-Verteidigungsministeriums sollen Proben von potenziell tödlichen Erregern wie Anthrax falsch gekennzeichnet, unsachgemäß gelagert und verschifft haben. Die genaueren Hintergründe werden ermittelt, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Peter Cook. Bisher gebe es keine Hinweise, dass dadurch die Gesundheit der Mitarbeiter oder von Personen außerhalb der Labore gefährdet sei.

Die Ermittlungen waren nach einem Fund von Milzbrand-Erregern in einer Armee-Einrichtung in Utah eingeleitet worden. Alle neun Hochsicherheitslabore des Pentagons waren vorsorglich geschlossen worden. Neben dem unsachgemäßen Umgang mit dem potenziell tödlichen Keim Bacillus anthracis ermittelt die Armee auch, ob die Richtlinien für den Umgang mit Pest- und Enzephalitis-Erregern missachtet wurden.

Dass bisher keine Menschen betroffen sind, bedeute nicht, dass das Pentagon die Angelegenheit nicht ernst nehme, sagte Cook. Das Programm zum Kampf gegen biologische Kampfmittel habe "eindeutig einige Probleme" gehabt. Die Arbeit mit dem größten Teil der Erreger sei nun gestoppt worden.

Bereits im Mai war bekannt geworden, dass Anthrax-Bakterien an Labors in neun US-Bundesstaaten sowie an eine US-Militärbasis in Südkorea verschickt wurden. Im Juni stellte sich heraus, dass möglicherweise aktive Anthrax-Sporen Jahre zuvor an ein US-Labor in Landstuhl geliefert worden waren.   

In den USA kommt es immer wieder zu Zwischenfällen mit tödlichen Erregern. Erst im vergangenen Jahr war befürchtet worden, dass sich Dutzende Angestellte der Gesundheitsbehörde CDC mit Anthrax infiziert haben könnten. Die Ursache war in diesem Fall, dass Sicherheitsbestimmungen missachtet wurden.

Die Folgen einer Anthrax-Infektion

Meist lösen die Anthrax-Sporen nach Hautkontakt eitrige Geschwüre aus, die sich mit Antibiotika gut behandeln lassen und nur selten tödlich enden. Nur unbehandelt ist die Erkrankung sehr gefährlich. Seltener ist Darmmilzbrand, der nach dem Verzehr verkeimter Lebensmittel oder dem Trinken verseuchten Wassers auftreten kann. Blutiger Durchfall und Erbrechen sind die Folge. Schlimmstenfalls kommt es zu einer Blutvergiftung und Organversagen. 

Die heimtückischste Infektion ist der Lungenmilzbrand. Er kann auch noch Wochen nach dem Kontakt zu den Erregern auftreten, setzt aber voraus, dass Menschen hohe Mengen an Sporen (einige Tausend) eingeatmet haben.

Darin steckt das tückische Potenzial des Erregers als Biowaffe: Denn die Bakterien könnten absichtlich im Labor zu Aerosolen vermischt und in die Umwelt entlassen werden, um Menschen zu infizieren – verbreitet etwa durch Belüftungsschächte oder Klimaanlagen. Die Krankheit beginnt dann wie eine Grippe, Schüttelfrost tritt auf, Patienten husten Schleim. Bleibt diese Form unbehandelt, endet sie meistens tödlich.

Wegen dieser Einsatzmöglichkeit als Kampfmittel erforschen Militärlabors Anthrax seit Langem – auch, um im Ernstfall Gegenmaßnahmen zu haben.