Alkohol, Rauchen, Übergewicht – das sind die größten Risikofaktoren für einen frühen Tod. In Europa setzen sich die Menschen ihnen  besonders häufig aus. Zu diesem Ergebnis kommt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem Europäischen Gesundheitsbericht 2015. Trotz des ausschweifenden Lebensstils sterben an den Folgeerkrankungen jedoch weniger Menschen als noch vor einigen Jahren. Grundsätzlich töten Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes und chronischen Atemwegserkrankungen seltener. Auch die Säuglingssterblichkeit ist so gering wie nie zuvor.

Die Europäer, zu denen die WHO 53 Länder zählt, darunter auch Russland und Israel, konsumieren mehr Alkohol und Tabak als der Rest der Welt. 11 Liter reinen Alkohol trinkt jede Person demnach im Schnitt pro Jahr, 30 Prozent der Bevölkerung rauchen. Mit der Zahl der Übergewichtigen liegt Europa nur knapp hinter Gesamtamerika. 59 Prozent aller Europäer sind demnach übergewichtig oder gar fettleibig.

Da nur wenige Länder regelmäßig Daten über Risikofaktoren in der eigenen Bevölkerung liefern, musste die WHO die Ergebnisse zum Übergewicht und zum Tabakkonsum hochrechnen. Die Zahlen seien dennoch "alarmierend". Immerhin würden viele Länder die Situation ernst nehmen und versuchen, Prävention zu betreiben. Gerade der Rauschmittelkonsum sei deshalb heute weniger problematisch als noch vor einigen Jahren.

Starkes Gefälle unter den Ländern

Wie viele Menschen gemessen an der durchschnittlichen Lebenserwartung daher vorzeitig an den Folgen ihres Tabak- und Alkoholkonsums sowie ihrem Übergewicht sterben, lässt sich aus den Daten nicht ermitteln. Auch hier sind die Zahlen aus den einzelnen Ländern zu vage.

Das Gefälle unter den Ländern ist zum Teil erheblich. Das zeigt sich etwa in der Säuglingssterblichkeit: In Finnland sterben mit weniger als fünf pro 1.000 Neugeborenen die wenigsten Kinder früh. In Kirgistan sind es dagegen mehr als 20 Säuglinge unter 1.000.

Neben Sterblichkeiten und Risikofaktoren hat die WHO unter anderem untersucht, wie hoch die Arbeitslosenquote in den einzelnen Ländern ist, wie viele Menschen gegen Masern geimpft sind oder wie hoch der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttosozialprodukt ist.

Der Europäische Gesundheitsbericht erscheint alle drei Jahre und ist die wichtigste Publikation des Europabüros der Organisation. Er dient der Gesundheitsinformation. Zugleich soll er aufzeigen, wie weit Europa noch von "Gesundheit 2020" entfernt ist. Mit dem Konzept will die WHO erreichen, dass Politiker stärker daran arbeiten, Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung zu verbessern und Ungleichheiten im Gesundheitsbereich abzubauen.