Zum ersten Mal ist in Japan die Krebserkrankung eines Fukushima-Arbeiters als Folge der extremen Strahlenbelastung nach dem GAU im Jahr 2011 anerkannt worden. Die Regierung habe dem leukämierkranken Mann, der nach dem Unfall auf der Anlage gearbeitet habe, Schadenersatz bewilligt, teilte das Gesundheits- und Arbeitsministerium mit.

Der zwischen 40 und 50 Jahre alte Arbeiter habe dabei geholfen, Abdeckungen an beschädigten Reaktoren der Anlage von Oktober 2012 bis Dezember 2013 zu installieren. Er habe aber nicht direkt nach dem Erdbeben und dem Tsunami dort gearbeitet, als die Strahlenbelastung am höchsten gewesen sei. Der Mann habe vor dem Einsatz in Fukushima in verschiedenen anderen Atomkraftwerken gearbeitet. Radioaktive Strahlen reichern sich im Laufe des Lebens im Körper an. Je höher die Belastung, desto höher das Risiko, an bestimmten Formen von Krebs zu erkranken.

Grundsätzlich ist es schwierig, den direkten Beweis zu erbringen, ob jemand durch die Folgen eines Atomunfalls an Krebs erkrankt ist. Insbesondere im Fall von Leukämie lassen sich andere Ursachen nie ganz ausschließen. Trotz dieser Schwierigkeit wurde dem Mann nun Schadenersatz versprochen. Das zuständige Ministerium hält andere Ursachen in seinem Fall für nahezu ausgeschlossen. Seine gesamte Belastung von 19,8 Millisievert sei hauptsächlich auf den Einsatz in Fukushima zurückzuführen. 

Schilddrüsenkrebs bei Kindern könnte häufiger werden

Schilddrüsenkrebs ist die einzige Tumorerkrankung, die Mediziner nach Reaktorunfällen beobachten und direkt mit radioaktiver Strahlung in Verbindung bringen können. Diese Krebsart häuft sich, wenn Menschen nach einem GAU radioaktives Jod einatmen oder über die Nahrung aufnehmen. Aus diesem Grund fahnden Mediziner seit Ende 2011 in Fukushima per Ultraschall in den Schilddrüsen von 360.000 Kindern und Jugendlichen nach Veränderungen. Tatsächlich wurden Auffälligkeiten an der Schilddrüse einiger Kinder entdeckt. Ob daraus Krebs entsteht und diese Veränderungen wirklich häufiger auftreten als vor dem Unfall können aber erst Langzeitstudien zeigen.

13 weiteren Arbeitern in der japanischen Atomindustrie wurden seit den 1970er Jahren von der Regierung Entschädigungen wegen Krebs und anderen Krankheiten zugestanden, die sie im Zusammenhang mit ihrer Strahlenbelastung während ihrer Arbeit erlitten hatten. Seit dem Fukushima-Unglück wurden zehn Entschädigungsfälle eingereicht. Sieben wurden zurückgewiesen, drei werden noch untersucht. Seit dem Unglück hatten fast 45.000 Arbeiter auf der Anlage gearbeitet.

Für die Bevölkerung rechnen Mediziner kaum mit Gesundheitsfolgen

In den Monaten und Jahren nach dem Unglück waren Details dazu bekannt geworden, dass Arbeiter an der Unglücksstelle nicht ausreichend über Risiken aufgeklärt und unzureichend vor Strahlen geschützt wurden. Nach der Katastrophe hatten der Betreiber Tepco und die Regierung große Schwierigkeiten, qualifizierte Fachleute zu finden, die die maximal zulässige Strahlenbelastung, der ein Arbeiter im Laufe seines Lebens ausgesetzt sein darf, noch nicht erreicht hatten. Deshalb wurden Arbeiter unter anderem aufgefordert, ihre Messgeräte mit Blei abzudecken und damit zu manipulieren: Auf diese Weise maßen die Geräte geringere Werte – die Arbeiter wurden bewusst länger eingesetzt als erlaubt – eine massive Gesundheitsgefährdung wurde in Kauf genommen.

Abgesehen von den AKW-Mitarbeitern und Helfern, die unmittelbar nach dem Unglück direkt an den havarierten Reaktoren extrem hoher Strahlung ausgesetzt waren, rechnen Wissenschaftler nicht mit massiven Gesundheitsfolgen für die Bevölkerung in der Präfektur Fukushima. Das ging aus einem Bericht des wissenschaftlichen Komitees der Vereinten Nationen (UNSCEAR) im Frühjahr 2014 hervor.

Japan - Schwierige Rückkehr nach Fukushima