Die Zahl der HIV-Infektionen in der Europäischen WHO-Region ist erneut gestiegen. Nach einem Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sind im vergangenem Jahr 142.197 neue Ansteckungen registriert worden, 2013 waren es 136.235.

"Wir rufen die europäischen Länder auf, mutige Maßnahmen zu ergreifen und die HIV-Epidemie ein für alle Mal zu stoppen", sagte Zsuzsanna Jakab, die Leiterin des Regionalbüros Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die den Bericht veröffentlichte.

Vor allem in den östlichen Ländern der europäischen WHO-Region sei ein Anstieg zu verzeichnen – darin einbezogen sind auch Russland und Kasachstan. So hat Russland insgesamt 85.252 neue Infektionen gemeldet, im Vorjahr waren es 79.728. Die Zahl der Infektionen wird dabei jener der Diagnosen gleichgesetzt, die Dunkelziffer könnte somit höher sein.

Bedeutend laut ECDC ist der Trend des vergangenen Jahrzehnts: So habe sich beispielsweise die Zahl der Erstansteckungen in Bulgarien, Ungarn, Tschechien in diesem Zeitraum verdoppelt. In Österreich, Estland, Frankreich, den Niederlanden, Portugal und Großbritannien hingegen ist die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 25 Prozent zurückgegangen.

In Ländern wie Estland, Rumänien oder Luxemburg werde das Virus vor allem durch heterosexuelle Kontakte oder verunreinigtes Drogenbesteck übertragen. In Ländern wie Deutschland, Ungarn oder Kroatien werde das Virus überwiegend bei Geschlechtskontakten unter Männern weitergegeben. Die Zahl der HIV-Diagnosen von Männern, die Sex mit Männern haben, sei im vergangenen Jahrzehnt in einem alarmierenden Tempo gestiegen, heißt es in dem Bericht. Von 30 Prozent im Jahr 2005 auf 42 Prozent im Jahr 2014. Im Vergleich zu den Vorjahren blieb die Zahl allerdings nahezu konstant.

In Deutschland wurde das Aids-Virus 2014 dem ECDC-Bericht zufolge bei 3.525 Menschen festgestellt. Das sind sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Das Robert Koch-Institut schätzt derweil, dass sich nur rund 3.200 Menschen direkt in Deutschland infiziert haben. Der Wert ist seit Jahren konstant. Es gebe eine Reihe von "Auslandsinfektionen", die in Deutschland diagnostiziert werden.

Zahl der Neuansteckungen geht weltweit zurück

Obwohl die Zahl der infizierten Migranten rückläufig ist, warnt die WHO davor, diese Gruppe zu vernachlässigen. "Wir fordern alle Länder in Europa auf, HIV-Tests, Präventions- und Behandlungsangebote für alle Flüchtlinge und Migranten bereitzustellen, unabhängig von ihrem rechtlichen Status. Das ist auch der sicherste Weg, die eigene Bevölkerung vor einer HIV-Infektion zu schützen."

Nach einem Bericht der Vereinten Nationen haben sich 2014 weltweit zwei Millionen Menschen mit dem Aids-Virus infiziert. Damit sind die Neuansteckungen sind seit dem Jahr 2000 um mehr als ein Drittel gesunken. 36,9 Millionen Menschen tragen das Virus in sich. 1,2 Millionen Menschen starben im vergangenen Jahr an Krankheiten im Zusammenhang mit Aids.