Als die Waage 143 Kilo zeigte, sagte seine Tochter zu Stefan Pries: "Papa, Du musst abnehmen. Ich habe Angst, dass Du früh stirbst." In den fünf Jahren davor hatte Pries schrittweise 53 Kilo zugenommen. "Eigentlich war ich nie dick", erzählt er. "Aber nachdem ich mich von meiner Frau getrennt hatte, ging es mir echt schlecht. Aus Frust aß ich nicht mehr, ich fraß. Meistens habe ich einfach Fast Food per Telefon bestellt, wenn ich Hunger hatte." Statt Schnürschuhen fing er an, Slipper zu tragen: "Ich hatte einfach keine Lust mehr, mich zu bücken." Dann, als er eines Nachts nach einer Party nach Hause kam, stieß er am Computer auf Werbung für die Fernsehsendung The Biggest Loser. Um zwei Uhr füllte er den Bewerbungsbogen aus. Wenige Monate später war er der Sieger der siebten Staffel.

Dieser Text gehört zu ZEIT Doctor – dem neuen Ratgeber, der hilft, gesund zu bleiben.

Das Prinzip der Sendung ist einfach: Wer am radikalsten abnimmt, gewinnt. Stefan Pries verlor zwischen Februar und April dieses Jahres 65,4 Kilo. Während er zu Beginn der Staffel noch in XXL-T-Shirt und Sporthose posierte, steckte ihn Sat.1 für das Finale medienwirksam in einen engen grauen Anzug. Aber die eigentliche Schwierigkeit – das verschweigen die Verantwortlichen der Sendung – ist nicht das Abnehmen, sondern das Körpergewicht nach einer Diät zu halten. Denn meist kehrt langsam aber fast unweigerlich ein Kilo nach dem anderen zurück.

"Das Körpergewicht ist extrem gut reguliert", sagt Matthias Blüher. Der Endokrinologe leitet die Adipositas-Ambulanz in Leipzig.  Während der Körper viele Mechanismen kennt, an Gewicht zuzulegen, versagt er dabei, das Gewicht langfristig wieder loszuwerden. Und so, sagt Blüher, "tendiert der Körper immer zurück zu dem höchsten Gewicht, das er jemals hatte." Diese Angewohnheit war einmal nützlich. Denn unseren Vorfahren half sie, in einer Welt zu überleben, in der es wenig zu essen gab. In der heutigen Zeit wird daraus aber eine Einbahnstraße: Zunehmen ja, langfristiges Abnehmen kaum.

Diät halten macht schlechte Laune

Hormone im Darm und Fettgewebe sowie Botenstoffe im Hirn, die bestimmen, ob wir satt sind oder Hunger haben, regulieren das Gewicht. Die verschiedenen Kreisläufe greifen ineinander – und wirken sich dabei auch direkt auf unsere Gefühle aus. Wie genau, beschrieben amerikanische Neurowissenschaftler vor Kurzem im Magazin Nature. Sie nahmen eine Gruppe von Nervenzellen unter die Lupe, die dafür da ist, die Energiereserven des Körpers zu überwachen. Zwar wurde die Studie an Mäusen durchgeführt. Aber weil sich die Kreisläufe in Menschen- und Mäusegehirnen wenig unterscheiden, kann man ihre Ergebnisse vorsichtig auf den Menschen übertragen. Die untersuchten Nervenzellen nehmen schon geringe Veränderungen des Körpergewichts wahr und signalisieren so bereits nach einer moderaten Diät, dass dem Körper Reserven fehlen (Betley et al., 2015). Sie tun dies, indem sie unseren Gefühlshaushalt manipulieren. Negative Gefühle gewinnen die Oberhand, wir bekommen schlechte Laune. Das einzige, was dagegen hilft: die nächste Mahlzeit.

Eigentlich sind die schlechten Gefühle ein Lernsignal, das uns motivieren soll zu essen, wenn der Körper Nahrung braucht. Bei Übergewichtigen jedoch stehen sie dem Abnehmen im Wege. Der Körper, der sich an ein höheres Gewicht gewöhnt hat, signalisiert dauerhaft, dass ihm Nahrung fehlt. Diät halten macht also schlechte Laune. Sie macht es uns wahnsinnig schwer, nicht gleich wieder zuzunehmen.

Abnehmen mit Sport oder Light-Produkten? ZEIT ONLINE räumt mit Diät-Mythen auf und gibt Tipps. © Armin Weigel/dpa

Dieser biologische Mechanismus scheint ungemein stark zu sein. Selbst in medizinischen Abnehmprogrammen gelingt Gewichtsverlust nur selten. Die Patienten verlieren zwar kurzfristig Kilos, bald darauf gewinnen sie sie aber wieder zurück. Nach fünf Jahren, zeigte eine Studie, die solche Programme verglich, wog kaum einer der Teilnehmer wirklich weniger (Dulloo & Montani, 2015). Einige waren sogar in einen Teufelskreis geraten: Sie begannen immer wieder eine neue Diät. Weight Cycling nennen Forscher, was hier einsetzte, oder eben Jojo-Effekt. Die Folgen sind meist unangenehm: "Der Körper", erklärt der Endokrinologe Blüher, "will nach einer Diät besser auf den nächsten Mangelzustand vorbereitet sein. Deshalb legt er zusätzliche Reserven an." Die, die besonders oft ab- und wieder zunehmen, bringen deshalb am Ende meist mehr auf die Waage als vor der ersten Diät.