In den ersten Wochen ihrer Schwangerschaft fiel Angelica Pereira ein Mückenstich auf. Erst schien er wie alle anderen, dann kam ein Hautausschlag dazu. Es folgten Kopfschmerzen, Fieber und brennende Augen. Die Symptome verschwanden nach einigen Tagen. Doch die Mücke übertrug das Zika-Virus, und Pereira ist sich sicher, dass der Erreger Schuld ist an der schweren Schädigung ihrer Tochter.

Luiza kam im Oktober mit einem viel zu kleinen Kopf zur Welt. Mikrozephalie heißt diese Fehlbildung. Bei Luiza hat sie nicht nur die Gehirnentwicklung beeinträchtigt, sondern auch zu Lähmungen geführt. "Ich konnte nur noch daran denken, welche Kämpfe mein Baby ausfechten muss und welche Diskriminierungen es ertragen muss", sagt die junge Näherin aus Santa Cruz do Capibaribe im Nordosten Brasiliens.

In ihrem Heimatland häufen sich die Fälle von Mikrozephalie seit einigen Monaten. Mehr als 2.700 Babys wurden in diesem Jahr in Brasilien mit der Schädelfehlbildung geboren. 2014 waren es weniger als 150. Woran liegt das?

Die Behörden sehen Zika-Virus als Ursache

Als Ursachen für Mikrozephalie kommen verschiedene Infektionen während der Schwangerschaft ebenso infrage wie eine Belastung mit giftigen Stoffen oder genetische Abnormalitäten. Doch das sprunghafte Ansteigen der Fälle lässt für die brasilianischen Behörden keine andere Erklärung zu als das Zika-Virus.

Mit dem von Stechmücken übertragenen Virus wurden laut brasilianischen Schätzungen seit Mai Hunderttausende Menschen im Land infiziert, möglicherweise sogar weit über eine Million. Das Zika-Virus wurde vor rund 40 Jahren erstmals in Uganda beim Menschen gefunden. In Amerika fiel es erst vor knapp zwei Jahren auf. Seitdem hat es sich weit über Süd- und Mittelamerika verbreitet. Lange galt der Erreger als weniger gefährlicher Bruder der Fieberviren Dengue und Chikungunya, die ebenfalls von der Aedes-Mücke übertragen werden.

Dass das Virus aber schwere Spätfolgen haben könnte, fiel Medizinern und Behörden spätestens im vergangenen Jahr auf. Damals wurden aus Französisch-Polynesien inmitten eines Zika-Ausbruchs 17 Fälle von Fehlbildungen bei ungeborenen Kindern und Neugeborenen gemeldet. Das berichtete das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, kurz ECDC. Das ECDC hat einen ausführlichen Bericht zum Zusammenhang von Zika-Infektionen und Mikrozephalie verfasst und Handlungsempfehlungen für Mediziner herausgegeben.

Im November fanden brasilianische Forscher dann das Zika-Genom im Fruchtwasser zweier Frauen, bei deren Babys im Ultraschall Mikrozephalie festgestellt worden war. Außerdem wurde das Zika-Virus im Hirngewebe eines verstorbenen Neugeborenen mit Mikrozephalie entdeckt.