Ein Angestellter einer Schule misst die Temperatur eines Schülers, um eine Ebolaerkrankung auszuschließen. © Akintunde Akinleye/Reuters

Update 14.01.2016: Zwei Jahre nach Ausbruch der bislang schlimmsten Ebola-Epidemie hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch Liberia für ebolafrei erklärt. Damit gilt die Epidemie in Westafrika, an der mehr als 11.300 Menschen gestorben sind, offiziell als überwunden. Die WHO weist die Regierungen der Länder allerdings darauf hin, dass vor Ort weiterhin ein erhöhtes Risiko für Ebola-Infektionen bestehe.

Am 6. Dezember 2013 stirbt in Guéckédou, einem 5.000-Einwohner-Örtchen in Guinea ein Zweijähriger nach heftigen Fieberschüben. Nicht ungewöhnlich in einem der ärmsten Länder Afrikas, in dem auf 10.000 Menschen gerade mal ein Arzt kommt und von 1.000 Neugeborenen durchschnittlich 98 sterben. Doch dieses Mal ist etwas anders.

Was in jenem Dezember noch niemand weiß: Der Junge hatte sich – übertragen wohl durch einen Flughund – mit dem gefährlichen Ebolavirus infiziert. Und er hat Verwandte angesteckt. Sie tragen den Erreger unbemerkt weiter. So beginnt die größte Ebola-Epidemie aller Zeiten. 

Im März 2014 steht fest: Westafrika steht vor einer Gesundheitskatastrophe. Einen einsatzbereiten Impfstoff gegen den Erreger, der jahrzehntelang im Tierreich schlummern kann, ehe er Menschen befällt, gibt es zu jenem Zeitpunkt nicht. In Massen sterben die Menschen an schweren inneren Blutungen, Fieber, Dehydrierung. Ärzte können kaum etwas ausrichten. Die Quarantänemaßnahmen greifen nur langsam. Internationale Hilfe läuft nur schleppend an. Rasant steigt die Zahl der Neuinfektionen über Monate hinweg an.

Bereits vor dem G7-Gipfel im letzten Jahr warnten Helfer vor einem erneuten Ausbruch:

Ebola-Virus - Warum die G-7-Staaten Ebola nicht vergessen dürfen Der Kampf gegen Ebola ist fast gewonnen und fast vergessen. Vor dem G-7-Gipfel warnen deutsche Helfer: Der nächste Ausbruch kommt. Und der braucht Geld und Impfstoffe.

Schwerster Ausbruch aller Zeiten

Seit jenem Dezember vor zwei Jahren haben sich in Westafrika nach offiziellen Angaben 28.637 Menschen mit Ebola infiziert. Etwas weniger als die Hälfte davon (11.315 Menschen) sind an den Folgen gestorben. Die Dunkelziffer liegt weit darüber, nicht jeder Fall konnte von Behörden registriert werden (Die wichtigsten Fakten zum Ausbruch hier im Überblick). 

Die Seuche breitete sich außer in Guinea auch in Liberia und Sierra Leone stark aus. In sieben weitere Staaten (hier eine Übersicht der US-Seuchenbehörde CDC), darunter Nigeria, wurde das Virus eingeschleppt.

Jetzt, zwei Jahre nach dem Ausbruch, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die Epidemie offiziell für beendet erklärt. Denn auch in Guinea, dem Land, in dem alles begann, hat es seit 42 Tagen (zweimal die Inkubationszeit von Ebola gerechnet) keine neuen Infektionen mehr gegeben. Das ist die Karenzzeit, nach der Wissenschaftler davon ausgehen, dass ein Ebolaausbruch vorüber ist.

Sierra Leone war bereits im November 2015 als ebolafrei eingestuft worden. In Liberia gab es Rückschläge. Vereinzelt traten wieder Fälle auf. Hilfsorganisationen hoffen jedoch, dass sie auch von dort bald 42 Tage ohne Neuinfektionen vermelden können.

Der Erreger ist nicht weg

Das bedeutet aber nicht, dass Ebola damit besiegt sei. Der Erreger schlummert weiterhin im Tierreich – wie auch schon vor diesem Ausbruch von historischem Ausmaß. Jederzeit kann sich irgendwo auf der Erde ein Mensch im Kontakt zu Tieren, etwa durch den Verzehr von Buschfleisch oder den Biss eines Affen, mit dem Erreger infizieren und eine neue Epidemie auslösen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass in Dörfern, die weit von medizinischer Versorgung und behördlichen Kontrollen abgeschnitten sind, doch noch vereinzelt unbemerkte Ebolafälle auftreten.

Anders als noch vor zwei Jahren, wäre die Welt jetzt aber besser auf einen neuen Ausbruch vorbereitet: Mehrere wirksame Impfstoffe gegen Ebola wurden in der Zeit der Epidemie entwickelt und könnten bei einem erneuten Ausbruch eingesetzt werden. Vorausgesetzt sie würden schnell genug in großen Mengen hergestellt und systematisch in den Risikogebieten verabreicht.

Die Ausbreitung des Virus müsse auch 2016 noch sehr genau beobachtet werden, sagten Mitarbeiter der WHO, als sie das Ende der Epidemie verkündeten. Es bleibe besonders wichtig, dass bei einem erneuten Ausbruch in Westafrika schnell reagiert werden könnte, sagte Axelle Ronsse von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.

Überlebende leiden an Spätfolgen

Auch die etwa 15.000 Überlebenden der Seuche in Westafrika brauchen Zugang zu medizinischer Hilfe, da viele immer noch unter physischen und psychischen Beschwerden leiden. Noch nie zuvor hat es so viele Menschen auf der Welt gegeben, die eine Ebolainfektion überlebt haben. Erst jetzt zeigt sich, welche Spuren das Virus in ihrem Körper hinterlässt. Wie schwer die gesundheitlichen Spätfolgen der Krankheit sind, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Die sozialen und wirtschaftlichen Spuren der Seuche sind heute schon in Westafrika spürbar. Ebola hat Tausenden Kindern die Eltern genommen, vielen Familien den Ernährer. Und wer überlebt hat, wird häufig ausgegrenzt und von der eigenen Familie gemieden.

Diese Karte der WHO zeigt die wichtigsten Eckdaten im Verlauf der Ebolaepidemie

Kurz erklärt - Wie sich Ebola verbreitet Was sind die Symptome von Ebola? Wie wird es übertragen? Wie kann es gestoppt werden? Ein kurzes Erklärvideo von explainity