"Deine Figur – zufrieden damit?" Das fragt diesen Monat medizini auf seiner Titelseite. Das Gesundheitsmagazin gibt es kostenlos in Apotheken. Seine Zielgruppe: Fünf- bis Zwölfjährige. Auf "spielerische, altersgerechte Art" wollen die Autoren über Körper und Gesundheit aufklären. Mal geht es dabei um Schnupfen, mal darum, was gesundes Essen ist.

Mit der Idee zum Kindertest sind die Macher des Magazins wohl übers Ziel hinausgeschossen. Sie stehen heftig in der Kritik wegen eines Multiple-Choice-Tests mit sieben Fragen wie diesen: "Du siehst Fotos von schönen, schlanken Stars. Was denkst du?" oder "Andere Kinder hänseln dich, weil du angeblich zu dick bist. Wie reagierst du?" (Die Testseite können Sie sich hier als pdf-Datei ansehen.)


Viel zu suggestiv und deplatziert befanden die Mitarbeiter der Post-Apotheke Neckarhausen. Sie legen das Heft in diesem Monat nicht aus. "Als Eltern von kleineren und größeren Kindern finden wir es falsch, bereits in diesem Alter [...] den Blick in Richtung Schlankheitswahn zu schärfen", schreiben sie. Für diese Haltung gab es in den vergangenen Tagen viel Zuspruch. Aber nicht nur.

"Mal ganz ehrlich, es redet keiner davon, dass aus den Kindern eine Barbie werden soll, aber es schadet eben auch keinem Kind, wenn es im normalen Gewicht bleibt", heißt es etwa auf der Facebook-Seite der Post-Apotheke. Für viele Kinder sei das Gewicht bereits ein Thema, schreiben Kommentatoren. Da wird geschaut, verglichen, verurteilt. Ein Kinder-Gesundheitsmagazin dürfe das aufgreifen, sollte es aus Sicht mancher sogar – schließlich gäbe es so viele dicke Kinder und gleichzeitig ein krasses Schlankheitsideal schon an Schulen.

Die meisten Kinder sind fit und schlank

Doch ruhig bleiben. So schlimm ist es um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen nicht bestellt, wie Studien zeigen (Kiggs Welle 1, 2014). Drei Viertel treiben regelmäßig Sport. Mehr als ein Viertel davon ist täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv – und erfüllt damit die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Zuletzt waren weniger Kinder übergewichtig. Statistisch erfasst wird das aus Daten zur Einschulung (Moss et al., 2012).

Trotzdem: Auffällig viele Heranwachsende sind zu dick. Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und das Robert Koch-Institut berichten, sind derzeit rund 15 Prozent aller drei- bis 17-Jährigen übergewichtig, jeder zweite bis dritte davon stark.

Das heißt: Mehr als eine Million Kinder in Deutschland ist zu dick, rund 800.000 adipös, also fettleibig.

Wer früh dick ist, wird früher krank

Gesund ist das nicht. Das Bindegewebe reißt, Sehnen, Gelenke und Muskeln werden überbeansprucht. Der Blutdruck ist häufig erhöht, die Schilddrüse überfordert – um nur einige Beispiele zu nennen. In der Folge besteht für diese Kinder ein höheres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, Herz-Kreislauf-Beschwerden sowie Gelenk- und Rückenprobleme zu bekommen. Schon im Kindesalter können die Krankheiten auftreten. "Je älter das Kind wird, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass der Zustand bestehen bleibt", sagen Ärzte.

Auf das Gewicht von Kindern zu achten, ist wichtig. Dick zu sein schadet nicht nur dem Selbstbewusstsein, es kann krank machen. Mitunter ein Leben lang. Doch ist ein Test, wie ihn medizini veröffentlicht hat, das richtige Mittel?

"Die medizini-Redaktion ist der Meinung, dass sich Kindergartenkinder oder Schulanfänger am besten noch gar nicht mit der eigenen Figur beschäftigen sollten", geben die Autoren in einem Statement bekannt. Man sei aber überzeugt, dass die Themen Aussehen, Figur und Schönheitsideal spätestens am Übergang zu den weiterführenden Schulen ein Thema seien. "Genau da soll der Beitrag Teenager sensibilisieren, damit sie und ihre Eltern rechtzeitig darauf hingewiesen werden, dass sie sich möglicherweise zu sehr mit ihrem Aussehen beschäftigen", heißt es.