41 Millionen Kinder unter 5 Jahren sind übergewichtig oder fettleibig. © John Moore/Getty Images

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zum weltweiten Kampf gegen Fettleibigkeit von Kindern aufgerufen. Weltweit seien 41 Millionen Jungen und Mädchen unter fünf Jahren zu dick, zehn Millionen mehr als 1990, erklärte die zuständige Kommission in Genf. Besonders in den Entwicklungs- und Schwellenländern seien die rasant ansteigenden Zahlen ein "explodierender Albtraum".

Die WHO räumte ein, dass Übergewicht bei kleinen Kindern lange Zeit nicht als größeres Gesundheitsproblem angesehen worden sei. Doch Untersuchungen über zwei Jahre in mehr als hundert Ländern hätten gezeigt, dass die Lösung des Problems nicht allein bei den Familien liegen könne. Vielmehr sei eine "konzertierte", globale Antwort von Regierungen und der Gesundheitspolitik notwendig. Werde nichts getan, drohe die "Epidemie" die vielen Fortschritte bei der Gesundheit der Menschen und ihrer Lebenserwartung wieder zunichte zu machen.

Als besonders besorgniserregend bezeichnete die WHO die rasant wachsende Zahl zu dicker Kleinkinder in ärmeren Ländern. Knapp die Hälfte der übergewichtigen oder fettleibigen Jungen und Mädchen im Alter unter fünf Jahren lebt demnach in Asien, ein Viertel in Afrika. Dort hat sich deren Zahl binnen 25 Jahren fast verdoppelt, von 5,4 Millionen auf 10,3 Millionen. In vielen dieser Länder gälten dicke Kinder als "gesund", merkte die Kommission an.

"Es ist nicht die Schuld der Kinder"

Auch in Deutschland sind auffällig viele Heranwachsende zu dick. Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und das Robert Koch-Institut berichteten, sind derzeit rund 15 Prozent aller drei- bis 17-Jährigen übergewichtig, jeder zweite bis dritte davon stark. Das sind mehr als eine Million Kinder.

Wichtigste Botschaft sei: "Es ist nicht die Schuld der Kinder", sagte der Co-Vorsitzende der WHO-Kommission, Peter Gluckman. Es könnte helfen, Standards für Schulessen einzuführen, eine Zucker-Steuer zu erheben oder Werbung für ungesundes Essen zu beschränken. Im Gegenzug solle zum Beispiel für gesundes Essen und Sport geworben werden. Dies möge allzu sehr nach gesundem Menschenverstand klingen, doch hätten viele Länder diese Strategien noch gar nicht oder nur unzureichend umgesetzt, sagte Gluckman.

Zu wenig Bewegung sei eines der Hauptprobleme, sagt die WHO. 60 Minuten am Tag sollen sich Heranwachsende bis zu einem Alter von 17 Jahren bewegen – 81 Prozent würden das nicht schaffen.

Auch die Deutsche Adipositas Gesellschaft sieht den Staat in der Pflicht, gegen das Übergewicht anzugehen. "Alle Erfahrungen haben gezeigt, dass freiwillige Selbstverpflichtungen der Lebensmittelindustrie nicht wirksam sind", sagte die Sprecherin der Gesellschaft Stefanie Gerlach. Deshalb fordere ihr Verband eine Zucker-Fett-Steuer. Werbung für ungesunde Lebensmittel und Getränke, die sich an Kinder und Jugendliche wende, sollte beschränkt werden. Außerdem sollten alle Bundesländer Qualitätsstandards für Schulessen verbindlich festlegen. 

Übergewicht hat schwere gesundheitliche Folgen

Bereits in der Kindheit wirkt sich Übergewicht auf die Gesundheit aus: Orthopädische Schäden, Magen-Darm-Erkrankungen oder ein erhöhtes Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken sind nur einige Beispiele. Zudem wird Übergewicht für die soziale Entwicklung der Kinder als Belastung eingeschätzt. Viele der adipösen Kinder sind im Erwachsenenalter noch fettleibig.

Ob ein Kind übergewichtig ist, wird mithilfe des Body-Mass-Index (BMI) bestimmt. Dieser errechnet sich aus dem Verhältnis von Körpergröße zu Gewicht. Für Erwachsene gilt für eine bestimmte Größe ein bestimmter BMI-Wert. Bei Kindern spielt auch das Alter eine Rolle.