Über Aids und HIV spricht niemand gern mit seinem Date. Meist tut man es gar nicht, auch nicht in der Partnerschaft. Warum auch? Schon Jugendliche wissen: Beim Sex schützt ein Kondom. Und die Mehrheit der Deutschen weiß, in welchen Situationen die Gefahr besteht, sich anzustecken. Doch ein Viertel der Befragten einer Forsa-Umfrage von 2014 glaubte auch: Wer sich küsst, kann Aids bekommen. Das ist falsch.

Trotz erfolgreicher Kampagnen gibt es immer noch viele Gerüchte und Irrtümer. Nur wenige kennen die Details. Was tun, wenn das Kondom mal reißt? Was ist beim Sex noch in Ordnung und wann wird es wirklich riskant? ZEIT ONLINE hat die wichtigsten Antworten zu HIV und Aids in Deutschland gesammelt.

1. Auch eine feste Beziehung schützt nicht vor HIV

Jeder kann sich anstecken. In Deutschland infizieren sich Menschen mit HIV meist beim Sex, vor allem wenn sie sich nicht mit Kondomen schützen. Es ist egal, ob man lieber mit Männern oder mit Frauen schläft, ob man schwul oder lesbisch, hetero- oder bisexuell ist. Das Entscheidende ist, wie man sich beim Sex verhält.

Wer oft ungeschützt mit Fremden oder wechselnden Dates schläft, lebt riskanter. Leicht übertragbar sind HI-Viren beim Anal- und Vaginalsex. Die Schleimhäute in Darm und Scheide sind sehr empfänglich für HIV oder andere Erreger, die beim Sex übertragen werden und zum Beispiel Tripper, Syphilis, Hepatitis oder Herpeserkrankungen auslösen können.

Frauen, die Vaginal- und Analsex mit Männern haben, und Männer, deren männliche Partner in sie eindringen, stecken sich mitunter leichter mit Erregern an. Gerade dann, wenn der Partner in ihnen kommt. Sperma kann viele Viren enthalten. Ein Ansteckungsrisiko ist aber auch für den eindringenden Mann da: Kleinere Verletzungen der Scheide und im Analbereich sind beim Sex nicht ungewöhnlich. Mit HIV infiziertes Blut, Scheiden- und Darmflüssigkeit kann so über den Penis aufgenommen werden.

Weniger riskant, aber nicht ungefährlich ist Oralsex. Wer den Partner mit dem Mund befriedigt, sie oder ihn leckt (auch im Analbereich), kann sich Viren einfangen. Die Mundschleimhäute nehmen HIV und andere Erreger nicht so leicht auf wie andere Schleimhäute. Verletzungen im Mund können das Risiko aber deutlich erhöhen. Sperma hat in der Regel die höchste Virenlast, über Scheidenflüssigkeit (ohne Blut) oder auch den Lusttropfen des Mannes vor dem Orgasmus ist die Ansteckungsgefahr geringer.

Küssen oder Hautkontakt allein übertragen das Virus nicht. Nicht mal Zungenküsse. Nur theoretisch können Viren hier ausgetauscht werden, wenn etwa Wunden im Mund bluten. Eine Übertragung über die Luft oder dann, wenn man das gleiche Schwimmbecken nutzt, ist ausgeschlossen.

Mehr als 60 Prozent der HIV-Infizierten in Deutschland (geschätzte 53.800 Menschen) sind Männer, die mit Männern Sex haben. Und 72 Prozent der HIV-Neuinfektionen (im Jahr 2014 geschätzt 3.200) betreffen eben auch diese Gruppe (Epidemiologisches Bulletin, 45, 2015). Dabei sind nur etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung schwul oder Bi-Männer, also rund 3,2 Millionen Menschen.

Deutlich seltener infizieren sich Frauen, die mit Frauen Sex haben, mit HIV. Möglich ist es etwa, wenn sie sich Sexspielzeug teilen und vor dem Tausch nicht reinigen.

Eine feste Partnerschaft schützt übrigens nicht vor HIV. Nicht wenige Neuinfizierte haben sich bei ihrem festen Partner angesteckt. Meist weiß einer der beiden nicht, dass er oder sie das Virus vielleicht durch einen früheren ungeschützten Sexkontakt in sich trägt. Wer in einer exklusiven Partnerschaft ohne Kondom miteinander schlafen will, sollte sich vorher unbedingt auf HIV testen lassen.

Nur ein sehr geringer Teil von Menschen infiziert sich in Deutschland über andere Wege mit HIV als über Sex. Am riskantesten leben hier Menschen, die sich Drogen spritzen und sich Nadeln mit anderen teilen. Sie können sich über Blutreste, auch über trockene, noch Tage später anstecken.

Ein geringes HIV-Risiko hat in Deutschland der Nachwuchs von Müttern mit dem Aids-Erreger – wenn die Frauen in Behandlung sind. Eine Übertragung auf das ungeborene Kind ist dank Medikamenten sehr unwahrscheinlich. Verschwindend gering ist in Deutschland die Gefahr, sich über Blutkonserven im Krankenhaus Viren einzufangen. Blutprodukte werden praktisch lückenlos kontrolliert.

2. Kondome sind sicher, aber was tun, wenn eins reißt?

Selbst wer beim Sex immer Kondome nutzt, sollte aufpassen. Reißt das Kondom oder rutscht es ab, ist die Angst vor HIV meist groß. Am besten ruhig bleiben und rasch handeln. Was zu tun ist, zeigt unsere Kartengeschichte:

dpa
Kondom geplatzt – und jetzt?

Kondom geplatzt – und jetzt?

Das Date lief super – bis zu diesem Moment. Riss im Gummi. Kann ich das Aids-Virus HIV erwischt haben? Was jetzt zu tun ist.

Laden …
© NIH
Angst! Wovor noch gleich?

Angst! Wovor noch gleich?

HIV greift die Körperabwehr an. Bei wem Aids ausbricht, den machen sonst harmlose Erreger schwer krank. Passiert mir das jetzt auch?

Laden …
Laden …

Sofort machen

Sperma ausspucken und Mund spülen – falls möglich mit hochprozentigem Alkohol.

Oralsex

sein lassen

Nicht die Zähne putzen – sind Viren vorhanden, könnten sie ins Zahnfleisch gerieben werden.

Laden …

HIV-Test

Tatsächlich: Schnelltests bringen nach einer halben Stunde ein erstes Ergebnis. Machen sollte man sie aber erst zwölf Wochen nach dem ungeschützten Sex – sonst sind sie zu unsicher. Am Ende muss man also länger bangen als nach dem Labortest.

Laden …
Laden …