Noch nie wurde eine deutsche Mücke entdeckt, die Zika in sich trug. Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopicts) – hier im Bild – hat aber das Zeug, das Virus zu übertragen. Sie brütet vereinzelt auch in Deutschland. © James Gathany/CDC/dpa

Zika. Hat sich erledigt, oder? Europas Medien berichten kaum noch über das Virus. Ist die Gefahr vorbei? Oder schaut nur kaum jemand mehr hin?

Wir haben die Epidemie weiter verfolgt, die sich von Lateinamerika und der Karibik aus weiter ausbreitet. Die wichtigsten Fakten zu dem Infekt, den Mücken übertragen.

Was ist Zika genau?

Seinen Namen bekam das Virus von einem Wald in Uganda. Dort hatten es Wissenschaftler zufällig in Versuchsaffen entdeckt, an denen man gerade das ebenfalls von Tropenmücken verbreitete Dengue-Virus erforschte. Das war im Jahr 1947. 

Es gibt zwei Linien des Erregers: eine afrikanische und eine asiatische (Haddow et al., 2012 & Faye et al., 2014). Letztere löste bisherige Ausbrüche in Afrika, Amerika, Asien und der Pazifikregion aus (Enfissi et al., 2016). Sie alle waren überschaubar. Das änderte sich 2007. Damals erkrankten mehr als 100 Menschen auf der Pazifikinsel Yap in Mikronesien. 2013 dann der nächste größere Ausbruch in Französisch-Polynesien. Zwei Jahre später trat das Virus in Brasilien auf und hat seither Millionen von Menschen infizierten.

Wie breitet es sich aus?

Das Prinzip kennen wir von Malaria oder Dengue: Tropenmücken der Gattung Aedes übertragen den Erreger – vor allem die Gelbfiebermücke Aedes aegypti. Während die Moskito-Weibchen einen Menschen stechen und Blut saugen, nehmen sie das Zika-Virus auf und tragen es weiter. Mit einem nächsten Stich können sie jemand anderen anstecken. 

Woran merkt man, dass man Zika hat?

Die meisten merken es gar nicht. Nur jeder vierte bis fünfte Infizierte verspürt überhaupt Symptome. Diese treten in einem Zeitraum von drei bis zwölf Tagen (meist drei bis sieben Tage) nach einem infektiösen Mückenstich auf und halten bis zu einer Woche an.

Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, erhöhte Temperatur – all das ist zu unspezifisch, als dass man selbst beurteilen könnte, ob man sich mit Zika angesteckt hat. Dafür ist ein Labortest nötig. Der erste Ansprechpartner bei Verdacht auf Zika wäre der Hausarzt.

Hat Zika Deutschland denn schon erreicht?

Ja, vereinzelt. Aber nur durch Reisende, die sich im Ausland infiziert haben. Sehr wenige davon steckten danach im Heimatland andere an. So schaffte es der Infekt in Länder, in denen Mücken das Virus bisher nicht in sich tragen. Weiter ausbreiten konnte sich die Infektionskrankheit in diesen Ländern aber nicht.

Am häufigsten kommt Zika in den USA als Reisekrankheit vor. Aus Europa werden lediglich Einzelfälle gemeldet. Konkret hat das Robert-Koch-Institut zwischen 2013 und 2015 zehn Fälle in Deutschland gezählt. Hierzulande ist Zika nicht meldepflichtig. Wie schon erwähnt, verläuft eine Infektion ohnehin meist unbemerkt. Daher gibt es überall – auch in den stark betroffenen Ländern mit infizierten Moskitos – eine hohe Dunkelziffer.

Wie leicht ist die Ansteckung durch Sex?

Vielfach war zu lesen: Auch durch ungeschützten Sex kann man Zika bekommen. In der Tat ist so eine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich (Musso et al., 2015). Sie spielt für die Ausbreitung der Seuche aber nur eine untergeordnete Rolle. Zu einer weltweiten Pandemie kann es nur kommen, wenn auch die Mücken weltweit sich mit Zika infizieren. Die Insekten selbst werden durch den Erreger übrigens nicht krank.

Wo gibt es bestätigte Zika-Fälle?

Seit dem aktuellen Ausbruch wurden aus mehr als 40 Ländern bestätigte Fälle gemeldet, wie die Europäische Seuchenbehörde zusammenfasst. Betroffen sind Staaten in und um Lateinamerika und der Karibik. Die meisten Fälle meldet Brasilien. Derzeit geht die Zahl der Neuinfektionen aber zurück. Da jeder, der den Infekt hinter sich hat, immun wird, sinkt auch die Zahl derer, die sich noch anstecken könnten.

Diese Karte listet die Länder auf, in denen Tropenmücken Zika direkt übertragen:

Warum hatte niemand Zika auf dem Schirm?

Seit 60 Jahren kennt man Zika. Wie konnte es sich jetzt auf einmal so schnell ausbreiten? Warum gibt es bis heute keine Medikamente dagegen, geschweige denn eine Impfung? Die Antwort ist einfach: Weil das Virus bisher als harmlos galt. Infiziert sich ein Mensch, fühlt er sich ähnlich wie bei einer Erkältung.

Entsprechend wenig wurde Zika beachtet. Ähnliche Tropeninfektionen wie Dengue richten seit vielen Jahren deutlich mehr Schaden an und sind deshalb auch besser erforscht.

Harmlose Krankheit. Wo ist das Problem?

Plötzlich infiziert Zika also Millionen. Wieso ist das nun besorgniserregend, wenn die Symptome so mild sind? Nach und nach werden bisher unbekannte Folgeschäden sichtbar. Zuletzt wurden zwei Zusammenhänge deutlich:

Erstens: Wo Zika umgeht, werden mehr Babys mit einer bestimmten Schädelfehlbildung geboren (Mikrozephalie). Besonders auffällig war das zuletzt im Norden Brasiliens, wo viele Babys mit zu kleinen Köpfen geboren wurden. Zwar waren es keine 4.000, wie zuerst vielfach berichtet. Dennoch: Es waren zu viele, um nicht zu reagieren. Denn diese Kinder bleiben in ihrer Gehirnentwicklung zurück und sind schwer geistig behindert. Der direkte Zusammenhang, wie Zika die Ungeborenen schädigen könnte, ist noch nicht geklärt. Derzeit untersuchen Forscher, ob auch in anderen Regionen mit Zika – etwa in Kolumbien – eine ähnliche Häufung der Fälle zu beobachten ist. Viele Forscher sind überzeugt: Es müssen noch andere Faktoren als das Zika-Virus allein eine Rolle spielen.

Zweitens: Es treten – in allen Altersgruppen – häufiger schwere Fälle einer Autoimmunerkrankung auf: das Guillain-Barré-Syndrom (GBS). Vereinzelt meldeten von Zika betroffene Staaten schon Todesfälle. Das Nervenleiden kann im schlimmsten Fall die Atmung lähmen. Es ist bekannt, dass GBS eine Folge von Virusinfekten sein kann.

Warum ein Gesundheitsnotstand?

Das Risiko für Ungeborene, die rasante Verbreitung und weder ein Impfstoff noch eine Therapie – das reichte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), um den Zika-Ausbruch in Lateinamerika zum globalen Gesundheitsnotfall zu erklären. Die Massenerkältung steht damit seit Februar formell auf einer Stufe mit Ebola. Wegen der Assoziationen, die das weckt, sagte WHO-Infektiologe Marcos Espinal auch gleich dazu: "Das ist nicht Ebola". Zika sei deutlich harmloser. Mit vereinten Kräften bekämpfen müsse man es trotzdem. Und das erfordere den offiziellen Notstand.

Wird es zu einer Pandemie kommen?

Ob sich Zika derart ausbreiten wird, dass es weltweit auch in Europa durch infizierte Mücken Millionen ansteckt, hängt davon ab, welche Mückenarten die Krankheit tatsächlich übertragen und so sie leben. Wie wahrscheinlich eine Pandemie ist, darüber streiten Forscher.

Neben der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) steht auch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) unter Verdacht, das Virus womöglich weitergeben zu können. Forscher fanden vereinzelt Zika in solchen Moskitos. Der Bonner Virologe Christian Drosten bezweifelt allerdings, dass diese Art bei der Verbreitung eine Rolle spielt: "Sie kommt massenhaft in Südchina vor, wohin sich die Zika-Epidemie aber nicht ausgebreitet hat", sagte er ZEIT ONLINE. Außerdem sind die Studien dazu ziemlich schwach. "Ein Virus in einer Mücke zu finden, heißt noch nicht, dass sie es auch weitergibt", sagte er.

Die Asiatische Tigermücke wurde zwar schon vor Jahren nach Deutschland eingeschleppt – in Wasserlachen gebrauchter Autoreifen. Und sie brütet inzwischen sogar im Raum Freiburg, wie Forscher um Doreen Walther (geb. Werner) nachweisen konnten (Parasitology Research: Werner/Kampen, 2015). Doch dass das reichen könnte, um hier eine Zika-Epidemie loszutreten, glaubt Virologe Drosten nicht. Und dazu müsse sie Zika überhaupt erstmal übertragen können.