Mehr als ein Dutzend lateinamerikanische Staaten wollen den Ausbruch des Zika-Virus (hier alles zum Thema) koordiniert bekämpfen. Die Gesundheitsminister Südamerikas sowie ihre Amtskollegen aus Mexiko, Costa Rica und der Dominikanischen Republik haben auf einem Krisentreffen in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo beschlossen, die wissenschaftlichen Verfahren zur Identifizierung des Virus zu vereinheitlichen. Auch der Überträger, die Mücke Aedes aegypti, soll über Grenzen hinweg bekämpft werden.

Zika ist ein seit Langem bekanntes Virus, das in Uganda entdeckt wurde und leichte Erkältungssymptome hervorruft. Seit dem aktuellen Ausbruch, der in Brasilien begann, steht der sonst recht harmlose Erreger unter Verdacht, Fehlbildungen (Mikrozephalie) bei Ungeborenen auszulösen. Unter anderem deshalb – und weil sich die Infektion durch den Stich infizierter Mücken gerade rasant verbreitet – hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen.

"Es gibt weder magische Lösungen noch einfache Antworten", sagte Uruguays Gesundheitsminister Jorge Basso nach dem Treffen. Viel hänge vom Verhalten der Bevölkerung ab, weswegen die Informationskampagnen verstärkt werden sollten, ergänzte er. Die Bevölkerung wird unter anderem dazu aufgerufen, jede unnötig stehende Wasserlache zu beseitigen. Die Mückenweibchen legen ihre Eier an Pfützen, Brunnen, Regenrinnen und ähnlichen feuchten Plätzen ab, wo dann in wenigen Tagen Larven heranwachsen, sich verpuppen und zu ausgewachsenen Moskitos werden.

Brasilien, das mit bis zu 1,5 Millionen Zika-Erkrankungen am stärksten betroffene Land, bot unter anderem die Ausbildung von Sanitätern an. Auch soll internationale Hilfe angefordert werden. Der brasilianische Gesundheitsminister Marcelo Castro teilte mit, sein Land habe eine Zusammenarbeit mit der US-Gesundheitsbehörde CDC vereinbart, um die Entwicklung eines Impfstoffs zu fördern.

Forscher rätseln über Fehlbildungen

Von der aktuellen Zika-Epidemie sind inzwischen 26 Länder Lateinamerikas und einige Karibikstaaten betroffen. Reisende schleppten die Infektion außerdem in die USA und auch bis nach Deutschland ein, in Länder also, in denen das Virus bislang nicht von Mücken weiterverbreitet wird. Forscher schließen allerdings nicht aus, dass auch hierzulande im Sommer Mücken Zika weitertragen könnten. Auch in Europa und Deutschland leben Arten, die das Potenzial dazu haben.

Trotz der Ausbreitung des Virus in mehreren Ländern Lateinamerikas sind die damit in Verbindung gebrachten Schädelfehlbildungen, Mikrozephalie genannt, bei Neugeborenen bisher nur in Brasilien aufgetreten. Dort vermuten Behörden rund 3.670 Fälle von Schädelfehlbildungen, eine nach Ansicht vieler Experten zu hohe Schätzung. Das Gesundheitsministerium hat bislang nur 404 Fälle bestätigt. In 17 davon sei ein Zusammenhang zwischen Zika und Mikrozephalie festgestellt worden, hieß es in einem Bericht des Ministeriums. Die direkte Verbindung zwischen einer Zika-Infektion bei Schwangeren und der Mikrozephalie der Babys ist bisher allerdings nicht nachgewiesen worden. Wie genau der Erreger die Fehlbildung auslösen könnte, wissen Forscher bislang nicht.

Der kolumbianische Gesundheitsminister Alejandro Gaviria sagte am Rande des Treffens mit seinen Kollegen in Uruguay, Forscher müssten herausfinden, worin der Unterschied zwischen Brasilien und den anderen Ländern liege. In Kolumbien gebe es rund 20.000 bestätigte Zika-Fälle, doch bisher sei kein einziger Fall von Mikrozephalie bei einem Neugeborenen festgestellt worden, fügte er hinzu.

Gesundheitsnotstand in vier Bezirken Floridas

Auch in den Vereinigten Staaten ist das Virus angekommen. Nach einer Reihe von Infektionen in Florida hat Gouverneur Rick Scott in vier Bezirken des US-Staats den Gesundheitsnotstand ausgerufen. "Wir wissen, dass wir uns auf das Schlimmste vorbereiten müssen, auch wenn wir auf das Beste hoffen", sagte Scott. Zudem wurde im US-Staat Texas ein Fall bestätigt, in dem sich jemand bei ungeschütztem Sex mit Zika angesteckt hatte. Das ist grundsätzlich möglich, wie Wissenschaftler bereits wussten. Für die weltweite Ausbreitung von Zika ist aber vor allem die Verbreitung infizierter Mücken entscheidend.

Das Zika-Virus wurde 1947 entdeckt. Bis 2015 wurde es mit keinen schweren Erkrankungen in Verbindung gebracht. Rund 80 Prozent der Infizierten entwickeln keine Symptome. Wer erkrankt, leidet an Fieber, Ausschlag, Gliederschmerz und entzündeten Augen. Stechmücken der Art Aedes aegypti (Ägyptische Tigermücke), die Zika überträgt, verbreiten auch andere Infektionskrankheiten, etwa Dengue oder Gelbfieber. Gleiches gilt für die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus).