Die Meldung hatte unnötig Ängste geschürt: Glyphosat, das umstrittene Pflanzenschutzmittel, jetzt auch im Bier? Dem vorangegangen war eine Studie, die das Umweltinstitut in München in Auftrag gegeben hatte. Gezielt wurde Bier getestet. Kein Wunder, dass sich darin Spuren von Glyphosat befanden. Es wird im großen Stil auf Feldern in Deutschland eingesetzt – Rückstände sind überall in der Umwelt zu finden.  

Das Ergebnis der Stichprobe wurde medienwirksam genau heute präsentiert, als sich der Bundestag mit Glyphosat befasste. Das Parlament folgte jetzt der umstrittenen Beurteilung des Mittels durch das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR). Das hatte Glyphosat als unbedenklich eingestuft. Entsprechend empfiehlt der Bundestag, dass es zugelassen bleiben soll. 

Bei einer namentlichen Abstimmung stimmten am Donnerstag 446 Abgeordnete gegen den Antrag der Grünen-Fraktion, die eine "voreilige" Neuzulassung von Glyphosat durch die EU-Kommission stoppen wollte. 117 Abgeordnete stimmten  für den Antrag der Grünen, drei enthielten sich. Anfang März will die EU endgültig für Europa darüber entscheiden.

Weder die Sorge in Bezug auf Bier ist angemessen, noch bedeutet die Entscheidung des Bundestages, dass Glyphosat harmlos ist. Die Sicherheit des Mittels bleibt umstritten.  

Die Grünen hatten in dem Antrag gefordert, "aus Gründen des vorsorgenden Gesundheits- und Umweltschutzes" einer Neuzulassung von Glyphosat in der EU "zum jetzigen Zeitpunkt nicht zuzustimmen". Außerdem forderten sie die Regierung auf, in Brüssel eine Vertagung der für den 7. und 8. März geplanten Abstimmung zu beantragen. Diese sei voreilig, weil unter Wissenschaftlern immer noch Uneinigkeit über die Gefahren von Glyphosat herrsche und außerdem noch Bewertungen einiger EU-Gremien ausstünden.

Die Zulassung von Glyphosat in Europa läuft Ende Juni aus. Die EU-Kommission will die Zulassung des umstrittenen Pflanzengifts Glyphosat um 15 Jahre verlängern.

Glyphosat ist das deutschland- und weltweit am meisten verkaufte Pestizid und wird sowohl in der Landwirtschaft, als auch in privaten Gärten verwendet. Etwa 40 Prozent der Ackerfläche werde in Deutschland mit glyphosathaltigen Pflanzengiften behandelt, erklärten die Grünen mit Verweis auf Schätzungen des Julius-Kühn-Instituts. Es befinde sich nicht nur im Boden, sondern auch im Wasser und in der Luft und gefährde die biologische Vielfalt in Deutschland.

Derweil hatte das Umweltinstitut in München wenig überraschend Spuren von Glyphosat in ausgewählten Bieren nachgewiesen. Der unabhängige Verein hatte ein Labor beauftragt, die 14 beliebtesten Biersorten Deutschlands auf Rückstände des Mittels zu testen. Das Ergebnis: In allen Proben fanden sich geringe Rückstände, wie ein ebenfalls am Donnerstag veröffentlichter Bericht zeigt.

Der Untersuchung zufolge lagen die Werte in den Stichproben zwischen 0,46 und 29,74 Mikrogramm pro Liter. Damit hätten die Proben den gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm teilweise um fast das 300-fache überschritten, teilte das Institut mit. Dieser Stoff habe "weder im Bier noch in unserem Körper etwas zu suchen".   

Bier sei kein Trinkwasser, sondern ein alkoholhaltiges Genussmittel, entgegnet der Industrieverband Agrar (IVA) und bezeichnet die Studie als "Panikmache". Der Verband beruft sich dabei auf Berechnungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Demnach müsste ein Erwachsener 1.000 Liter Bier am Tag trinken, um die nach aktuellem Stand der Forschung als unbedenklich geltende Aufnahmemenge zu überschreiten. Das für die Einschätzung von Gesundheitsgefahren zuständige BfR teilte in einer ersten Stellungnahme mit, der Nachweis von Glyphosatrückständen in Bier sei aufgrund der zugelassenen Anwendung im Getreideanbau "grundsätzlich" zu erwarten und stelle in den genannten Mengen "nach dem derzeitigen Stand des Wissens" keine Gesundheitsgefahr für erwachsene Menschen dar.