Feuchtigkeit soll so eine Maske spenden. Aber was hinterlässt sie sonst noch in der Haut? © kaethia/photocase.de

Dieser Text ist Teil der Wissen-Serie Kosmetik-Check.

Deo, das die Schweißproduktion hemmt, oder Gesichtscreme, die bräunt – schwer zu glauben, dass Produkte, die chemisch derart auf die Haut wirken, nicht auch Nebenwirkungen haben können. Noch dazu stecken in vielen Sprays, Rollern, Tuben und Tiegeln Konservierungsstoffe, Weichmacher und Trägermittel. Wie verträglich ist all das für die Haut? Wenn diese Stoffe – meist auf Englisch – auf der Inhaltsliste sehen, sollten Sie hellhörig werden:

Aluminium Chlorohydrate gegen den Schweiß

Frischer Schweiß besteht fast nur aus Wasser. Er riecht nach nichts. Doch wenn die Hautbakterien anfangen, die Fettsäuren darin zu zersetzen, entstehen Ameisen- und Buttersäure und es riecht sauer, schlimmstenfalls ätzend oder käsig. Gesellschaftlich ist dieser Geruch eher inakzeptabel, auch wenn Schwitzen den Körper kühlt und der Schweiß auch Pheromone enthält, die unseren Artgenossen subtile Botschaften senden. 

Deo muss also sein. Bestenfalls übertüncht es nicht nur den Schweißgeruch, sondern stoppt auch den Schweißfluss unter den Achseln – dort also, wo besonders viele Drüsen sitzen. Dazu enthalten Deodorants Antitranspirantien, also Stoffe, die den Schweißfluss stoppen. Der Haken: Diese künstlich erzeugte Schweiß-Verstopfung begünstigt Entzündungen in den Achselhöhlen, die oft an den Haarwurzeln entstehen, wenn die Achselhaare zusätzlich rasiert werden. Ein Deo, das "48 Stunden Wirkung" verspricht, hat also auch Schattenseiten.

Besonders umstritten sind Aluminiumsalze. Sie verschließen Kanäle in der Haut, über die der Schweiß nach außen gelangt. Auf der Kosmetikverpackung sind sie zum Beispiel als Aluminium Chlorohydrate ausgewiesen.

Es ist nicht endgültig geklärt, ob sie das Krebsrisiko steigern oder Alzheimer begünstigen. Manche Studien stützen den einen oder den anderen Verdacht, andere nicht. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat festgelegt, dass ein 60 Kilogramm schwerer Mensch nicht mehr als 8,6 Mikrogramm Aluminium pro Tag aufnehmen sollte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellte fest, dass Menschen, die Deos mit Aluminiumsalzen benutzen, diese Grenze überschreiten.

Besonders viel davon nimmt verletzte Haut auf – auch ein Problem nach dem Rasieren. Natürliche Bergkristall- oder Alaun-Stifte sind übrigens keine Alternative: Sie bestehen aus Aluminiumkaliumsulfat, einem Doppelsalz von Kalium und Aluminium. Von Letzterem enthalten sie sogar mehr als synthetisch hergestellte Antitranspirantien.

Da Rückstände von Aluminiumsalzen in Lebensmittelverpackungen oder als Zusatzstoffe im Essen stecken und so auch im Alltag aufgenommen werden, kann die Menge schnell die gesetzten Grenzen überschreiten. Hoch gefährlich ist das das nicht, aber die langfristigen Folgen sind nicht genau bekannt. Viele Hersteller bieten deshalb jetzt Deos ohne Aluminiumsalze an.

Sodium Lauryl Sulfate für mehr Schaum

Zahnpasta, Shampoo, Rasierschaum, Abschminklotion – fast alles, was in Kontakt mit Wasser schäumt, enthält  Tenside. Viele sind überzeugt: Erst der Schaum macht richtig sauber. Und das stimmt. Tenside lösen Schmutz. Fettige Stoffe mischen sich mit ihrer Hilfe mit Wasser. Nach demselben Prinzip befreien etwa auch Waschmittel die Kleidung vom Dreck. Der Schaum hat also eine wichtige Funktion.

Gleichzeitig reizt der Schaum die Haut aber. Tenside sind zwar nur in hohen Konzentrationen ätzend und wir waschen schäumende Kosmetika schnell wieder ab. Doch empfindliche Haut kann unter den etwa als Sodium Lauryl Sulfate gekennzeichneten Tensiden leiden.

Methylparaben oder Ethylparaben gegen Keime

Cremetiegel, in die wir unsere bloßen Finger täglich tunken, sind Nährböden für Keime. Ähnlich sieht es mit Puderquasten, Deo-Sticks oder Lippenstiften aus. Damit Kosmetika nicht schimmeln oder durch Bakterien verunreinigt werden, setzen Hersteller ihnen Konservierungsmittel zu. Ein Beispiel sind Parabene. Weil die meisten Menschen sie gut vertragen und sie sowohl Sporen als auch Bakterien bekämpfen, werden sie häufig eingesetzt.

Allerdings stehen sie unter Verdacht, hormonell auf den Körper einzuwirken. Das haben Tierversuche gezeigt, wobei die nur eingeschränkt auf Menschen übertragbar sind. Schlimmstenfalls könnten Parabene die Fruchtbarkeit von Männern einschränken und männliche Föten in der Entwicklung stören. Bewiesen ist das nicht – doch das heißt eben auch nicht, dass diese Stoffe völlig harmlos sind. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung sind kleinere Dosen wie in Kosmetika kein Problem. Die am häufigsten verwendeten Methyl- und Ethylparabene stuft das BfR als unbedenklich ein.

Harmloser Lippenstift? Was wirklich in unserer Kosmetik steckt © Illustration ZEIT ONLINE/Miles Willis/Getty Images

Ulrike Kallee vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hält dagegen: "Bei den hormonellen Schadstoffen ist es leider genau nicht so, dass es auf die Dosis ankommt. Wichtiger ist das Zeitfenster, wann man mit den Chemikalien in Kontakt kommt, zum Beispiel während der Schwangerschaft." Dass schon geringe Mengen einer Chemikalie, wie etwa Duftstoffe, langfristig Schäden im Körper des ungeborenen Kindes anrichten könnten, vermuten auch Wissenschaftler. Jedoch nur aufgrund von Tierversuchen. Das findet der BUND alarmierend genug und fordert deshalb keine besseren Grenzwerte, sondern dass hormonelle Schadstoffe komplett aus der Produktion und den Produkten verbannt werden.

Manche Chemiker warnen davor, die Parabene zu verteufeln. Würden sie vom Markt genommen, würden entweder neue Konservierungsmittel getestet – was weltweit mehr Tierversuche bedeuten würde –, oder Verbraucher müssten damit leben, dass unzureichend erforschte Alternativen in die Kosmetik gemischt werden. Die könnten weitaus gefährlicher sein.

Paraffinum liquidum für die Geschmeidigkeit

Lippenpflegestifte sollen rückfettend sein, Make-Up und Hautpflege cremig. Dazu enthalten sie Mineralölprodukte wie Paraffine – eine billige Alternative zu Pflanzenölen. Das Problem: Sie legen sich wie ein Film über die Haut und verstopfen die Poren. Langfristig können sie sich im Körper anreichern, womöglich verursachen sie sogar Entzündungen in Organen wie der Leber. Auch Paraffine stehen im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen.

Trotzdem dürfen sie in Kosmetika enthalten sein. Für ihren Einsatz gelten Grenzwerte. Werden diese eingehalten, bestehe kein Risiko für Verbraucher, sagt das BfR.