In Brüssel ist der Katastrophenfall eingetreten, den Feuerwehr, Polizei, Kliniken und Katastrophenschutz in ganz Europa immer wieder proben. Etwa 200 teils schwer verletzte Menschen wurden nach den Anschlägen in Belgien in Kliniken gebracht und behandelt, Menschen mit Schock wurden psychisch betreut und Angehörige informiert. Die wichtigsten Eckpunkte zum Ablauf des Notfallplans:

Mit welchen Verletzungen haben es Ärzte in Brüssel jetzt zu tun?

Vor allem Brandverletzungen, Traumata durch die Detonation und Verletzungen durch umherfliegende Splitter haben die unmittelbar betroffenen Opfer der Anschläge am Brüsseler Flughafen und in der U-Bahn-Station Maelbeek im EU-Viertel davongetragen (was zu den Anschlägen bekannt ist). An beiden Tatorten hatte es jeweils etwa 100 Verwundete gegeben, darunter sehr schwer Verletzte. Ärzte aus einer Klinik in Anderlecht erzählen im belgischen Fernsehen von Patienten, denen die Wucht der Explosion Gliedmaßen abgerissen hätte. Ärzte aus Leuven berichten von Verletzungen durch Nagelbomben.

Wie sind belgische Kliniken vorbereitet?

Es griffen Notfallpläne. Die waren nach Angaben der Gesundheitsministerin Belgiens, Maggie De Block, zuletzt nach den Anschlägen von Paris im November 2015 weiter ausgearbeitet worden. An belgischen Kliniken wurden seither auch gezielt spezielle Terrorszenarien durchgespielt, um den Katastrophenfall mit Ärzten, Rettungskräften und Koordinatoren zu üben.

Am Dienstagmorgen nach den Explosionen entschied das Krisenzentrum, die Verletzten auf 15 Kliniken im Land zu verteilen – nach Leuven, Antwerpen, Limburg und Brüssel. Die Krankenhäuser in der Hauptstadt allein hätten nicht die Kapazitäten, plötzlich so viele Patienten aufzunehmen, hieß es. Das belgische Fernsehen berichtet, auch in Anderlecht würden Opfer der Anschläge behandelt.

Wie wird die Behandlung der Verletzten koordiniert?

Zunächst wurden die meisten der Opfer in ein Militärkrankenhaus in Neder-Over-Heembeek gebracht. Die Klinik im Norden Brüssels, die auch eine auf Brandopfer spezialisierte Station hat, ist darauf ausgelegt, schnell viele Menschen aufzunehmen und deren weitere Behandlung zu koordinieren. In einer großen Notaufnahmehalle wurden die Patienten dort erstversorgt und dann nach Schwere ihrer Verletzungen eingeteilt und teils direkt in andere Kliniken verlegt.

Wir üben unseren Notfallplan regelmäßig, aber eine solche Katastrophe haben wir noch nie erlebt.
Marc Decramer, CEO der Uniklinik Leuven

Elf während der Anschläge verletzte Menschen wurden rasch in die Uniklinik von Leuven gebracht (UZ Leuven). Zwei weitere trafen am Dienstagnachmittag dort ein. Auch dort ist man auf Ausnahmesituationen eingestellt. Zuletzt griff der Notfallplan im Jahr 2012, als ein mit 52 Personen, überwiegend Schülern, besetzter belgischer Reisebus im Sierre-Tunnel verunglückte. Damals wurden 24 teils schwer verletzte Kinder aus Schweizer Kliniken in Krankenhäuser nach Belgien gebracht – auch nach Leuven.

Die aktuelle Situation nach den Anschlägen von Brüssel sei aber deutlich dramatischer, sagte der Leiter Klinik, Marc Decramer. "Das haben wir noch nie gesehen. Wir üben unseren Notfallplan regelmäßig, aber eine solche Katastrophe haben wir noch nie erlebt", sagte er der Tageszeitung De Tijd.