Die Krähenfüße verwandeln sich langsam in einen Canyon. Täglich taucht eine neue Stirnfalte auf. Und die Haut an den Oberschenkeln? Die erinnert schon lange nicht mehr an eine Orangenschale, sondern hat Krater wie die Mondoberfläche. Beim Blick in den Spiegel suchen mit fortschreitendem Alter viele nach Baustellen. Überall sehen sie Makel und Verschleiß und versuchen, den Verfall ihres Körpers zu bremsen. Schon die alten Ägypter mischten sich Masken aus Milch, Öl, Wachs und Kräutern. Wer es schaffte, die Paste sechs Tage auf dem Gesicht zu behalten, sollte von Falten befreit sein.

So viel Zeit ist heute nicht mehr. Dafür überhäufen uns Kosmetikhersteller ständig mit neuen Rezepturen gegen Falten, Cellulite oder Haarausfall. Hilft davon wirklich was? Kann eine Lotion die Haut in wenigen Wochen "spürbar straffen"? Und lässt Koffein Haare sprießen?   

Ewige Jugend gibt's nicht in der Drogerie

Retinol, Hyaluronsäure, Kollagen oder Q10 – davon hat fast jeder durch die Werbung gehört. Sie sind Schlüsselzutaten in vermeintlich revolutionären Gesichtscremes, die Namen wie Youth Code, UltraLift oder Lift Intense tragen. Das Versprechen: Falten gehören der Vergangenheit an. Aus dem Gesicht einer 40-Jährigen wird angeblich das einer 30-Jährigen. Manchmal schon ab der ersten Anwendung. Die Tester sind immer begeistert.

Hyaluronsäure soll die Haut aufpolstern, Kollagen soll das Bindegewebe wiederherstellen und Q10 kann einfach alles, wenn man Werbetexten glaubt: Haut glätten, Herz stärken, Immunsystem fit machen, Fettverbrennung ankurbeln. Retinol soll laut Fachbüchern tatsächlich Falten glätten können und die Zellproduktion in der obersten Hautschicht anregen. Zumindest sollen sich Effekte unter dem Mikroskop zeigen (Der Hautarzt: Kerscher & Buntrock, 2011).

Doch die Falten kommen trotzdem. Das kann keine Creme verhindern. Genauso wenig können Salben knitterige Haut wieder glattbügeln. Das bestätigte eine Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem vergangenen Jahr. Keines der neun getesteten Produkte konnte die Haut sichtbar glätten.

Warum hatten aber die Testerinnen subjektiv den Eindruck, dass ihre Haut straffer wurde? Oberflächlich verbessern die Wirkstoffe tatsächlich den Zustand der Haut. Kurzzeitig sieht es so aus, als würden einige Fältchen verschwinden, weil sich etwa die Hyaluronsäure als feuchtigkeitsspeichernder Film auf die Haut legt. Um aber Altersspuren nachhaltig zu beseitigen, müssten die Wirkstoffe in die Hautschichten dringen, in denen die Falten entstehen. Die liegen tief unter der Oberfläche. Dazu sind sie aber meist nicht in der Lage, weil ihre Moleküle zu groß sind, wie eben im Fall der Hyaluronsäure oder des Kollagens.

Liefern Wissenschaftler doch einmal Beweise, dass Stoffe tief in der Haut wirken können, halten die Studien einer Prüfung nicht stand. Die Hautdurchlässigkeit von Q10 nur an Schweinehaut zu testen, lässt keine Aussage über die Wirkung am Menschen zu (Biofactors: Hoppe et. al., 1999). Im konkreten Fall haben die Forscher zudem mit der Beiersdorf AG zusammengearbeitet. Dem Konzern gehören zahlreiche Produktmarken wie Nivea oder Eucerin. Das Interesse an Wirksamkeit ist also groß. Das heißt nicht, dass die Studie unseriös ist, blind sollte man ihrem Ergebnis aber nicht vertrauen.

Ob Retinol in ausreichender Menge in die Haut eindringen kann, ist umstritten. Falls ja, sollte der Anwender beachten, dass wir über die Nahrung bereits einen großen Teil unseres täglichen Bedarfs abdecken. Das schreibt etwa das Bundesinstitut für Risikobewertung. Kommen dann noch Kosmetika mit Retinol dazu, können Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten. Ein langfristiger Retinolüberschuss kann der Leber schaden und die Haut reizen.

Mit Ausnahme von Retinol, das der Körper aus der Nahrung umwandeln muss, produziert er viele Stoffe ohnehin selbst. Hyaluronsäure etwa kommt in der Haut als Gel vor, in das Teile des Bindegewebes eingebettet sind. Das Bindegewebe wiederum besteht unter anderem aus Kollagen, das die Haut elastisch macht und verhindert, dass sie ausleiert. Außerdem produziert der Körper Q10, da sind sich Forscher ziemlich sicher, allerdings weniger, je älter er wird. Nicht vollständig geklärt ist, was das Enzym im Körper genau macht.