Wie wäre es mit einer Chia Power Bowl zum Lunch? Einen Raw Veggie Kickstarter Drink dazu? Oder lieber einen Energy Boost? Sie wissen gar nicht, was das ist? Macht ja nichts. Lassen Sie es sich von den Herstellern gesagt sein: All das macht fit, schön und schlank. Stichwort: Superfood.

Chia-Samen, Goji- und Açai-Beeren, Quinoa, Gräser und exotische Früchte sollen nicht nur den Alterungsprozess aufhalten. Angeblich machen sie auch gute Laune, verringern das Risiko für Krebs, Alzheimer und Herzkreislaufkrankheiten, senken die Blutfettwerte und stärken das Immunsystem.

Ob Tee, Saft oder Marmelade – in einigen Drogerien und Supermärkten gibt es schon jetzt unzählige Lebensmittel, in denen irgendeine Super-Zutat steckt. Erhältlich sind sie auch als Tabletten oder Nahrungsergänzungspulver. Superfood-Cafés öffnen in Großstädten. In den Buchhandlungen stapeln sich Superfood-Kochbücher.

100 Gramm Açai-Beeren – 16,90 Euro

Der angeblich so fantastische Gesundheitstrip ist teuer. Für 100 Gramm Açai-Pulver zahlen manche 16,90 Euro. Chia-Samen gibt es für 8,99 Euro pro Pfund. Das gute Gewissen hat seinen Preis. Aber was bringt das Wohlfühlessen wirklich?

Auf den Verpackungen vieler Produkte werben Hersteller mit dem Oxygen-Radical-Absorption-Capacity-Wert, kurz ORAC. Der soll zeigen, wie stark Antioxidantien in einem Nahrungsmittel wirken. Diese sollen im Körper freie Radikale bekämpfen und damit die Ursache für Krankheiten und Falten.

Doch der aufgedruckte ORAC-Wert ist nicht aussagekräftig: "Das ist nur ein Reagenzglaswert und der sagt nichts über die Wirkung im menschlichen Körper aus", sagt die Ernährungsmedizinerin Sigrid Röchter, die für die Verbraucherzentrale NRW arbeitet. Zudem ist nicht einmal klar, ob Antioxidantien überhaupt gesundheitsförderlich wirken, geschweige denn, ob die freien Radikale, die sie bekämpfen, uns grundsätzlich schaden. Niemand kann also belegen, was an solchen Gesundheitsversprechen dran ist. Doch es scheint sich zu lohnen, mit ihnen zu werben.

"Essen wie die Ureinwohner Südamerikas"

Dabei ist das verboten, solange der Nutzen nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist. Das besagt die Health-Claim-Verordnung der Europäischen Union. So dürfen Hersteller zum Beispiel nicht damit werben, Cranberry-Produkte würden die Gesundheit des Magens, des Zahnfleisches oder des Herzens schützen. Frauen setzen häufig auf Cranberrys (zu Deutsch: Moosbeeren), um sich vor Blasenentzündungen zu schützen. Doch auch diese Wirkung gegen Bakterien der unteren Harnwege ist nicht belegt – es darf also auch damit nicht geworben werden.

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Superfood-Hype

Ziemlich gutes Marketing

Superfood soll direkt vor Krebs, Diabetes und anderen Leiden schützen. Das sind leere Versprechen, um Produkte zu verkaufen. Was stimmt: Nährstoffe in Obst und Gemüse helfen, Krankheitsrisiken vorzubeugen. Das geht mit heimischen Sorten aber auch.

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Die Beeren sollen uns gesünder, jünger und sogar schlanker machen. Das ist Unsinn. Reich an Nährstoffen sind sie neben Antioxidantien aber schon. Und das ist gut. Allerdings gehen Inhaltsstoffe verloren, je stärker die Beeren verarbeitet sind. Ob Ihnen also 100 Gramm Açai-Pulver für 15 Euro etwas bringt, ist fragwürdig.

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Maca ist das vermeintliche Potenzwunder der südamerikanischen Inka. Der Knolle aus den Anden wird nachgesagt, dass sie sogar bei unerfülltem Kinderwunsch helfen soll. Das ist Quatsch, reich an sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen ist die Wurzel trotzdem.

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Die jungen, grünen Weizenhalme werden oft als Pulver verkauft. In Wasser aufgelöst trinkt man sie als Saft oder im Smoothie. Weizengras beinhaltet Nährstoffe, keine Frage. Allerdings ist die verzehrte Menge meist gering. Es lohnt sich mehr, gleich Obst oder Gemüse zu essen. Angebaut wird das Gras übrigens auch in Deutschland.

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Acerola gilt als Powerobst aus Mittel- und Südamerika. Kaum eine Frucht beinhaltet mehr Vitamin C. Doch so viel kann der Körper davon nicht speichern, viel geht verloren. Das ist nicht schlimm, aber klingt für Werber schlecht. Frisch oder als Saft ist Acerola gut. Doch die Kirsche verdirbt schnell, eignet sich also kaum für den Transport.

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Die meist getrocknet erhältlichen Goji-Beeren sollen das Immunsystem stärken, gegen Sehschwäche wirken. Belege fehlen. Die Beeren sind vitaminreich, Erdbeeren schneiden im Vergleich aber besser ab. Aufpassen muss, wer Blutverdünner nimmt. Die Beeren können gefährlich wechselwirken. Oft sind die Früchte zudem pestizidbelastet.

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Chia-Samen aus Lateinamerika sollen schlank machen. Geht nicht. Die Samen (oft in Puddings oder Getränken verwendet) enthalten aber z. B. die lebensnotwendige Alpha-Linolensäure. Mehr als 15 Gramm Chia pro Tag sind zu viel: Die Samen können zu Verstopfungen führen und mit Arzneien wechselwirken. Bis zu 30 Euro kostet das Kilo.

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In den Cyanobakterien steckt viel Magnesium, Kalzium und Eisen. Spirulina soll Allergien lindern und das Immunsystem stärken. Bewiesen ist das nicht. Veganer holen sich mit der Mikroalge Vitamin B12, das etwa die Blutbildung und das Nervensystem unterstützt und auch in Eiern, Fleisch und Milch enthalten ist.

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Der Moringa-Baum stammt ursprünglich aus der Himalajaregion. In seinen Blättern steckt viel Eisen, Kalzium und Kalium. Das hilft aber nicht, wie oft versprochen, gegen das Altern. Direkt den Blutzucker- und Cholesterinspiegel senken die Blätter auch nicht. Als Kapsel oder Pulver sind sie teuer: pro Kilo mehr als 20 Euro.

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Hersteller versuchen, diese Verbote zu umgehen, indem sie die angeblich positive Wirkung ihrer Produkte umschreiben. "Dieser Smoothie ist eine Quelle von Vitamin C, E und Selen, welche dazu beitragen, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen." Oder: "Essen wie die Ureinwohner Südamerikas", für die "körperliche und geistige Leistungskraft" – und natürlich für eine bessere Stimmung. Die Werbesprüche klingen vielversprechend. Auf den Verpackungen der Smoothies oder Superfood-Pulver steht "Energise", "Antioxidant", "Detox Powder" oder "Super Fruit" – als Inhaltsstoffe werden "Antioxidationsmittel" aufgelistet.

Ohne Zweifel enthalten viele dieser Lebensmittel Vitamine, sind auch reich an Proteinen. Doch werden wir tatsächlich nur dann gesünder und schöner, wenn wir Açai-Beeren essen? "Früchte aus Deutschland können wir saisonal frisch kaufen. Über heimische Lebensmittel bekommen wir den gleichen Nutzen, den wir uns von exotischen Früchten erwarten", sagt der Ernährungsexperte und Leiter des Max-Rubner-Instituts, Bernhard Watzl. "Grundsätzlich kann eine ungesunde Ernährung durch ein paar exotische Früchte nicht wirklich verbessert werden." Zudem enthalten viele Früchte zwar hohe Mengen zum Beispiel an Vitamin C, wie viel der Körper davon aber braucht oder überhaupt aufnehmen kann, ist umstritten.