Depressionen und Angststörungen kosten die Weltwirtschaft jedes Jahr bis zu 1.000 Milliarden oder eine Billion US-Dollar. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Gründe seien vor allem Fehlzeiten und Produktionsausfälle. Gleichzeitig liefert die im Magazin Lancet Psychiatry veröffentlichte Studie Nachweise dafür, dass sich Investitionen in Angebote für psychische Gesundheit in allen Ländern lohnen.

Demnach führe jeder Dollar, der in die Behandlung von Ängsten und Depressionen investiert werde, durch bessere Gesundheit und höhere Arbeitsproduktivität zu einem Gewinn von vier Dollar. Ohne bessere Gesundheitsfürsorge könnten 50 Millionen Jahre Arbeit bis 2030 verloren gehen, rechnet der britische Guardian vor.

Die Studie hat Therapiekosten und Gesundheitsfolgen in 36 Ländern mit schwachem, mittleren und hohen Einkommen für die nächsten 15 Jahre bis 2030 errechnet. Insgesamt werden die Kosten für bessere Therapieangebote auf 147 Milliarden US-Dollar geschätzt. Dem gegenüber steht laut WHO eine Verbesserung der Produktivität um fünf Prozent. Eine bessere Gesundheit erbringe zusätzlich 310 Milliarden US-Dollar Gewinn.

Erstmals erfasse eine Studie nach Angaben der WHO die weltweiten gesundheitlichen und ökonomischen Vorteile von Investitionen in psychische Gesundheit. "Wir wissen, dass Therapien gegen Depressionen und Angstzustände helfen – die neue Studie zeigt nun, dass das auch ökonomisch sinnvoll ist", sagte die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. Nun müsse man Wege finden, den Zugang zu Angeboten für psychische Gesundheit für alle Menschen unabhängig von ihrem Wohnort zu ermöglichen.

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Zahl der Betroffenen steigt

Die Studie wurde anlässlich einer Reihe von Veranstaltungen veröffentlicht, die sich in dieser Woche am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds IWF in Washington mit dem Thema psychische Gesundheit auseinandersetzen. Finanzminister, Entwicklungshilfeorganisationen und wissenschaftliche Experten sollen Wege diskutieren, wie sich bezahlbare Hilfe bei psychischen Krankheiten weltweit umsetzen lassen kann.

Das Thema betreffe nach Ansicht der Weltbank nicht nur die öffentliche Gesundheitsvorsorge, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung. "Wir müssen jetzt handeln, weil sich die Weltwirtschaft die verlorene Produktivität nicht leisten kann", sagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim. Das Thema friste weiterhin ein Schattendasein, obwohl Hunderte Millionen von Menschen rund um den Globus mit psychischen Krankheiten leben würden.

Nach Angaben der WHO steigen weltweit die Zahlen der Betroffenen von psychischen Krankheiten. Zwischen 1990 und 2013 hätte sich die Zahl der Menschen, die an Depressionen und/oder Angstzuständen erkrankten seien, um fast 50 Prozent auf 615 Millionen betroffene Menschen erhöht. Humanitäre Krisen und Konflikte würden den Bedarf an Therapieangeboten zusätzlich erhöhen. In Krisenzeiten seien etwa 20 Prozent der Menschen von Depressionen und Angstzuständen betroffen, schätzt die WHO.

Demgegenüber stehen geringe Investitionen in psychische Gesundheitsfürsorge. Laut dem Atlas für psychische Gesundheit 2014 der WHO gäben die Regierungen im Durchschnitt drei Prozent ihres Gesundheitsbudgets für psychische Gesundheit aus. Einkommensschwache Länder stellten weniger als ein Prozent zur Verfügung, einkommensstarke Länder gäben bis zu fünf Prozent für psychische Gesundheit aus.