Im Skandal um Brustimplantate aus Billig-Silikon hat ein französisches Berufungsgericht die vierjährige Haftstrafe für den Gründer des Herstellers PIP bestätigt. Jean-Claude Mas muss wegen schwerer Verbrauchertäuschung und Betrugs ins Gefängnis. Die inzwischen insolvente Firma Poly Implant Prothèse (PIP) hatte jahrelang Brustimplantate, gefüllt mit Industriesilikon, an Kliniken geliefert.

Weltweit hatten Frauen über 20 Jahre hinweg nach Brustkrebs-Operationen oder im Rahmen einer Brutvergrößerung solche mangelhaften Silikonkissen der Firma PIP implantiert bekommen. Das billige Industrie-Gel bezog das Unternehmen aus Deutschland. Rund 30.000 Frauen waren und sind allein in Frankreich von dem Betrug betroffen, etwa 5.000 in Deutschland. Weltweit erhielten um die 400.000 Patientinnen die Implantate mit der falsch deklarierten Füllung.

Wie gefährlich sind die Implantate?

Teilweise rissen die Implantate nach einigen Jahren und das Gel lief aus. Manche der Frauen waren nach dem Einsetzen der Silikonkissen an Krebs erkrankt. Studien zeigten später, dass dies aber nicht mit den Silikonkissen zusammenhing. Jedenfalls hatten sie kein erhöhtes Krebsrisiko im Vergleich zu Patientinnen mit Implantaten, die den Qualitätsstandards für Medizinprodukte entsprechen.

Nachdem bekannt geworden war, dass von den Implantaten eine Gesundheitsgefahr ausgehen könnte, wurden sie 2010 vom Markt genommen – Behörden empfahlen Betroffenen, die Silikonkissen vorsorglich entfernen zu lassen. Allein in Frankreich kamen mehr als 18.000 Frauen dieser Empfehlung nach. 

PIP-Gründer Mas argumentierte vor Gericht, das verwendete Silikon sei nicht schädlich. "Ich akzeptiere nicht, dass dies als schwere Verbrauchertäuschung gewertet wird", sagte der 76-Jährige, der in Erwartung des Berufungsverfahrens seine Haftstrafe bisher noch nicht antreten musste. Vertreter von Betroffenen reagierten empört auf diese Aussage.

Neben mehreren Tausend Frauen war auch der TÜV Rheinland Nebenkläger in dem Prozess. In erster Instanz waren die Prüfer, die den Produktionsprozess von PIP zertifiziert hatten, als Opfer der Täuschung anerkannt worden. Dies sahen auch andere Gerichte so. Zwar wurde der TÜV in einem Zivilverfahren in Toulon 2013 zunächst zu einer Entschädigung von Opfern verurteilt, dieses Urteil wurde in der zweiten Instanz aber wieder kassiert: Das Prüfunternehmen habe seine Verpflichtungen erfüllt.