Update: Am 18.5. hat die WHO ein Dringlichkeitstreffen zum Ausbruch von Gelbfieber in Afrika einberufen

In Südwestafrika herrscht derzeit der schlimmste Gelbfieberausbruch seit drei Jahrzehnten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht die für solche Situationen üblichen Warnungen aus: Achtung, das Virus könnte sich auf Nachbarländer übertragen! Vorsicht, die Bevölkerung ist nicht ausreichend geschützt! Bitte beachten: Reisen Sie nicht ohne Impfung in die Region!

Zwei Professoren aus Washington aber ist das bedeutend zu wenig. Sie verlangen aktive Maßnahmen und fordern die WHO dazu auf, ein Notfall-Komitee einzuberufen, wie sie nun im Fachmagazin JAMA schreiben (JAMA, Lucey und Gostin, 2016). 
Denn die Gesundheitswissenschaftler Daniel Lucey und Lawrence Gostin sind überzeugt: Die aktuelle Gelbfieber-Epidemie könnte nach Ebola und Zika die nächste globale Gesundheitskatastrophe werden.

Doch wie gefährlich ist das Virus eigentlich? Gibt es keine Therapie, um Kranke zu behandeln? Und wie sicher ist die Impfung? ZEIT ONLINE beantwortet die drängendsten Fragen:

Was ist Gelbfieber genau?

Gelbfieber wird von einem Virus aus der Flavi-Familie ausgelöst, zu der zählen auch Ebola und Zika. Die meisten Menschen, die sich mit dem Virus angesteckt haben, merken es nicht oder kaum. Erste Symptome treten wenn überhaupt nach drei bis sechs Tagen auf. Dazu gehören leichtes Fieber, Schüttelfrost, starke Kopfschmerzen, Müdigkeit, Erbrechen und Schwäche. Zumeist lassen die Beschwerden binnen weniger Tage nach. Schwäche und Müdigkeit allerdings können noch Monate anhalten.

Bei 15 Prozent der Infizierten verläuft die Krankheit bedeutend schwerer. Nach wenigen Stunden bis zu einem Tag tritt starkes Fieber auf, es kann zu Gelbsucht – die Haut wird leicht gelb – sowie Blutungen aus verschiedenen Körperöffnungen bis hin zu Organversagen kommen. Innerhalb von zehn bis 14 Tagen stirbt die Hälfte der Erkrankten an den Folgen des Gelbfiebers, wenn sie keine ärztliche Hilfe bekommt.

Wo kommt der Erreger vor?

Das Virus kommt vor allem in 44 Ländern in den tropischen Regionen Afrikas und Lateinamerikas vor. Jährlich gibt es 84.000 bis 170.000 Fälle und bis zu 60.000 Tote. Das zeigen aktuelle Zahlen der WHO. Ebenso: In den vergangenen zehn Jahren haben sich immer weniger Menschen mit dem Virus angesteckt.

Der aktuelle Ausbruch in Südwestafrika kommt daher in seinem Ausmaß überraschend. Nicht nur haben sich Menschen in Angola angesteckt, auch im Kongo und in Uganda gibt es erste Verdachtsfälle. Insgesamt stehen mehr als 2.250 Menschen in Verdacht, sich mit dem Erreger angesteckt zu haben. Mehr als 290 Menschen sind bis Mitte Mai während der aktuellen Epidemie bereits an den Folgen der Krankheit gestorben.

In Namibia und Zambia gibt es bislang keine bestätigten Fälle. Die WHO fürchtet jedoch, dass sich dies bald ändert: "Namibia und Zambia teilen sich lange, unzureichend bewachte Grenzen mit Angola, weshalb es schwierig wird, die Bewegungen der Bevölkerung zwischen den drei Ländern zu kontrollieren."

Wie breitet sich das Virus aus?

Bekannt ist der Mechanismus von Malaria, Dengue und Zika: Tropenmücken der Gattung Aedes übertragen den Erreger – vor allem die Gelbfiebermücke Aedes aegypti, aber auch Haemagogus- und Sabethes-Arten. Während die Moskito-Weibchen einen Menschen stechen und Blut saugen, nehmen sie das Gelbfieber-Virus auf und tragen es weiter. Mit einem nächsten Stich können sie jemand anderen anstecken.

Es gibt doch eine Impfung – wieso kann sich das Virus da so schnell verbreiten?

Eine Impfung schützt die Masse nur, wenn genügend Menschen immun sind. Das aber ist in Angola nicht der Fall. Nachdem die Behörden seit Dezember 2015 auffallend viele Neuerkrankungen verzeichneten, ist im Februar eine umfassende Impfaktionen in der Provinz Luanda gestartet, Mitte April verabreichten Ärzte und Hilfsorganisationen den Menschen in den Provinzen Benguela und Huambo die Vakzine.

Insgesamt sind damit seit Februar etwa sechs Millionen Angolaner zusätzlich geimpft worden. 1,7 Millionen weitere Infodosen sollen in Kürze eintreffen, weitere 700.000 sind bestellt. Auch das wird nicht reichen. Damit alle Anwohner in betroffenen Gebieten medizinisch geschützt sind, müssten 85 Prozent von ihnen geimpft sein. Die Zahlen unterscheiden sich stark von Region zu Region, selbst innerhalb der Provinzen. In manchen Gebieten Luandas beispielsweise sind weniger als 20 Prozent der Anwohner geimpft, während es andernorts 40 Prozent oder sogar mehr als 90 Prozent sind. Insgesamt aber ist die Impfrate in der Provinz sehr gut: Laut eines Berichts der WHO vom 8. Mai haben dort 92 Prozent der Menschen die schützende Vakzine erhalten.

In Kenia und Kongo sind derzeit bereits Impfaktionen geplant, für die etwa zwei Millionen Impfdosen benötigt werden.