Der Tod dreier Patienten einer alternativen Krebsklinik in Brüggen-Bracht alarmiert Ermittler in Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden. In einer gemeinsamen Erklärung warnen die deutsche und die niederländische Polizei Patienten der Einrichtung: "Wer sich einer Krebsbehandlung dort unterzogen hat, sollte sich in fachkundige Behandlung begeben." Es bestehe derzeit ein konkretes Gesundheitsrisiko, "wenngleich eingehendere medizinische Untersuchungen noch zeigen müssen, was sich genau zugetragen hat".

In der vergangenen Woche waren innerhalb von drei Tagen zwei Frauen und ein Mann gestorben, die in der Praxis in Brüggen-Bracht nahe der niederländischen Grenze behandelt worden waren. Nach Angaben des Kreises Viersen wurde die Praxis bereits Mitte der Woche behördlich geschlossen – "mindestens bis zum Abschluss des eingeleiteten Ermittlungsverfahrens", wie es in einer Mitteilung hieß. Dem Betreiber der Praxis wurde inzwischen untersagt, weiterhin als Heilpraktiker im Kreis Viersen tätig zu sein.

Bei den nach einer angeblich "biologischen" Krebsbehandlung Verstorbenen handelt es sich nach Polizeiangaben um eine 55-jährige Frau aus Belgien sowie einen ebenfalls 55-jährigen Mann und eine 43 Jahre alte Frau aus den Niederlanden. Zudem wurden zwei niederländische Frauen in einem Krankenhaus aufgenommen, die ebenfalls in der Praxis behandelt worden waren. Der Tod der 43-Jährigen am vergangenen Samstag in einem Krankenhaus in Mönchengladbach hatte die Krefelder Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Demnach klagte die Frau zunächst über Kopfschmerzen, war teilweise verwirrt und schließlich nicht mehr ansprechbar.

"Unbegründeter Verdacht"

In der Praxis des Heilpraktikers, die als Klaus-Ross-Zentrum vor allem in den Niederlanden Werbung machte, wurde den Patienten möglicherweise auch der Stoff 3-Bromopyruvat verabreicht. Jedenfalls steht die Substanz als eins der Behandlungsmittel auf der Website des Zentrums. 3-Bromopyruvat ist noch in der Grundlagenerforschung, die Polizei warnt vor der Einnahme und will nun untersuchen, ob die verstorbenen Patienten mit der Substanz behandelt worden sind.

Bereits am Mittwoch hatte sich die Praxis in einer Erklärung auf ihrer Website zum Tod der 43-Jährigen geäußert: Die Einrichtung bedauere den Tod der Patientin, aber auch den "unbegründeten Verdacht", dass die Klinik dafür verantwortlich sein könne. Auch den in der Öffentlichkeit entstandenen Verdacht, dass alternative medizinische Methoden für den Todesfall verantwortlich sein könnten, bedauern die Betreiber des Behandlungszentrums. Das Zentrum selbst wirkt inzwischen verwaist: Tür- und Klingelschilder fehlen, am Eingang ist ein Polizeisiegel angebracht. Ein Zettel weist darauf hin, dass der Praxisbetrieb bis auf Weiteres eingestellt ist.