Es ist zu wenig Geld für gute Pflege da. Davon sind viele Heimbetreiber und Pfleger überzeugt. Dabei haben die Pflegekassen im vergangenen Jahr allein für die stationären Pflegeheime mehr als zehn Milliarden Euroausgegeben. Nochmal so viel zahlten Bewohner und Angehörige privat dazu.Die Kosten schwanken extrem, je nach Region und wie viel Hilfe benötigt wird. Ein Monat Pflege kostet in Deutschland schnell 3000 Euro – das ist mehr, als sich die meisten leisten können. Und doch soll es nicht reichen. Die entscheidende Frage: Wo fließt das ganze Geld hin?

Nur die wenigsten Heimbetreiber machen ihre Ausgaben öffentlich. Vor allem große Konzerne schützen ihre Zahlen. Und auch die verantwortlichen Organisationen können keine Durchschnittswerte nennen. Weder die größte Pflegekasse AOK, noch die privaten Heimbetreiber, der Bundesverband der Freien Wohlfahrtspflege, der Städte- oder der Landkreistag können auf Anfrage mit Zahlen ihrer Heime helfen. So blieb es bislang bei einzelnen Beispielrechnungen.

Einer, der seine Abrechnung öffentlich macht, ist Johannes Paetzold. Sicher, sein Haus im baden-württembergischen Heddesbach ist eine Ausnahme, Paetzold und seine Angestellten versorgen nur 17 Personen. Aber die Preise von Paetzolds Heim – rund 3.100 Euro pro Bewohner und Monat – liegen etwa im bundesweiten Schnitt. Das zeigt eine Analyse der Kosten aller deutschen Pflegeheime durch das gemeinnützige Recherchezentrum correctiv.org.

Also Kassensturz, inklusive unmoralischer Einsparmöglichkeiten für kreative Heimbetreiber:

So verteilen sich die monatlichen Kosten pro Heimbewohner

Beispielrechnung für ein Heim mit insgesamt 17 Bewohnern (davon neun Bewohner mit Pflegestufe 2, fünf mit Stufe 1 und zwei mit Stufe 0 sowie ein Bewohner mit Stufe 3)

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1.600 Euro – Das Pflegepersonal

Der größte Kostenfaktor. Wie viele Pflegekräfte pro Bewohner bezahlt werden, schwankt von Bundesland zu Bundesland. Die Zahl ist in den Landesrahmenverträgen geregelt, die Pflegekassen, Heimbetreiber und Sozialämter miteinander abschließen. Entsprechend groß sind die Unterschiede: Bei Pflegestufe drei, bei den am stärksten hilfsbedürftigen Bewohnern, schwankt der Personalschlüssel zwischen 1,76 und 2,8 Bewohnern, die ein Pfleger betreuen muss. Mit anderen Worten: Ein Heim mit 100 schwer pflegebedürftigen Bewohnern kann sich in Hamburg 57 Pfleger leisten, in Baden-Württemberg 48 und in Schleswig-Holstein nur 36. Deshalb sind Heime in Schleswig-Holstein billiger als in Hamburg. Und die Pfleger gestresster.

Heimbetreiber Paetzold beschäftigt für seine 17 Bewohner sieben Pflegekräfte. Das heißt aber nicht, dass jeder Bewohner zu jeder Zeit eine halbe Kraft für sich beanspruchen kann. Die Pfleger, die pro Jahr etwa 40.000 Euro verdienen, helfen den Bewohnern durch den Alltag, unterstützen beim An- und Ausziehen, Aufstehen, Essen, Toilettengang – rund um die Uhr. In den offiziellen Kalkulationen der Pflegekassen ist der Pflegebedarf mit fünf Stunden berechnet. Diese gilt es über den ganzen Tag zu verteilen. Hinzu kommen Urlaub, Krankheit und Fortbildungen.

So fühlen sich die rund 1.600 Euro, die ein Bewohner anteilig für die Pflegekräfte im Monat zahlt, nicht immer wie 1.600 Euro an.

Unmoralischer Spartipp: Zeitverträge. Es ist möglich, Verträge mit Angestellten über ein oder zwei Jahre zu machen und anschließend eine neue Kraft zu suchen. Bis zur Neubesetzung dauert es oft Monate. So sparen Betreiber jedes Mal ein paar tausend Euro. Bei einem Großkonzern mit 15.000 Pflegeplätzen sind das schnell Millionen.