Ein Ausbruch von Cholera im Jemen gefährdet zahlreiche Kinder in dem Bürgerkriegsland. Das berichtet die Kinderhilfsorganisation Unicef. Erste Fälle der Erkrankung wurden bereits aus der Hauptstadt Sanaa und der Stadt Taes gemeldet, teilte Unicef mit. Durch den Bürgerkrieg sei das Gesundheitssystem zusammengebrochen und Kinder deshalb besonders gefährdet, sagte Unicef-Experte Julien Harneis.

Wenn Cholera nicht behandelt wird, droht 15 Prozent der Erkrankten binnen weniger Stunden der Tod, warnte die Organisation. Cholerabakterien werden über mit Fäkalien verseuchtes Trinkwasser übertragen, sie lösen bei den Infizierten starken Durchfall aus.

Im Jemen ist die Lage der Kinder durch den anhaltenden Bürgerkrieg bereits miserabel. 1,5 Millionen leiden an Mangelernährung, 370.000 seien schwer unterernährt. Durch das bereits angeschlagene Immunsystem sind die Kinder laut Unicef besonders anfällig für eine Infektion mit Cholera.

In dem Bürgerkrieg kämpfen seit September 2014 Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi, gegen vom Iran unterstützte schiitische Huthi-Rebellen und andere Gruppen um die Vorherrschaft im Jemen. Die Huthis hatten Anfang 2015 die im Norden gelegene Hauptstadt Sanaa und andere Städte erobert und Hadi zur Flucht nach Saudi-Arabien gezwungen.

Seit März 2015 fliegt ein von Saudi-Arabien angeführtes arabisches Militärbündnis Luftangriffe auf die Rebellen. Seither wurden nach Schätzungen der Vereinten Nationen (UN) mehr als 6.700 Menschen getötet, drei Millionen Menschen sind auf der Flucht. Die Regierungstruppen konnten die schiitischen Rebellen im Sommer aus Aden und vier weiteren Provinzen im Süden des Jemen zurückdrängen. Die Huthis halten jedoch weiter Sanaa und weite Landesteile im Norden. Vermittlungsversuche der UN führten bislang nicht zu einer Befriedung des Landes.