Ein Medikament, das die Symptome von Alzheimer verlangsamen sollte, ist in einer großangelegten Studie des Pharmakonzerns Eli Lilly durchgefallen. Der US-Pharmakonzern gab bekannt, dass das Mittel mit dem Namen Solanezumab in einer großangelegten Phase-3-Studie den Gedächtnisabbau nicht signifikant verlangsamt gegenüber der Placebo-Gruppe. Untersucht wurde der Wirkstoff bei Menschen mit einer leichten Alzheimer-Demenz. Der Anti-Amyloid-beta-Antikörper scheint somit bei mildem Alzheimer nicht wirksam zu sein.

Der Pharmakonzern kündigte daher an, in den USA keine Genehmigung der Arznei zu beantragen. Die nächsten Schritte für eine weitere Entwicklung von Solanezumab stünden noch nicht fest. Manche Analysten hatten dem Medikament Spitzenumsätze von mehr als fünf Milliarden Dollar jährlich zugetraut. Lilly rechnet für das vierte Quartal nun mit einer Sonderbelastung von 150 Millionen Dollar.

An der Studie, die zu dem negativen Ergebnis kam, nahmen laut dem Konzern über 2.100 Studienteilnehmer mit leichter Alzheimer-Demenz teil. In sogenannten Expedition-3-Studien wie dieser wird ein Medikament auf mehrere Monate oder Jahre bei einer großen Anzahl von Personen getestet. Sie ist die dritte von vier Phasen, bevor ein Medikament auf den Markt kommen kann.


Pharmaexperten sagten, dass Lillys Rückschlag zwar bitter für die Forschung auf diesem Gebiet sei, andere Therapieansätze jedoch funktionieren könnten. Stefan Remy, Leiter der Abteilung Neuronale Netze am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn, sagte: "Dieses Ergebnis der Expedition-3-Studie ist sicherlich ein herber Rückschlag im Hinblick auf die Entwicklung neuer Therapien, die auf eine Reduktion des Amyloid beta im Gehirn von Patienten zielen."

Die Grundlagenforschung müsse weiter vorangetrieben werden, "um sowohl neue als auch bekannte Krankheitsmechanismen zu verstehen." Remy sagte weiter "Im Lichte der Ergebnisse dieser Studie ist es sicherlich nicht hilfreich, die Reduktion von Amyloid beta als alleiniges, therapieorientiertes Forschungsziel zu definieren."

Sein Münchener Kollege Christian Haass erwartet auch in Zukunft Rückschläge bei der Alzheimer-Forschung. "Leider werden wir in der Alzheimer-Forschung wohl noch oft mit negativen Studienergebnissen konfrontiert werden, aber mit jeder wird man auch Neues dazulernen." Die Alzheimer-Krankheit breitet sich rasant aus. Bei den Betroffenen sammeln sich Eiweißklumpen im Gehirn an, die die Nervenzellen schädigen.