Kalifornier dürfen jetzt auch zur Entspannung kiffen. Das haben die Wähler im bevölkerungsreichsten US-Staat am 8. November beschlossen. Mit knapp 55 Prozent wurde der Volksentscheid zur kompletten Legalisierung von Cannabis angenommen. Die Droge ist künftig ein legales Genussmittel. Der Staat will Anbau und Verkauf regulieren, kontrollieren und besteuern. Auch in Deutschland wünschen sich immer mehr Menschen, dass Cannabiskonsum nicht mehr strafbar ist. Was würde eine Legalisierung bedeuten?

Niederländer kiffen auch nicht mehr

Bislang gibt es keine Studien, die zeigen, dass mit der Legalisierung mehr Menschen kiffen – wenngleich sich kleine Anstiege im Konsum abzeichnen. Wie im Bundesstaat Colorado, der Cannabis 2014 legalisierte. Dort stieg der Konsum nur leicht, wie ein Bericht der Drogen- und Kriminalitätsabteilung der UN zeigt. In anderen Bundesstaaten, die Cannabis legalisiert haben, zeigt sich ein ähnliches Bild.

Ein Argument der Cannabisgegner ist, dass die Hemmschwelle zum Kiffen sinkt, wenn es nicht mehr strafbar ist. Befürworter der Legalisierung deuten auf die Niederlande: Dort ist der Verkauf kleiner Mengen schon seit 1976 erlaubt. Im Vergleich zu anderen Ländern ist der Anteil kiffender Menschen an der Gesamtbevölkerung nicht höher.

Ebenfalls die UN stellen in einer Karte dar (hier zu sehen), dass acht Prozent der niederländischen Bevölkerung Cannabis konsumieren. In Deutschland kiffen 4,5 Prozent. In Italien (rund neun Prozent) und Frankreich (rund elf Prozent) gibt es aber anteilig mehr Kiffer, obwohl diese Länder strengere Cannabisgesetze haben. Und in Uruguay, wo sogar Anbau, Verkauf und Besitz legal sind, kifft mit rund neun Prozent ein ähnlich kleiner Teil der Bevölkerung wie in den Niederlanden.

Als Arznei scheint Cannabis ebenfalls nicht verlockender zu werden: Die Langzeitstudie Monitoring the Future der University of Michigan zeigte etwa, dass Jugendliche nicht mehr konsumierten, nachdem die Droge in vielen US-Staaten zu medizinischen Zwecken freigegeben war.

Cannabis ist keine Einstiegsdroge

Die Niederlande sind noch in anderer Hinsicht ein Positivbeispiel, um Argumente der Legalisierungsgegner zu entkräften: Dort konsumieren die Menschen nicht deutlich mehr harte Drogen, seit Kiffen legal ist. Das spricht dagegen, dass Konsumenten von Marihuana schnell auf Kokain oder Heroin umsteigen.

"Drogenhändler wollen natürlich immer, dass die Leute Substanzen nehmen, die stärker abhängig machen und größeren Profit bringen als eine Droge wie Cannabis", sagt David Nutt, Professor für Neuropsychopharmakologie am Imperial College in London. Die Befürchtung ist, dass sie Konsumenten zu härteren Drogen verleiten könnten. Dadurch habe Cannabis auch seinen Ruf als Einstiegsdroge erworben, sagt Nutt. "Das niederländische Coffeeshop-Modell wurde im Wesentlichen eingeführt, damit die Bevölkerung nicht in Kontakt mit Dealern treten muss." 

Kiffen hat Risiken

Delta-9-Tetrahydrocannabinol, besser bekannt als THC, ist der Hauptwirkstoff in Cannabis. Nach derzeitigem Stand hat er ein vergleichsweise geringes Suchtpotenzial. Rund neun Prozent der Konsumenten werden langfristig psychisch abhängig. Eine körperliche Abhängigkeit ist sehr selten. Nikotin aus Tabak macht dagegen rund 68 Prozent der Raucher auf lange Sicht süchtig. Kokain kommt auf 21 Prozent und selbst Alkohol hat mit 23 Prozent ein mehr als doppelt so hohes Abhängigkeitspotential wie THC (National Center for Biotechnology Information (NCBI): Lopez-Quintero et al., 2011).

Menschen, die Cannabis in einem Joint mit Tabak mischen, erhöhen ihr Risiko an Krebs zu erkranken. Das liegt jedoch vor allem am Tabak.

© Christopher Furlong/Getty Images
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Legal oder nicht, viele Leute kiffen. Sie sollten die Risiken wenigstens gut kennen. 12 Hinweise für den Konsum und was Sie lassen sollten.

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ZEIT ONLINE arbeitet mit dem Global Drug Survey zusammen, der weltweit größten Umfrage unter Drogennutzern. Fast 40.000 Cannabiskonsumenten gaben an, wie sie negative Folgen zu verringern versuchen. Zusammen mit Suchtexperten sind daraus Tipps zum Gebrauch entstanden.

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#1 – Nicht anfangen

Ohne Risiko

Jede Droge schadet, Cannabis ist keine Ausnahme. Trotzdem ist Gras der am häufigsten konsumierte verbotene Stoff. Nur zu sagen, dass man es besser lassen sollte, schreckt nicht alle ab. Sicher kiffen? Unmöglich. Weniger schädlich geht aber schon.

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