In mehreren US-Bundesstaaten haben die Bürger nicht nur einen neuen Präsidenten gewählt, sondern auch für eine gelockerte Drogenpolitik gestimmt. Die Staaten Florida, Arkansas und North Dakota legalisierten weitgehend den Konsum von Cannabis zu medizinischen Zwecken. Kalifornien, Nevada und Massachusetts votierten dafür, Marihuana generell zum Freizeitgebrauch zu erlauben.  

Damit ist Marihuana künftig in mindestens acht der 50 US-Staaten generell erlaubt. In den vergangenen Jahren wurde es bereits in Alaska, Colorado, Oregon und Washington sowie im Bezirk der Bundeshauptstadt Washington zugelassen. Der Einsatz der Droge in der Medizin ist bislang bereits in 25 Staaten erlaubt. Beobachter erwarten, dass mit der Freigabe von Cannabis im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat Kalifornien auch eine US-weite Legalisierung näher rückt – ein Milliardengeschäft.

Nach einer Umfrage des Gallup-Instituts sind 60 Prozent der US-Amerikaner für die Freigabe von Cannabis – der höchste Zustimmungswert seit 47 Jahren.

Die New York Times zitierte den demokratischen Abgeordneten aus Oregon Earl Blumenauer mit den Worten, dass die Entscheidung der Wähler den Druck auf die Bundesregierung erhöhen werde, Cannabis wie Alkohol zu behandeln und es jedem Staat selbst zu überlassen, wie der Umgang damit zu regeln sei. "Die neue Administration wird den unproduktiven Krieg gegen Drogen nicht fortführen wollen", sagte Blumenauer.

Gesundheitsexperten warnen jedoch, dass insbesondere die Langzeitfolgen von Cannabis, insbesondere für die Gehirnentwicklung von jungen Menschen, nicht ausreichend erforscht sei und die Behörden keine verlässlichen Messinstrumente hätten, um eine eingeschränkte Fahrtüchtigkeit von Autofahrern aufgrund von Cannabis zu kontrollieren.  Auch Kritiker mahnen, wegen der Legalisierung von Cannabis in mehr als 25 Bundesstaaten sei die Ansicht weit verbreitet, dass Cannabis gesund sei. 

Weitere Referenden zu Todesstrafe, Waffenrecht und Kondompflicht in der Pornobranche

Insgesamt hatten die US-Bürger in mehr als 150 Referenden über Gesetzesinitiativen zu den unterschiedlichsten Themen zu entscheiden. So wurde in Kalifornien ein Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe abgelehnt. Dagegen wurde dort eine andere Initiative von den Wählern gebilligt, die darauf abzielt, den Vollzug der Todesstrafe zu beschleunigen.

Die Todesstrafe ist im bevölkerungsreichsten US-Staat seit zehn Jahren nicht mehr vollstreckt worden. Doch sitzen dort 740 verurteilte Häftlinge in den Todestrakten – mehr als in jedem anderen Bundesstaat. Auch in Nebraska und Oklahoma wurde über die Todesstrafe abgestimmt. In Nebraska stimmten die Wähler dafür, die dort im vergangenen Jahr abgeschaffte Todesstrafe wieder einzuführen. In Oklahoma votierten sie dafür, die Todesstrafe verschärft anzuwenden, indem sie in der Verfassung des Bundesstaates verankert wird.

In Colorado wiederum wurde eine Gesetzesinitiative gebilligt, wonach künftig die medizinische Sterbehilfe bei tödlich erkrankten Patienten in der Endphase ihres Lebens erlaubt sein wird. Ähnliche Gesetze sind bereits in den Staaten Kalifornien, Montana, Oregon, Vermont und Washington in Kraft.

In anderen Referenden ging es um das Waffenrecht. In Kalifornien, das schon bislang eines der striktesten Waffenrechte des Landes hat, stimmten die Wähler dafür, dass künftig auch für den Erwerb von Munition eine Überprüfung des Käufers auf mögliche Vorstrafen erforderlich ist. In Nevada wurde eine Gesetzesinitiative gebilligt, die eine solche Prüfung vor dem Kauf von Waffen vorschreibt.

Ein weiteres Referendum in Kalifornien betraf die Pornobranche. Der Antrag, Sexdarstellern die Verwendung von Kondomen vorzuschreiben, scheiterte jedoch.