Über infizierte Wildvögel hatte die für Hausgeflügel besonders aggressive Vogelgrippe-Variante vom Typ A/H5N8 vor einigen Wochen schon Deutschland erreicht. Sie hatte sich zuvor global von Südkorea über Russland und Osteuropa bis zu uns ausgebreitet. Jetzt hat sich der Verdacht bestätigt, dass das Virus Tiere eines Putenmastbetriebs im westniedersächsischen Barßel infiziert hat.

Der Bestand im Landkreis Cloppenburg mit rund 16.000 Tieren sei tatsächlich von H5N8-Viren befallen, teilte das Agrarministerium in Hannover nach weiteren Tests mit. Bereits am Mittwoch hatten die Behörden angeordnet, die Tiere vorsorglich zu töten.

In der Region gibt es zahlreiche Geflügelbetriebe mit Millionen Tieren. Ob die Vögel zweier benachbarter Betriebe ebenfalls gekeult werden, stehe noch nicht fest, sagte der Sprecher des Landkreises. Betroffen wären rund 92.000 Tiere.

"Wir tun alles, damit sich das Virus nicht noch weiter ausbreitet", sagte der Sprecher. In einem Radius von mindestens drei Kilometern um den Betrieb werde wegen des Falls ein Sperrbezirk eingerichtet. Das darum liegende Gebiet mit einem Radius von mindestens zehn Kilometern werde zum Beobachtungsgebiet.

In beiden Gebieten gelten besondere Auflagen für Tierhalter. Sie dürfen Vögel und Säugetiere nicht aus ihren Betrieben wegbringen oder neue Tiere hinzunehmen. Auch Fleisch von Geflügel und Federwild, Eier sowie tierische Nebenprodukte wie Mist und Gülle müssen im jeweiligen Unternehmen bleiben.

Wie genau sich die Nutztiere mit dem Erreger angesteckt haben, bleibt unklar. "Es gibt keine Hinweise darauf, wie das Virus in den Stall gekommen ist", sagte Beumker. Zum wirtschaftlichen Schaden konnte er keine Angaben machen. "Die Auswirkungen sind uns im Einzelnen noch nicht bekannt."

Seit Anfang November häufen sich Fälle von Geflügelpest in Deutschland. Europaweit wurden aus mindestens sieben Ländern Geflügelpestnachweise bei Wildvögeln oder in Geflügelbeständen gemeldet. Der Erreger ist für Menschen bislang ungefährlich, aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel. Erstmals war die H5N8-Variante der aktuellen Epidemie in Deutschland am 8. November bei verendeten Wasservögeln in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden.

Das zuständige Friedrich-Loeffler-Institut für Tierseuchen informiert regelmäßig über den Stand der Ausbreitung der Vogelgrippe in Deutschland. Eine Karte zeigt die Orte, an denen infizierte Wildvögel gefunden wurden oder Geflügel betroffen war.