Sie leiden unter einer fortschreitenden, unheilbaren Krankheit, haben jeden Tag starke Schmerzen. Ihre Lebensqualität ist erheblich eingeschränkt. Kein Schmerzmittel schlägt an. Dann sagt Ihr Arzt: Cannabis könnte helfen. Doch jetzt wird es kompliziert: Wer schwer krank ist, kann die Droge in Deutschland zwar legal bekommen, wenn ein Arzt sie verschreibt und ein Apotheker verkauft. Aber sie ist sehr teuer. 

Von Schwarzmarktpreisen von 10 Euro pro Gramm ist Cannabis als Arznei weit entfernt. Eine Monatsration kann bis zu 1.800 Euro kosten. Die Kosten muss der Patient fast immer selbst tragen. Obwohl Studien schon lange belegen, dass Wirkstoffe der Droge die Symptome verschiedener schwerer Krankheiten lindern können, müssen Krankenkassen nicht dafür aufkommen. Bis jetzt. 

Ein neues Gesetz wird Cannabis nun endlich von einem Medikament für Reiche zu einem für alle machen – oder zumindest für all die, die es dringend brauchen. Künftig müssen die Kassen die Kosten übernehmen, wenn einem Kranken nichts anderes mehr hilft. Außerdem entscheiden künftig allein Ärzte, ob ein Patient Cannabis bekommen darf. Bislang konnten sie zwar Cannabispräparate nach eigenem Ermessen verschreiben. Damit ein Patient Medizinalhanf in der Apotheke kaufen durfte, musste er sich aber eine staatliche Sondergenehmigung besorgen. Dieser bürokratische Aufwand fällt jetzt weg.

Der Entwurf lag Monate herum

Ein guter, wichtiger Schritt, der lange überfällig war. Unverständlich ist, warum die Bundesregierung eigentlich so lange dafür gebraucht hat. Denn es stand gar nicht mehr zur Debatte, ob Cannabis zur Therapie zugelassen werden darf. Es war längst im Einsatz. Der Bund hat sich lediglich Zeit damit gelassen, die Droge offiziell als Medikament anzuerkennen, und hat damit ein Mittel, das nachweislich starke Schmerzen lindern kann, unnötig schwer zugänglich gemacht.

Den Entwurf für die Neuregelung hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) schon vor Monaten vorgelegt. Seit zwei Jahren verspricht die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler (CSU), den Zugang zu den getrockneten Blüten und Präparaten in Form von Tabletten oder Tropfen zu erleichtern. Für die Politiker mag sich die verstrichene Zeit nicht lang anfühlen.

Das zögerliche Vorgehen hat aber das Leiden vieler Menschen unnötig verlängert. Denn dass der Bedarf an Cannabis als Medikament hoch ist, zeigte sich, als die bisherige Regelung in Kraft trat – die Nachfrage stieg stark. Doch wie viele Schwerkranke sich medizinisches Cannabis jahrelang nicht leisten konnten und illegal beschaffen mussten, hat niemand gezählt. Patienten konnten zwar einen Antrag auf Rückerstattung der Kosten stellen, doch damit kamen sie bei ihren Krankenkassen selten durch.

Für Schwerkranke wird es günstiger und einfacher

Einem Menschen muss es sehr schlecht gehen, um überhaupt Cannabis zu therapeutischen Zwecken konsumieren zu dürfen. Und dann muss er es sich noch leisten können. Multiple Sklerose ist die einzige Krankheit, für die Kassen bisher Cannabispräparate bezahlt haben.

Das neue Gesetz macht es nun auch für andere für Patienten nicht nur günstiger, sondern auch einfacher, Cannabis zu bekommen. Sie können nicht mehr für den Besitz bestraft werden. Wer bisher keine Genehmigung hatte, trotzdem aus Krankheitsgründen kiffte und mit Cannabis erwischt wurde, musste mit einer Anzeige rechnen. Das Rezept vom Arzt verhindert das künftig.