Ernährung - Nur lecker war gestern Alle drei Jahre veröffentlichen Techniker Krankenkasse und foodwatch eine Studie zu den Essgewohnheiten der Deutschen. Die haben sich teilweise deutlich verändert, wie die aktuelle Fassung belegt. © Foto: ZEIT ONLINE

Das Bewusstsein der Deutschen für eine gesunde Ernährung wächst. Das geht aus einer Studie hervor, die die Techniker Krankenkasse (TK) und die Organisation foodwatch in Auftrag gegeben haben. Danach antworteten 45 Prozent der Befragten auf die Frage, worauf es ihnen bei ihrer Ernährung ankommt, dass sie vor allem gesund essen möchten. Damit steht laut der Studie Iss was, Deutschland? (hier zum Download als PDF) erstmals das Kriterium "gesund" vor "lecker" (41 Prozent). Allerdings verliere auch das Kriterium "kalorienarm" an Bedeutung.

Mario Tama/Getty Images
Low Carb? Low Fat? Fasten?

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Jeder fünfte in Deutschland ist adipös, hat also einen Body-Mass-Index über 30. Das Geschäft mit Diäten läuft gut. Aber was bringen sie?

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Hilft Übergewichtigen eine Diät überhaupt?

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Richtig. Wer zu viel wiegt, kann mit einer Diät schon abnehmen. Das Problem: Die wenigsten schaffen es, konsequent zu verzichten und anschließend auch noch ihr Gewicht zu halten. Deshalb macht längst nicht jede Maßnahme Sinn.

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Warum nehmen wir zu?

Der Körper ist auf Fett programmiert

Früher war die Fettreserve ein Vorteil in schlechten Zeiten. Heute verbrauchen wir die Polster nicht mehr, weil wir fast immer und überall Essen bekommen. Gerät das außer Kontrolle, nehmen wir zu. Ab einem Body-Mass-Index von 30 wird es kritisch.

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BMI = Körpergewicht (in Kilogramm) durch die Körpergröße (in Metern) zum Quadrat

Body-Mass-Index (BMI) – was ist das?

Ein BMI von 17,5 bis 25 gilt als normal. Werte ab 25 stehen für Übergewicht, ab 30 für Adipositas.

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Falsch. Ein hoher BMI steht nicht immer für Übergewicht. Große und muskulöse Personen macht der Index leicht übergewichtig, kleine untergewichtig. Viele Experten raten deshalb den Bauchumfang zu messen. Männern empfehlen sie maximal 94 Zentimeter, Frauen 80 Zentimeter. Dennoch: Ab einem BMI von 30 steigt das Krankheitsrisiko.

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Dazu passt, dass sich knapp die Hälfte der Befragten selbst angibt, Übergewicht zu haben. Acht Prozent bezeichnen sich sogar als stark übergewichtig. Die Gesundheitspsychologin Annegret Flothow von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg führt das darauf zurück, dass häufig die Zeit für den Einkauf und die Zubereitung von frischen Lebensmitteln fehle. Die Menschen griffen dann aus Bequemlichkeit zu Fertiggerichten oder Snacks, die häufig zu viel Fett, Salz oder Zucker enthalten. Dabei ließen sich durch die Ernährung viele Risikofaktoren reduzieren, erläuterte sie auf einer Pressekonferenz, auf der die TK die Studie vorstellte.

Ein Biochemie-Studium für den Supermarkt-Einkauf?

An mangelndem Wissen scheint das nicht zu liegen: Nur ein Viertel der Befragten gab an, nicht genug über gesunde Ernährung zu wissen. Dennoch forderte Oliver Huizinga von der Organisation foodwatch während der Präsentation der Studie bessere Verbraucherinformationen. Er warf der Bundesregierung vor, es fehle "offensichtlich an dem politischen Willen, sich mit der Branche anzulegen". Die gesunde Wahl werde unnötig schwer gemacht. Ein Großteil der Erfrischungsgetränke sei überzuckert, die Kennzeichnung von Fett, Zucker und Salz sei eine Zumutung, und selbst Süßigkeiten würden wie gesunde Produkte beworben. "Das ist kein Bildungsproblem, sondern ein Problem des Angebots, das die Lebensmittelwirtschaft uns vorsetzt", sagte Huizinga.  

Auch TK-Chef Jens Baas sieht Industrie und Politik in der Pflicht: "Wenn ich für den Besuch im Supermarkt ein Biochemie-Studium benötige, um Zucker in der Zutatenliste überhaupt identifizieren zu können, wenn ich Licht und Lupe brauche, um diese Liste lesen zu können, läuft etwas falsch." Das Problem sei nicht, ob vegetarische Produkte Wurst oder Frikadelle heißen dürften, sondern ob der Verbraucher wisse, was an Zusatzstoffen in seiner "vermeintlich gesunden Alternative" steckt.

Jüngere werfen mehr Essen weg

Die Studie zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. So herrscht bei Jüngeren eine vergleichsweise starke Wegwerfmentalität. Bei 14 Prozent der 18- bis 25-Jährigen landet häufig oder sogar sehr häufig Essen im Müll. Nur jedem Zweiten aus dieser Altersgruppe passiert das selten oder nie. Bei den Älteren ab Mitte 60 entsorgen dagegen 86 Prozent selten oder nie Lebensmittel in den Müll. Insgesamt wirft mehr als jeder dritte Deutsche regelmäßig Lebensmittel weg.