Weniger Lust zu kochen und mehr Hunger auf Fertiggerichte: In den meisten deutschen Haushalten muss die Zubereitung von Essen schnell und einfach gehen. Das zeigt der Ernährungsreport 2017, der vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorgelegt worden ist und für den etwa 1.000 Bürger zu ihren Ess- und Einkaufsgewohnheiten befragt wurden. Demnach stellen sich nur noch 39 Prozent der Verbraucher täglich an den Herd. Elf Prozent der Befragten kochen überhaupt nicht.

55 Prozent der Befragten wünschen sich eine einfache und schnelle Zubereitung von Gerichten – zehn Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Bei den 19- bis 29-Jährigen sind es sogar 72 Prozent. Unkompliziertes Kochen ist vor allem Frauen wichtig. 63 Prozent von ihnen muss es beim Zubereiten schnell gehen; nur 46 Prozent der Männer ist das wichtig.

Schnell und einfach zubereitet sind vor allem Tiefkühlpizzen und andere Fertigprodukte, die sich 41 Prozent der Befragten gern regelmäßig in den Ofen schieben. Ein Anstieg um neun Punkte im Vergleich zum Vorjahr. Bei den 14- bis 18-Jährigen liegt der Anteil bei 54 Prozent, bei den 19- bis 29-Jährigen gar bei 60 Prozent.

Fleisch darf mehr kosten

Das Lieblingsessen der Verbraucher hierzulande bleibt der Umfrage zufolge Fleisch. 53 Prozent essen am liebsten Fleischgerichte – gefolgt von Nudelvariationen, die mehr als jeder dritte Verbraucher am liebsten zu sich nimmt. Platz drei belegen Gemüsegerichte vor Mahlzeiten mit Fisch.

Kommt das Lieblingsgericht Fleisch auf den Tisch, wäre ein Großteil bereit, einen höheren Preis für bessere Tierhaltung zu zahlen. Die befragten Verbraucher interessierten sich für die Tierhaltung, 87 Prozent von ihnen wünschen sich eine bessere Haltung und 82 Prozent wollen dabei mehr Transparenz. Zum Beispiel durch Siegel oder Label. Artgerechte Tierhaltung ist Frauen wichtiger als Männern. Gut jede zweite schaut der Umfrage zufolge beim Einkauf auf Tierwohllabel, bei Männern sind es 40 Prozent.

Beim Kauf von Lebensmitteln zählt vor allem der Geschmack (97 Prozent), danach geht es den Verbrauchern um die regionale Herkunft (73 Prozent) und den Preis (57 Prozent). Die meisten kaufen den Großteil ihrer Lebensmittel im Supermarkt. In große Lebensmittelmärkte zieht es 62 Prozent der Befragten und damit drei Prozent mehr als vor einem Jahr. 43 Prozent gehen zum Discounter, lediglich sechs Prozent in den Bioladen. Viele nutzen ihr Smartphone als Einkaufshelfer. 17 Prozent etwa greifen auf Apps zurück, beispielsweise um Einkaufslisten zu erstellen und sich nicht mehr in Papierform dabei haben zu müssen.

Brot von Zuhause statt Kantine oder Imbiss

Dabei setzen Berufstätige eher auf Mitgebrachtes von zu Hause als auf Essen aus der Kantine. Der Umfrage zufolge nehmen sich 57 Prozent der Befragten täglich oder sehr häufig Essen von zu Hause mit zur Arbeit. Nur jeder fünfte Arbeitnehmer verbringt seine Mittagspause regelmäßig in der Kantine. Beim Bäcker oder am Imbiss holen sich 15 Prozent etwas zu essen. Ins Restaurant schaffen es während der Mittagspause nur fünf Prozent. Komplett ohne Mittagessen hält es dagegen fast jeder Fünfte aus – 18 Prozent gaben an, die Mittagspause ganz ausfallen zu lassen oder nichts zu essen.

Die Mittagspause außer Haus lassen sich Verbraucher durchschnittlich 6,20 Euro kosten. Männer geben demnach mit 6,80 Euro etwas mehr aus als Frauen, die auf 5,40 Euro kommen. Am meisten zahlen Schüler mit 7,80 Euro pro Mittagessen. Studierende geben 4,90 Euro aus.

Neues Schulfach "Ernährung"

Die Qualität von Mahlzeiten in Kitas und Schulen ist den Verbrauchern laut der Umfrage wichtig. 90 Prozent sprachen sich für verbindliche Standards hierfür aus. 80 Prozent forderten, das Essen in solchen Einrichtungen steuerlich zu begünstigen. Zudem finden 89 Prozent der Befragten es wichtig oder sehr wichtig, dass Kinder bereits in der Grundschule Grundlagen einer gesunden Ernährung erlernen. "9 von 10 Deutschen sehen Ernährungsunterricht auf der gleichen Stufe wie Deutsch, Mathe und Physik", sagte Ernährungsminister Christian Schmidt bei der Vorstellung des Reports. Er sei bereits mit den Ländern im Gespräch, um sein Anliegen eines Schulfachs "Ernährungsbildung" voranzutreiben.

Ernährung - Wie wir das Essen in der Kantine auswählen