Wenn Babys Zähne bekommen, tut das oft weh. Dagegen sollten die Globuli helfen. Zumindest waren die Eltern der nun toten Kinder davon überzeugt, als sie ihnen die homöopathischen Zuckerkügelchen aus der Drogerie verabreichten. Jetzt warnt die US-Arzneimittelsicherheitsbehörde FDA vor den "Teething Tablets". Nicht wegen ihrer nachgewiesen Unwirksamkeit – höchstens ein Placeboeffekt kommt infrage (ein Dossier zur Homöopathie finden Sie hier). Sondern weil die Globuli ein hohes Level an Wirkstoffen der Schwarzen Tollkirsche enthielten. Und die ist giftig.

Die FDA hatte die Tabletten im Zusammenhang mit dem Tod von zehn Kleinkindern untersucht, die nach der Einnahme der Globuli gestorben waren. Die Behörde wies die Hersteller an, die Tabletten zurückzurufen.

Eigentlich sollte ein homöopathisches Mittel schon deshalb keinen Schaden anrichten, weil der ursprüngliche Wirkstoff so extrem verdünnt wird, dass er nicht mehr nachweisbar ist. Dass so eine Arznei auf den Körper in irgendeiner Weise wirkt – nach den Gesetzen der Physik ist das auszuschließen. Warum trotzdem so viele auf Homöopathie setzen? Weil sie ihnen wirklich hilft. Egal ob es nur am Placeboeffekt liegt.

In diesem Fall ist aber etwas schiefgegangen: Der Ausgangsstoff war ein Gift aus der als Belladonna bekannten Schwarzen Tollkirsche: Atropin. Und dieses war offenbar nicht bis an die Grenzen der Nachweisbarkeit verdünnt, sondern noch in zu hoher Konzentration in den Globuli enthalten.

"Die Reaktion von Kindern unter zwei Jahren auf die Inhaltsstoffe der Schwarzen Tollkirsche sind unvorhersehbar und stellen ein unnötiges Risiko für Babys und Kleinkinder dar", sagt Janet Woodcock von der FDA. Der Behörde sei zudem kein gesundheitlicher Nutzen der Tabletten bekannt.

Aufgefallen waren die Zahn-Globuli, als 2016 ein Kleinkind nach Einnahme der Globuli mit epileptischen Anfällen in ein Krankenhaus kam. Der Vater meldete den Fall an die FDA. Die Behörde entdeckte 400 weitere Fälle von Nebenwirkungen und unter anderem die zehn Tode.

© Peter Macdiarmid/Getty Images
Was bringen Globuli?

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Die Deutschen lieben Homöopathie. Auch wenn Experten sie seit 200 Jahren anzweifeln. Denn sie kann gar nicht wirken.

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Wann entstand die Homöopathie?

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Falsch. Die Homöopathie hat sich Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt. Die Menschen suchten Alternativen zur damals oft brutalen Schulmedizin. Die Nationalsozialisten überprüften tatsächlich die Homöopathie auf ihre Wirkung, stellten aber fest, dass sie nicht wirkt.

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Er begründete die Homöopathie

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Samuel Hahnemann ist der Vater der vermeintlichen Heilmethode. Das Konzept dachte er sich allein aus – und prüfte es in Selbstversuchen.

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Samuel Hahnemann

Samuel Hahnemann

Begründer der Homöopathie.

"Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden."

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Die häufigsten Symptome der betroffenen Kinder seien Zittern, Krämpfe, Kurzatmigkeit, Fieber und Lethargie gewesen. Sie alle können durch den Wirkstoff Atropin ausgelöst werden, der in Tollkirschen enthalten ist. Höhere Dosen können zu Koma und Atemstillstand führen. Insgesamt seien Nebenwirkungen durch Homöopathie nicht häufiger als in der Medizin. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Studie von Wissenschaftlern aus dem Jahr 2016.

In Deutschland seien keine Mittel auf dem Markt, die denen aus den USA ähneln, teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Anfrage des Spiegel mit. Im Gegensatz zu den USA wird in Deutschland vor der Markteinführung überprüft, ob die Produkte nach Rezepten der Homöopathie hergestellt wurden, also stark verdünnt sind, oder die Produzenten die Unbedenklichkeit nachweisen können. 

Unseren Homöopathie-Schwerpunkt "Glaubenskampf um die Globuli" finden Sie hier.